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Tiger Girl
Durchschnitts-Wertung
3,1
16 Wertungen - 4 Kritiken
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4 User-Kritiken

Michael S.
Michael S.

User folgen 10 Follower Lies die 364 Kritiken

3,0
Veröffentlicht am 01.12.17
Wenn die Kritik feiert, ist das Publikum nicht automatisch dabei. Manchmal überschneidet sich beides allerdings und irgendwie fühlt sich dieser Film an, als stünde er kurz davor beide Gruppen anzusprechen. Nach dem entfärbt-dokumentarischen Look von "Love Steaks" wagt sich Regisseur Lass nun nämlich an eine eine kräftige Ästhetik und kreative Kameraarbeit, wie sie dem Kino gut stehen und der Großstadt-Atmosphäre am besten Geltung verschaffen. Was die beiden gut gespielten Damen dort erleben ist auch gar nicht mal so uninteressant, denn hier werden Milieus tangiert, mit denen der Durchschnittszuschauer vermutlich seltener in Berührung kommt. Da werden noch nicht einmal Pauschalurteile über Macho-Polizisten, gewaltbereite Jugendliche, abgehobene Galeristen, linke Dauerkiffer oder grobe Security-Typen gefällt, obwohl alle diese Gruppen im Film vertreten sind. Vielmehr deutet sich an, dass vor allem Tiger ein echtes Original mit begründeter Vorgeschichte ist (wohnhaft in einem alten Reisebus), für dessen Lebensweise Vanilla sich zusätzlich begeistern kann. Unangenehm wird es dann, wenn Tigers Auf-die-Fresse-Attitüde ungefiltert auf Vanilla abfärbt und vollkommen unhinterfragt im Raum stehen bleibt. Gegen die Gemeinheiten des Lebens wehrt man sich zwar, allerdings grundsätzlich mit den selben Mitteln wie die Leute, die man nicht leiden kann. An einer Stelle, nach etwa zwei Dritteln des Films, deutet sich kurz an, dass der ganze planlose Spaß auch Konsequenzen haben kann, bevor es dann aber doch wieder in Richtung gemeinsamer Krawall geht. Als wohlmeinender Kritiker deutet man natürlich Gesellschaftskritik (hier mehr quengelig als rotzig), Lebensfreude, unterdrückte Freiheitsideale und dergleichen mehr in den Film hinein, diese Ebene wird aber vermutlich bei weitem nicht jedem offenbart. Dummerweise ist "Tiger Girl" genau die Sorte Film, die wohlmeinende Pädagogen an Wandertagen gerne ihren Schulklassen zeigen, weil er ja so authentisch wirkt. Da freut sich der Primus still über den intelligenten Subtext, während anderen das Geschehen womöglich als Vorbild dient. An der Oberfläche wird nämlich vor allem eins vermittelt: Auf Dinge und Menschen einzuprügeln ist legitim, vor allem dann wenn einem "die anderen" (wer auch immer das gerade ist) was getan haben. Denn irgendwie ist es schon ganz geil und stylisch mit dem Baseballschläger in den Krieg gegen die gefühlte Spießigkeit der Welt zu ziehen und dabei mal so richtig die Sau rauszulassen. Vermutlich sollten die beiden Hauptfiguren nach dem Plan der fünf (!) Drehbuchautoren nur beobachtet und dem Zuschauer das finale Urteil überlassen werden, letztendlich ist der Film aufgrund seiner Begeisterung für die Taten der beiden Heldinnen trotzdem parteiisch. Und hinterlässt damit einen unschönen Nachgeschmack.
amlug
amlug

