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Dunkirk
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
5,0
Meisterwerk
Dunkirk
Von
Im Vorfeld des Kinostarts von „Dunkirk“ erklärte Regisseur Christopher Nolan („The Dark Knight“-Trilogie, „Inception“), dass sein neues Werk kein Kriegsfilm sei, sondern vielmehr ein Suspense-Film, in dem eine einfache Geschichte über das Überleben erzählt werde. In der Bemerkung steckt sicher etwas Koketterie, aber sie bringt zugleich das Besondere dieses atemberaubenden Kinoerlebnisses auf den Punkt. Denn Nolan inszeniert die Evakuierung von fast 400.000 alliierten Soldaten, die 1940 in der nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen (englisch: Dunkirk) in aussichtsloser Lage von den Deutschen eingekesselt waren, eben nicht als herkömmliches Kriegsactiondrama, sondern verleiht dem apokalyptischen Spektakel eine unglaubliche Unmittelbarkeit und macht es damit vor allem anderen zu einer sinnlichen Erfahrung reiner Spannung: Hier wähnt man sich als Betrachter tatsächlich mitten im Getümmel. Auf Dialoge und eine zusammenhängende Story im klassischen Sinn ist der aus drei verschiedenen geschickt verknüpften Perspektiven (Land, Meer, Luft) erzählte „Dunkirk“ dabei kaum angewiesen: Die Essenz steckt in den packenden Bildern (gedreht im IMAX-Format und auf 65 Millimeter-Film), in der mitreißenden Musik von Hans Zimmer und in einer Intensität, wie sie in einem Film selten zu spüren ist: Christopher Nolan führt das Kino an neue Grenzen. Ein modernes Meisterwerk!

Mai 1940: Der Zweite Weltkrieg tobt mit voller Härte, die Deutschen treiben die Alliierten schwer in die Enge. In Dünkirchen ist die Lage für Briten und Franzosen nahezu hoffnungslos. Die Soldaten haben sich in die Stadt und an den Strand geflüchtet, während die Wehrmacht von allen Seiten attackiert. Die Operation Dynamo der Royal Air Force soll die Wende bringen, aber der Geleitschutz aus der Luft scheint trotz des tapferen Einsatzes von Spitfire-Pilot Farrier (Tom Hardy) und seiner Kameraden nicht für eine sichere Evakuierung über das Meer zu reichen. Der einfache britische Soldat Tommy (Fionn Whitehead) verbündet sich derweil mit einem namenlosen französischen Kämpfer (Damien Bonnard). Sie versuchen, sich einen Platz auf einem gerade auslaufenden Zerstörer zu erschleichen. Doch unter den Augen von Commander Bolton (Kenneth Branagh), der den Abzug der Truppen koordiniert, wird das Kriegsschiff von deutschen Bombern versenkt, Tommy und sein neuer Kumpel können sich in letzter Sekunde retten – genauso wie die Fußsoldaten Alex (Harry Styles) und Gibson (Aneurin Barnard). Unterdessen segelt eine Allianz von Zivilisten mit ihren kleinen Privatbooten von England aus ins umkämpfte Gebiet, um Soldaten in höchster Seenot aufzunehmen, darunter der patriotische Mr. Dawson (Mark Rylance), der sich auch nicht davon stoppen lässt, dass ein traumatisierter britischer Soldat (Cillian Murphy) seinen jungen Helfer George (Barry Keoghan) im Streit schwer verletzt.

