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    The First King - Romulus & Remus
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    The First King - Romulus & Remus

    Eine trotz "Apocalypto"-Anleihen eher zähe Geschichtsstunde

    Von FILMSTARTS FILMSTARTS
    Thronkriege, Götterzorn, Bruderzwist und dann wäre da noch die Episode mit der Wölfin: Die Geschichte der Gründung Roms gibt genug aufregendes Material für großes Monumentalkino her und doch hält sich die Zahl der nennenswerten Filme zu diesem Thema eher in Grenzen. Sergio Corbucci ist einer der wenigen bekannten Regisseure, die sich an die Geschichte der römischen Gründungsväter Romulus und Remus herangetraut haben. Sein „Duell der Titanen“ erschien allerdings bereits 1961 und hat somit schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Der italienische Regisseur Matteo Rovere wagt nun eine neue filmische Interpretation des Gründungsmythos. In „The First King – Romulus & Remus“ zeigt er die Geburtsstunde der Stadt als einen düsteren Machtkampf mit blutigen „Apocalypto“-Anleihen – weiß dann aber offenbar selbst nicht so richtig, was ihn eigentlich genau an dem Stoff fasziniert.

    753 vor Christus (das Jahr, in dem Rom bekanntermaßen „aus dem Ei kroch“): Eines Tages werden die Hirten Romulus (Alessio Lapice) und Remus (Alessandro Borghi) in der Region Latius von einer gigantischen Flutwelle überrascht. Sie überleben zwar knapp, werden aber von Kriegern aus Alba Longa gefangengenommen. Unter Aufsicht der Vesta-Priesterin Satnei (Tania Garribba) zwingt man sie gemeinsam mit anderen Gefangenen zu brutalen Zweikämpfen. Doch die Brüder proben mit den restlichen Sklaven einen Aufstand und entkommen. Die Gruppe nimmt Satnei als Geisel und flieht durch die Wälder. Doch dann spricht die Priesterin die legendär-verhängnisvolle Prophezeiung über einen unabwendbaren, einem großen Ziel dienenden Brudermord aus …

    Romolus und Remus fliegen gemeinsam mit einem Haufen Sklaven durch den Wald.


    Man muss Matteo Rovere auf jeden Fall hoch anrechnen, dass er es mit einem verhältnismäßig geringen Budget schon nach wenigen Filmminuten schafft, einen ins Staunen zu versetzen. Wenn die Gefangenen von ihren Peinigern nach Alba Longa getrieben werden und die Kamera das erste Mal die Stadt einfängt, dann ist das erstaunlich aufwendig in Szene gesetzt. Das ist auch deshalb so beeindruckend, weil das Leben in dieser Zeit im achten Jahrhundert vor Christus sonst eher selten im Kino gezeigt wird.

    Schädel einschlagen auf Lateinisch


    Dabei weckt „The First King“ mit dem Sklavenaufstand nach der drohenden Opferung und dem inszenatorischen Streben nach Authentizität schon nach kurzer Zeit in mehrerer Hinsicht Erinnerungen „Apocalypto“. Mel Gibsons Maya-Epos hat es damals – abseits aller Diskussion und Kritik an der historischen Akkuratheit – geschafft, mit einer teilweise fast schon dokumentarischen Inszenierung eine Epoche überwältigend zum Leben zu erwecken. Wie das Maya-Abenteuer ist auch „The First King“ nicht nur sehr blutig und brutal, sondern auch in Originalsprache gedreht. Es wird durchgängig eine rekonstruierte Form des Lateinischen gesprochen.