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2,0
Veröffentlicht am 11.04.17
Vielleicht war ich einfach ein wenig zu optimistisch. Tiger Girl war einer der wenigen deutschen Filme, auf den ich wirklich gespannt war. In der Hoffnung, hier vielleicht einen weiteren Vertreter der, von mir inoffiziell ernannten Berlin-Genre-Kino-Reihe zu sehen, die 2015 mit Victoria einen beeindruckenden Start hinlegte und mich letztes Jahr mit dem hochinteressanten Nachtmahr erneut begeistern konnte. Tiger Girl von Regisseur Jakob Lass enttäuschte mich aber auf ganzer Linie, denn dieser Film war vor allem eines: nervig. Wir sehen eineinhalb Stunden dabei zu, wie Tiger (Ella Rumpf) und vor allem Vanilla (Maria Drăguş) irgendeinen groben Blödsinn in Security-Uniformen machen und das Ganze immer mehr und mehr eskaliert. Ich fühlte mich unschön an The Riot Club von Lone Scherfig erinnert, in dem ich auch nur eineinhalb Stunden lang grauenhaften Exzess und Eskalation vorgesetzt bekam, ohne dass ich so wirklich kapierte, was mir der Film jetzt sagen will. Bei Tiger Girl nun ist es recht ähnlich. Die Grundidee mag ja vielleicht vielversprechend gewesen sein, denn der Charakter der sich total veränderten Vanilla wäre durchaus interessant gewesen und auch Tiger versprüht einen geheimnisvollen Reiz aber das fällt letztendlich alles dem Experimental-Dreh zum Opfer und das ist genau der Grund, warum ich solche Konzepte nicht gut finde. Ich liebe es, wenn Filme neues ausprobieren aber auf diesen Experimental-/Improvisations-Zug bin ich leider nie wirklich aufgesprungen, denn das Problem an solchen Konzepten ist, dass der Film meistens keinen Sinn ergibt, solange man nicht die komplette Backstory der Dreharbeiten kennt. Und genauso ist es auch bei Tiger Girl es fehlen die nachvollziehbar geschriebenen Charaktere, es fehlt die glaubhafte Wandlung von Vanilla, es fehlt einfach an einer Story. Weit über die Hälfte des Films verfolgen wir unsere Charaktere nur beim fragwürdigen Verhalten, wovon zwar schon manche Aktionen vielleicht ganz nett, frech und vielleicht auch vertretbar sind aber über weite Strecken haben wir hier leider nur dumme Aktionen. Und hier ist dann auch der Punkt, an dem ich dann wirklich genervt war, denn ich kapiere einfach nicht, was das Affentheater jetzt sollte. Klar, wir haben eine Charakterentwicklung von der schüchternen Verliererin zum großen Arschloch als Hauptaufhänger, aber ganz ehrlich, diese Verwandlung ist nicht nachvollziehbar und passiert irgendwie von jetzt auf gleich. Es fehlt einfach ein gut geschriebener Charakteraufbau, beziehungsweise eine gut geschriebene Charakterwandlung. Dennoch gibt es auch ein paar positive Dinge von Tiger Girl zu vermelden, denn handwerklich, kann man hier echt nicht meckern. Die Kameraführung war durchweg interessant und harmonierte hervorragend mit dem Schnitt und dem Soundtrack (der mir teilweise aber echt nicht gefiel). Der Film wirkte dabei auch oft wie eine Dokumentation und die Opfer von Tiger und Vanilla sahen wirklich aus, wie willkürlich aufgefangene Leute von der Straße. Was mich auch zu den Schauspielerleistungen bringt, die vor allem für deutsche Verhältnisse richtig, richtig gut waren. Zwar nuscheln im Film fast alle in bester Til Schweiger-Manier, aber das verringert ihre Leistung dennoch nur geringfügig. Maria Drăguş spielt die Verwandlung ihres Charakters Vanilla beängstigend glaubwürdig und Ella Rumpf erledigte ihren Job als Tiger ebenfalls wunderbar! Mein Highlight war allerdings Orce Feldschau, der sich selbst als Security-Lehrer spielt und das einfach nur wunderbar glaubwürdig macht. Fazit: Keine Ahnung, was der Film mir am Ende sagen wollte! Sehr maues Film-Experiment!
Das Kulturblog
Das Kulturblog

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2,5
Veröffentlicht am 10.04.17
„Tiger Girl“ wird vor allem Maria Dragus in der Rolle als „Vanilla“ getragen. Die rumänisch-stämmige Schauspielerin ist eine der aufstrebenden Jungstars der deutschen Filmszene und spielte vor kurzem auch die Hauptrolle in der ARD-Produktion „Tod der Kadettin“. In „Tiger Girl“ macht sie eine Wandlung vom scheuen Mädchen zur Adrenalin-Bombe durch, vor der nichts und niemand sicher ist. Die junge Frau, die gerne Polizistin werden möchte, aber viel zu zart für diesen harten Beruf wirkt, gerät in den ersten Szenen des Films mehrfach in bedrohliche Situationen: sie wird bedrängt und begrabscht. Jedes Mal kommt das titelgebende „Tiger Girl“ (Ella Rumpf) um die Ecke und schlägt die Angreifer zusammen. TigerGirl-Still_TIFF_3K_300dpi-14_1400 Die beiden freunden sich an und ziehen gemeinsam los – bis „Tiger“ die Kontrolle verliert und die früher so brave „Vanilla“ völlig austickt und wahllos Leute zusammenschlägt. Der weibliche Zauberlehrling ist außer Kontrolle geraten. Diese Entwicklung ist zu holzschnittartig und nicht schlüssig genug erzählt. Der Film hat aber auch seine starken Momente: Der rauhe Ton des Ausbilders im Security-Lehrgang, an dem „Vanilla“ teil nimmt, ist sehr realitätsnah getroffen. Auch der Machtrausch, in den sich die beiden kriminellen Aggro-Frauen hineinsteigern, ist im Mittelteil sehr gut dargestellt, als sie ihre Uniformen nutzen und sich am Eigentum und den Körpern ihrer Opfer vergreifen.
Zach Braff
Zach Braff

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4,5
Veröffentlicht am 04.04.17
Nach "Love Steaks" kommt mit "Tiger Girl" ein weiterer Volltreffer von Jakob Lass in die deutschen Kinos. Gespickt mit zwei herausragenden Hauptdarstellerinnen, von denen vor allem Ella Rumpf als Tiger absolut überzeugt, zieht Lass auch hier wieder konsequent sein Ding durch und bleibt seiner bereits in "Love Steaks" herauskristallisierten Linie treu. So entsteht eine vollkommen einzigartige Art von Film, der vielleicht am ehesten noch andere starke deutsche Filme der jüngsten Vergangenheit, wie z.B. "Victoria" oder "Der Nachtmahr" nahe kommen. "Tiger Girl" ist lustig, ernst, bunt, hektisch, vollkommen übertrieben, befreit von jeglichen Konventionen und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Das Schöne ist: es funktioniert! Zu den wirklich grandios performten Kampfszenen gesellt sich ein eindringlicher Soundtrack, sodass "Tiger Girl" einfach nur Spaß macht und zudem weiter die Hoffnung in das neue, junge, deutsche Kinos nährt.
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