Dunkirk Trailer DF


Wenn sich ein Meisterregisseur wie Christopher Nolan an einen Film über den Zweiten Weltkrieg macht, ist es Ehrensache, dass er sich einen ungewöhnlichen Blickwinkel für seine Erzählung sucht – schließlich ist das Grauen schon aus allen erdenklichen Ecken beleuchtet worden. Und so verzichtet der Filmemacher erstaunlicherweise (fast) komplett auf blutige Einzelheiten. Die wahre Geschichte der historischen Operation Dynamo ist hier tatsächlich „nur“ der akkurate Hintergrund für eine „einfache Geschichte vom Überleben“. Keine von Nolans Figuren bekommt eine Vorgeschichte, sie sind einfach nur da und kämpfen ohne viele Worte um ihr Leben. Denn es gibt für sie nur ein Ziel: lebend aus dem Inferno herauszukommen! Das größte Kunststück des Regisseurs dabei ist, dass man trotz dieser Reduzierung auf ein manchmal fast schon abstraktes erzählerisches Minimum mit den Menschen auf der Leinwand mitfiebert – und dafür sorgt die soghafte Inszenierung. Ganz ohne den Einsatz entsprechender (3D-)Techniken fühlt sich „Dunkirk“ fast an wie eine lebensechte virtuelle Realität, in die man als Betrachter regelrecht eintauchen kann.

Diese Intensität ist nicht zuletzt auch auf das von der ersten Minute an extrem hohe Tempo zurückzuführen, das Nolan direkt nach der Einblendung einer kurzen erklärenden Texttafel anschlägt. Wir folgen zunächst dem jungen britischen Soldaten Tommy, der sich in einer dramatischen Sequenz in der Innenstadt von Dünkirchen vorerst vor dem schweren Beschuss der Deutschen in Sicherheit bringen kann – und in dem gleichen Rhythmus geht es immer weiter. Während Steven Spielberg in seinem meisterhaften „Der Soldat James Ryan“ (1998) nach atemberaubenden ersten 20 Minuten vom Gas geht, zieht Nolan sein Konzept der totalen Attacke konsequent durch. Bis zum Abspann gönnt der Regisseur seinen Figuren und seinem Publikum nicht eine einzige Minute Ruhe, permanent fliegen den Männern die Kugeln um die Ohren und die Bomben hageln vom Himmel herab. Die Lebensgefahr ist hier ein Dauerzustand.

Das Gefühl, ständig unter Beschuss zu sein, erreicht Nolan auch dadurch, dass er seine drei unterschiedlichen Perspektiven durch einen Kunstgriff unter einen erzählerischen Hut bringt. Die Ereignisse an Land spielen sich innerhalb einer Woche, die auf See innerhalb eines Tages und die in der Luft innerhalb einer Stunde (so lange reicht der Treibstoff einer Spitfire) ab – doch was kompliziert klingt, entwickelt auf der Leinwand eine ganz einfache, unwiderstehliche Dynamik und verwandelt sich in homogene Action wie aus einem Guss (der Schnitt von Nolans Stammcutter Lee Smith ist wie so vieles in diesem Film oscarwürdig). Eine weitere Verdichtung erreicht der Regisseur durch das komplette Auslassen der deutschen Soldaten, die im Vorspann nur unspezifisch als „der Feind“ vorgestellt werden, aber nie physisch zu sehen sind. Sie bleiben immer im Off. So fühlt sich die Bedrohung noch unheimlicher an und der Blick auf das einzig Wichtige wird weiter geschärft: überleben!

Diese Konzentration aufs Wesentliche ist der größte Trumpf des Films. Sie spiegelt sich auch in der für Blockbusterverhältnisse überaus knappen Laufzeit von nur 107 Minuten, in den präzise gewählten Bildausschnitten von Kameramann Hoyte van Hoytema („Interstellar“, „Spectre“) und in der innovativen Musik von Komponist Hans Zimmer („The Dark Knight“), die als fast ununterbrochen bedrohlich tickende Begleitung eine fast schon sirenenhafte Wirkung erzielt. Wenn man unbedingt das Haar in der Suppe suchen will, wird man am ehesten bei der Nebenhandlung um Oscarpreisträger Mark Rylance („Bridge Of Spies“) fündig. Wenn sein Hobbysegler Mr. Dawson es als seine patriotische Pflicht ansieht, gegen alle Vernunft mit seinem kleinen Boot zwischen martialischen Zerstörern nach Dünkirchen zu schippern, dann ist das für sich genommen zwar durchaus schlüssig (die britische Regierung bat tatsächlich um Hilfe bei Bootsbesitzern), aber hier kommen auf einmal Motivationen und Psychologie ins Spiel, obwohl „Dunkirk“ ansonsten ein Film des Instinkts ist. Und in diesem Zusammenhang wirkt etwa der Heroismus des aufopferungsvoll einfach immer weiter kämpfenden Farrier natürlicher: Die Emotion schlägt die Reflektion.

