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    Ein letzter Tango
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Ein letzter Tango
    Von Ulf Lepelmeier
    Die Tänzer María Nieves und Juan Carlos Copes gelten in Argentinien als Nationalhelden und wichtigste Botschafter des Tangos. Nahezu ein halbes Jahrhundert tanzten die beiden auf den Bühnen der Welt, liebten sich, verachteten sich und vereinten sich wieder. Mit ihren ausdrucksstarken und emotional aufgeladenen Tanzdarbietungen trugen sie dabei unmittelbar zur weltweiten Bekanntheit des Tango Argentino bei. Doch nun sind die beiden einst sogar miteinander verheirateten Helden des Tanzes vom Rio de la Plata seit Jahren zerstritten und wechseln kein Wort mehr miteinander. In der Musikdokumentation „Ein letzter Tango“ widmet sich Regisseur Germán Kral („Der letzte Applaus“) der Geschichte des glorreichen Tanzpaares, indem er die beiden charismatischen Persönlichkeiten unabhängig voneinander von ihrem ereignisreichen Leben berichten lässt – zudem versucht er sie zu einem letzten gemeinsamen Tango zu überreden. Mit der gekonnten Verbindung von Interviews, Originalaufnahmen, Archivmaterial und für den Film gestalteten, hervorragend choreographierten Tanzdarbietungen gelingt dem Regisseur eine mitreißende Ode auf den argentinischen Tanz der Emotionen sowie ein faszinierendes Porträt der komplexen Beziehung des wohl bekanntesten Tangopaares.


    Für den 83-jährigen Carlos war María seine Stradivari, während die mittlerweile 80-jährige den einstigen Tanzpartner immer noch als ihre große Liebe betrachtet: Genauso wie der Tango, der die beiden verband, war auch ihre Beziehung von überschäumenden Gefühlen geprägt – von Leidenschaft, Eifersucht und auch Verachtung. Nach den knisternden Bühnenauftritten flogen nicht selten die Fetzen zwischen dem gefeierten Duo und Maria gibt zu verstehen, dass die Ablehnung und der Hass, die sie irgendwann für ihren Partner empfand, sie zu einer besseren Tänzerin gemacht hätten. Schon allein die unabhängig voneinander geführten Interviews verdeutlichen, dass sich hier stets zwei stolze und unabhängige Persönlichkeiten gegenüberstanden, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen antrieben und die knisternde Spannung des Tanzes auch wirklich verkörperten. Da ist es absolut sinnfällig, wenn Regisseur Kral die wichtigsten Stationen im Leben des Paares, wie das Kennenlernen in einem Tanzclub oder die gefeierten Performances am Broadway tänzerisch nachinszeniert. Die neuen Tangoszenen erscheinen dabei nicht einfach als losgelöste illustrative Sequenzen, sondern der Filmemacher integriert auch ihre Vor- und Nachbereitung sowie vor allem die Kommentare von Maria und Carlos zu den Performances der jungen Tänzer geschickt in seine Dokumentation: So kommen die Ausdrucksstärke des Tanzes und der Respekt für die Protagonisten gleichermaßen zur Geltung.

    Fazit: Germán Kral zelebriert in seiner Dokumentation mitreißend den argentinischen Tango und zeichnet dabei zugleich das faszinierende Porträt eines legendären (Tanz-)Paars.
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