Fazit: Außergewöhnlich, mitreißend und unfassbar intensiv – „Dunkirk“ ist ein filmisches Bewegungsgemälde, eine in jedem Sinne großartige Kinoerfahrung mit unverkennbarem Nolan-Touch!
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Kommentare

  • lestocki

    Super! Kann's kaum erwarten!

  • Der Eine vom Dorf

    Yes! Also nicht, dass man großartig etwas Anderes erwartet hätte. Aber bis zuletzt hat die Thematik für mich nicht so recht zu Nolan passen wollen.

  • Micox

    Ich glaube es erst wenn ich ihn gesehen habe..

  • Micox

    wohl kaum.. habe es auch nicht gemacht..

  • Admiratio

    Aus meiner Sicht gibt es keine wirklichen Spoiler. Dir Kritik geht v.a. auf die Stimmung und Struktur des Films ein.

  • NolanSnyderJenkinsGenie

    Meisterwerk Meisterwerk ahhhhhh, Nolan Hats wieder geschafft, diese geile Motherf*****ker Genie Regisseur 😍😍😍

  • BobRoss

    5 Sterne sind selbst für Nolan die Ausnahme auf FS. Das bedeutet Pflichttermin :)

  • Alex Ru

    Na toll! .. Wie soll man da noch ne Woche still halten?
    Traue mich auch noch nicht an die Kritik ran - habe Angst vor eventuellen Spoilern.
    Nichts für Ungut FS - aber in letzter Zeit seid ihr das ein oder andere mal in ein Fettnäpfchen getreten, was das angeht :D

  • Hans H.

    Wahnsinn ! Da bin ich ja mal gespannt.

  • killerloop

    Hach, einerseits Nolan aus Regiseur, andererseits ein Thema was mich so gar nicht reizt.. WW2... Naja, nach dem Nolan film ist vor dem Nolan film... mal sehen was als nächstes kommt. Von mir aus könnte er bis in alle Ewigkeit SciFi filme machen... :-)

  • Knarfe1000

    Nolan liefert mal wieder! Großartig!!

  • Tillberg

    Du kannst die Kritik bedenkenlos lesen.

  • Michel M.

    Nach all der Skepsis hätte ich nie mit so einer Bewertung gerechnet. Nolan liefert wohl wieder ein Meisterwerk. Bislang fand ich alle seine Filme sehr gut bis überragend. Er hätte auch schon längst einen Oscar bekommen müssen, gerade bei Inception wäre es angebracht gewesen.

  • Jimmy V.

    Klingt gut. Die Kritiken zu Nolans Filme sind ja oft auch berechtigt. Ich hoffe nach "Interstellar", mehr noch aber TDKR wieder auf einen sehr guten Film, der diese Bewertungen verdient. Scheint hier auch der Fall zu sein.

  • Tillberg

    Für Leute die nicht geschichtsinteressiert sind, ist dies tatsächlich ein Mega-Spoiler :)
    Die Geschichte um Dünkirchen ist bei weitem nicht so bekannt wie z.B. die um den D-Day, Stalingrad oder Pearl Harbour.

  • HalJordan

    Das klingt alles sehr vielversprechend. Auf Nolan ist halt Verlass. "Insomnia" ist für mich sein schwächster Film und der liegt schon 15 Jahre zurück.

    Den Kinobesuch zu "Dunkirk" hatte ich ohnehin auf dem Schirm, jetzt ist die Vorfreude darauf noch mehr gestiegen. Sehr schön!

  • Aequitas

    Klar tust Du das...

  • SonnyC

    Den Insomnia Hype habe ich auch nie verstanden.

  • Alex Ru

    Wie einer weiter unten schrieb, ist die Geschichte um Dünkirchen nicht ansatzweise so bekannt wie eben der D-Day oder Pearl Harbour. Und tatsächlich kannte ich die Geschichte nicht bevor ich mitbekommen habe was der Nolan da eigentlich vorhat. Über deren Ausgang bin ich mittlerweile informiert.
    Aber es geht mir auch nicht darum. Ich weiß z.B. nicht wie es passiert es und welche Schauspieler welche Rolle auf welcher Seite übernimmt! Wer gibt z.B. den Löffel ab?

    Ich habe kein großes Problem mit Spoilern - außer ca. alle 2 Jahre wenn der Nolan wieder ein Film präsentiert.
    (Und eventuell bei Game of Thrones)

  • Alfred Jodocus Kwak

    Allein aufgrund seiner von der ersten bis letzten Minute konsequenten Reduzierung auf Bild und Ton ein bemerkenswertes Kinoerlebnis, das man so schnell nicht vergisst bzw. abschütteln kann - war nach der Vorführung so geladen, dass ich erst einmal tief durchatmen musste. Denn Nolan wirft auch uns als Zuschauer mitten hinein in das ohrenbetäubende Chaos des Krieges, der seit langem nicht mehr in so atemberaubend schönen (70mm-)Panoramen eingefangen wurde. Als emotional mitreißender Kriegsfilm funktioniert der erneut betont unterkühlt und distanziert inszenierte Nolan zwar nicht, aber als schonungslos packendes Erlebniskino durchaus.

    Hans Zimmers dominanter Score ist dabei Fluch und Segen zugleich: Er zieht sich von der ca. dritten bis zur letzten Minute durch den gesamten Film und treibt mit seinem dröhnenden Klangteppich, der akustisch einer nicht enden wollenden Mixtur aus Sekundenzeigerwahnsinn und Countdown gleichkommt, unnachgiebig die Spannungskurve höher und höher, bis es kaum mehr auszuhalten ist. Das funktioniert in den Actionszenen ganz wunderbar, irritiert aber zuweilen in den (wenigen) dialoglastigeren Szenen.

    Das muss ich Nolan lassen: Für Filme wie Dunkirk wurde Kino erschaffen. Die Sitze des Zoopalasts wackelten nur so bei jedem Einschlag einer Granate oder bei jedem Kreischen eines Flugzeugmotors. Selten ist Kino eine solch audiovisuelle Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Und allein dafür sollte man Dunkirk im Kino gesehen haben.

    Sehr viel mehr zu Dunkirk sowie Spider-Man: Homecoming, Planet der Affen 3 und Atomic Blonde schon ganz bald in der frisch aufgenommenen 25. Folge Kinokost. :-)

  • emmerich6

    Bei Insomnia muss man ja auch mit berücksichtigen, dass das der einzige Film von ihm ist, bei dem das Drehbuch nicht von ihm stammt. War mehr ne Auftragsarbeit. Das merkt man dem Film auch etwas an, obwohl er trotzdem ganz gut ist, dass so die typischen Erzählweisen von Nolan fehlen.

  • NolanSnyderJenkinsGenie

    Immer 😎

  • SonnyC

    Hype ist vielleicht zuviel gesagt. In vielen Top Listen wird Insomnia aber besser bewertet als z.B. Prestige. Mit Abstand sein schlechtester Film.

  • Der Eine vom Dorf

    Das wiederum ist Meckern auf ganz hohem Niveau. ;-)

  • HalJordan

    Das stimmt allerdings. Ein schwächerer Nolan-Film ist immer noch besser, als bestimmte Filme von manch anderen Regisseuren.

  • HalJordan

    Korrekt, dieser Gedanke kam mir auch damals, nachdem ich "Insomnia" zum ersten Mal gesehen habe. Wie du schon richtig geschrieben hast, war das mehr ein Autragsjob. Die Filme, bei denen er sich auch inhaltlich beteiligen konnte, gefielen mir deutlich besser. "Insomnia" ist nicht schlecht, allerdings kann er es deutlich besser. Eben kein typischer Nolan-Film.

  • SonnyC

    Eben nicht. Insomnia ist, wohlgemerkt für MICH, ein absoluter Mistfilm. Nolan hin oder her.
    Prestige ist einer meiner Lieblingsfilme und meine Nolan No. 1, von daher.... stinkt mir das ein wenig : )

  • HalJordan

    Ich sage nur Geschmäcker und so. ;-) "Insomnia" kann man sich in jedem Fall anschauen. Alleine aufgrund der Performances von Al Pacino und dem grandiosen Robin Williams lohnt sich der Streifen. Auch die Kameraarbeit von Wally Pfister weiß zu überzeugen. Hilary Swank war leider unterfordert.

    Natürlich fällt der Film - im Vergleich zu seinen übrigen Werken - auch bei mir deutlich ab. Das liegt allerdings auch daran, dass wir ein anderes Niveau von Nolan gewohnt sind. Mein Ranking seiner bisherigen Arbeiten sieht übrigens so aus:
    1. The Dark Knight
    2. Inception
    3. Prestige

  • FAm Dusk Till Dawn

    Das Klingt wirklich klasse. Promomaterial war ja nicht so der Renner (und das offizielle Poster ist krebserregend ...). Kino ich komme.

  • TresChic

    aber immerhin 4 von 5 Sternen. Deine Kurzkritik liest sich wie ein 3 von 5 - eher so Mittelmaß.

  • TresChic

    Ob er wirklich gezögert hat oder ob das eine Überlieferung ist....wir werden es nie erfahren.

  • Admiratio

    Ich schließe mich den etwas skeptischeren Tönen hier an!
    Der Film ist zweifellos gut und Nolan schafft es, auch diesem Genre seinen Stempel aufzudrücken. Ich schätze an Nolan besonders, dass man bei ihm nie den Eindruck hat, er hätte eine "Auftragsarbeit" angenommen, sondern er hat seine eigenen Projekte im Kopf und will diese umsetzen.

    Hier war seine Idee offenbar, einen intensiven Ausschnitt aus dem Kriegsgetümmel gepaart mit verschachtelten Zeitebenen dieser Operation zu inszenieren.

    Ersteres ist ihm aus meiner Sicht gelungen: gerade die erste Hälfte ist sehr intensiv, Kamera, Ton (nicht unbedingt Soundtrack) und Schnitt versetzen den Zuschauer in Stress und Unbehagen. Da es auf der Handlungsebene fast keine Namen, Hintergründe oder Charakterentwicklungen gibt, wird dem Zuschauer auch so jegliches Fehlen von Individualität in einem solchen Krieg vor Augen geführt.

    Soweit so gut.

    Mit dem zweiten Ansatz (Zeitebenen) hat sich Nolan aber aus meiner Sicht vertan. Dieses Gimmick hatte aus meiner Sicht keinen Mehrwert für den Film und hat ihn hinten raus sogar unnötig zäh gemacht. Erstmal ging der Effekt für mich insofern nicht auf, dass die unterschiedlichen Zeiträume gar nicht spürbar waren. Es ist natürlich durch Schnitte und Protagonisten erkennbar, in welcher Zeitebene man sich befindet, aber es "fühlt" sich letztlich doch so an, als würde Vieles zeitgleich ablaufen.
    Einzig am Ende der längsten Zeitebene ("Die Mole") wurde für mich spürbar, was es für Gefühl sein muss, nach dieser Belastung (über diesen Zeitraum) einen Hoffnungsschimmer zu haben.
    Ansonsten führen die Zeitebenen aber vor allem dazu, dass man die gleichen Ereignisse mehrfach sieht (wenn sich die Zeitebenen überlappen) - und das hat den Film hinter raus für mich unnötig lang gemacht. Ich war regelrecht überrascht, dass er gar keine so lange Laufzeit hatte!

    Wie häufig bei Nolan-Filmen fällt das Mitfiebern mit einzelnen Charakteren schwer. Hier scheint mir das aber insofern gewollt, als es eigentlich gar keine Charaktere gibt, sondern "der unbekannte Soldat" im Mittelpunkt steht.

    Unterm Strich habe ich den Kino-Besuch auf keinen Fall bereut, aber um ein Meisterwerk handelt es sich aus meiner Sicht nicht. Dennoch freut es mich vor allem, dass es noch Regisseure gibt, die interessante Ansätze für Stoffe finden und diese dann einfach umsetzen. Nolan hat sich dieses Standing erarbeitet und er bleibt sich dabei treu. Zuletzt bei "Interstellar" und auch "Dunkirk" hätten aus meiner Sicht aber auch 1-2 Ideen weniger pro Film ausgereicht.

    Auf jeden Fall wirkt "Dunkirk" im Kino sicher mehr (vor allem die Soundeffekte), weshalb ich einen Kino-Besuch empfehlen würde.
    4/5

  • MaxPowers

    also hab den Film im IMAX gesehen, ich muss leider leider sagen dass mir dieser Film überhaupt nicht gefallen hat :( .

    Ich habe nix von der Intensität gespürt.... vom Tempo ganz zu schweigen.

    Auf der emotionalen Ebene hat mich der Film Null berührt. Mir was es total egal wer hier stirbt, wer gegen wen kämpft,..... jeder Schauspieler war austauschbar.....
    Auch vom Soundtrack war ich sehr enttäuscht..... war der überhaupt vorhanden ? ^^

    Das war für mich kein Film im klassichen Sinne , sondern eher ne langweilige Doku.

    Nach dem eigentlichen Meisterwerk, nämlich Interstellar, kommt Nolan mit einem durchschnittlichen "Kriegsfilm" daher.

    Nobody is Perfect ;)

  • Admiratio

    Glsube ich nicht. Ich kann schon nachvollziehen, dass der Rezensent die Andersartigkeit von Nolans Ansatz belohnen will. So einen Kriegsfilm habe ich noch nicht gesehen und es ist auf jeden Fall ein guter bis sehr guter Film!
    Aber 5 Sterne bedeuten für mich, dass es sich um ein absolutes Meisterwerk handelt - das ist für mich eben nicht der Fall. Letztlich Geschmackssache...

    Völlig abschmieren tut der Film ja hier in kaum einem der Kommentare. Dass er einen gar nicht abholt, kann ich mir nicht vorstellen - aber er hat eben auch Schwächen.

  • Flodder

    """Wenn man unbedingt das Haar in der Suppe suchen will, wird man am
    ehesten bei der Nebenhandlung um Oscarpreisträger Mark Rylance fündig. Wenn sein Hobbysegler Mr. Dawson es als seine patriotische
    Pflicht ansieht, gegen alle Vernunft mit seinem kleinen Boot zwischen
    martialischen Zerstörern nach Dünkirchen zu schippern, dann ist das für
    sich genommen zwar durchaus schlüssig (die britische Regierung bat
    tatsächlich um Hilfe bei Bootsbesitzern), aber hier kommen auf einmal
    Motivationen und Psychologie ins Spiel."""

    ???? Ich stell mir den Film ohne die zivile Seite vor, die historisch mit der springende Punkt an dem Dunkirk-Ausschnitt Kriegsgeschichte ist.

    Dann wär dieser Film nur noch eine leblose, blendend inszenierte Doku in einem groß angelegten Wochenschau-Stil ohne einen Funken Figurenpower und Spannung - uns Hans sorgt mit seiner "Musik" hier öfters für (An)Spannung wo auf Filmguckerseite sonst kaum eine wäre.

    Falls noch unbekannt, sehen Filmkritiker oder Kriegsfilminteressierte unbedingt auch den Dunkirk-Film von 1958, gibts sofort nur in englisch, demnächst aber in Deutschland.

  • Flodder

    """Nolan inszeniert die Evakuierung von fast 400.000 alliierten Soldaten..."""

    ???????? Der inszeniert den Anfang einer mehrtägigen Aktion, da sind vielleicht noch nicht mal 5000 im Film zu sehen.

    ""...apokalyptischen Spektakel..."""

    """"Während Steven Spielberg in seinem meisterhaften „Der Soldat James Ryan“
    nach atemberaubenden ersten 20 Minuten vom Gas geht, zieht Nolan
    sein Konzept der totalen Attacke konsequent durch. Bis zum Abspann
    gönnt der Regisseur seinen Figuren und seinem Publikum nicht eine
    einzige Minute Ruhe, permanent fliegen den Männern die Kugeln um die
    Ohren und die Bomben hageln vom Himmel herab. Die Lebensgefahr ist hier
    ein Dauerzustand.""""

    ????? Das klingt wirklich atemloser und nach mehr als im Film ist.

    Uns Hans gönnt einem mit der unruhigen "Musik" kaum Ruhe.
    Ohne Uns Hans wär der Film viiiiiel ruhiger, vielleicht sogar länger entspannt mit ein paar (! - im Verhältnis zu Laufzeit) Schüssen und Bomben als Aufschrecker.
    Mir kam mittendrin mal in den Sinn, das Gebotene möcht ich mal ohne Hans zum Vergleich sehen - die BlueRay-Produzenten sollten diese "Wochenschau-Deluxe-Version" unbedingt auch anbieten. Vorstellen kann man sichs aber auch so.

  • FAm Dusk Till Dawn

    Hätte 4 Sterne vergeben. Krasses Setting. Die drei ineinander verwobenen Erzählstrange gehen trotz der massiven zeitlichen Unterschiede wunderbar ineinander über. Und, alles wirkt echt. Auch in den Massenszennen. Klar ist auch hier sicher VFX geflossen aber alle Achtung an die Künstler.

    Aber: Mich hat das ganze Geschehen zum Großteil erschreckend kalt gelassen. Die Menschen bleiben gesichtslos. Besonders am Strand gibt es niemanden, mit dem man groß mitfiebert. Tausende von Soldaten zum Protagonisten zu erklären funktioniert für mich einfach nicht.
    Und, auch wenns super blöd klingt, aber die Soldaten tun ja auch nichts außer warten oder absaufen. Das ist im Film schwierig spannend zu erzählen.

    Der Erzählstrang um die Luftkämpfe ist dagegen wirklich zermürbend intensiv. Hier geht Nolan echt in die Vollen.

    Ab ins Kino mit allen. Ein Film für die Leinwand.

  • ProjectX

    Was soll den die "Message" sein? Du sollst keinen Krieg führen?

    Ich fand dem Film alles andere als langweilig!
    Teilweise sogar wieder zu viel Actionkino/Hollywood in anbetracht des letzten Dogfights. Gerade die Musik von Zimmer läßt einem doch kaum Spielraum mal in Ruhe das Geschehene zu betrachten. So wie Krieg halt ist...

    Der Vergleich zu James Ryan:
    Das Schicksal eines(Soladt Ryan) oder von 400.000Menschen(Dünkirk) ist nicht gerade der beste Vergleich.
    Wenn überhaupt must du ihn mit "Der Schmale Grat" vergleichen!
    Es explodiert halt nicht alle paar Minuten eine Granate oder es stirbt jemand.
    Hier geht es um das Schicksal und die Emotionen in einem Kessel gefangen zu sein wo kaum Hoffnung besteht.

    Ach und noch was...ich war nicht damals in Dünkichen dabei...und find ihn klasse...

    4,5/5 für einen untypisches Nolan Patos und die Entscheidung den Piloten so ein unnötiges Ende zu bereiten

  • Silvio B.

    Kurz: Keine Gedärme, kein Blut, kein Geschreie = Kein guter Kriegsfilm.
    Oje...Oje...

  • Silvio B.

    Traurig, dass immer alles ins Detail genau gezeigt werden muss, damit es abschreckend ist.

  • Silvio B.

    "Krieg ist dreckig, beschissen, zerstört Leben auf vielen Ebenen, bringt kein Heldentum hervor, usw..."
    Darauf bezog sich meine Antwort. Und dieser Film zeigt genau das deutlicher, als zB James Ryan, der mit seiner Gewaltdarstellung und der patriotischen Story nur an der Oberfläche kratzt. So gut der Film auch ist.

    Mit Gravity gebe ich dir recht. Diese Spannung ist nicht leicht zu erreichen.

  • Der Eine vom Dorf

    Haha. Genialer Kommentar. :-D

  • Der Eine vom Dorf

    Auch Harry Styles Synchronisierung war schwach. Leider lief er nur auf deutsch.

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