    Vom Lesen der Untertitel muss sich aber trotzdem niemand abgeschreckt fühlen, denn ein sonderlich geschwätziger Film ist „The First King“ ohnehin nicht geworden. Stattdessen sind die Dialoge meistens (vorsichtig ausgedrückt) eher zweckdienlich. Der Kniff mit der Sprache trägt dabei durchaus zu der Immersion dieses Historienfilms bei und ist zum Glück weit entfernt von dem gestelzten Schul-Latein, das beispielsweise in Mel Gibsons „Passion Christi“ zum Teil gesprochen wurde. Atmosphärisch gibt es also wenig anzukreiden. Matteo Rovere gelingt es eindrucksvoll, diese archaische Welt einzufangen. Die düsteren Sümpfe, die vernebelten Wälder, die ständig präsenten Naturgeräusche, all das hat etwas ungemein Raues und Bedrohliches an sich. Wenn hier im Matsch gekämpft wird und Verwundete im Dreck, den Naturgewalten ausgeliefert, schlimmste Qualen erleiden müssen, dann erinnert das nicht selten an Filme wie „Walhalla Rising“ oder „The Revenant“. Rovere gibt sich alle Mühe, ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie sich das Leben in dieser mythischen Zeit mit einer ständigen Furcht vor den Göttern angefühlt haben muss. Dabei spielt das Übersinnliche im Film selbst kaum eine Rolle.

    Nicht nur die brutalen Gemetzel im Matsch erinnern an „Apocalypto“.


    Diese Verfilmung der Sage hat selbst wenig Sagenhaftes an sich, sondern konzentriert sich eher auf die Frage, wie es tatsächlich gewesen sein könnte. Die Geschichte mit der Wölfin, die die beiden Brüder gesäugt haben soll, fehlt deshalb auch (wobei Rovere eh nur in einer kurzen Rückblende auf die Kindheit der beiden schaut). Generell ist man danach nur wenig schlauer, was die Hintergründe der zwei Hauptfiguren angeht, die zu wenig miteinander interagieren dürfen. Man ist daher gut beraten, sich vorher noch einmal über die Geschichte zu informieren. „The First King“ verzichtet auf eine größere Exposition, sondern konzentriert sich nur auf diesen einen kleinen Zeitabschnitt, der leider nur mäßig interessant und informativ geraten ist. Der Film versucht, den Gründungsmythos Roms aus einer möglichst realistischen, menschlichen Sicht zu beleuchten, Götter gibt es hier keine zu sehen. Das passt natürlich zu der naturalistischen Inszenierung, hat in der zweiten Hälfte aber mit erheblichen Spannungsproblemen zu kämpfen und fällt als italienisches Pendant zu „Apocalypto“ hinter Mel Gibsons Dschungel-Verfolgungsjagd stark ab.

    Schade ist zudem, dass das Historien-Biopic seine Spannung ab einem gewissen Punkt einzig aus der Frage, welcher der beiden Brüder denn nun den anderen ermorden wird, zu ziehen versucht. Schließlich wissen die meisten Zuschauer die Antwort auf diese Frage ja schon vor dem Kinobesuch. So besteht der Großteil dieses zu langen Films aus Wanderungen durch den Wald und dem Warten darauf, dass sich die göttliche Bestimmung endlich erfüllt. Das groß bebilderte Epos, das man nach dem viel spektakuläreren Auftakt noch erwarten könnte, verkleinert sich immer weiter und beschränkt sich irgendwann nur noch auf einen einzelnen unansehnlichen Schauplatz.

    Auf den Spuren von Shakespeare


    Interessant ist hingegen, wie Rovere den Fokus zunehmend auf die Figur des Remus legt, der von Alessandro Borghi in seinem sich steigernden Wahnsinn recht intensiv und charismatisch gespielt ist. Dieser Remus wird als jemand gezeichnet, der so auch aus einem Shakespeare-Drama stammen könnte: Ein Machthungriger, der alle Vorzeichen falsch deutet, martialische Reden schwingt und schließlich tief fallen wird. Viel mehr als diesen im Vorfeld bekannten Fall gibt es dann aber leider auch nicht zu sehen.

    Zumindest die wenigen Actionszenen reißen einen zwischendurch immer wieder aus dem Dämmerzustand, denn in den Kämpfen geht es der FSK-18-Freigabe angemessen derbe zur Sache. Wenn hier aufeinander eingehackt wird, dann ist das mit den handgemachten Make-Up-Effekten und Prothesen tatsächlich äußerst schmerzhaft anzusehen. Am Ende ist dieser Übergang von der Barbarei zur Zivilisation, der hier durchexerziert wird, eben doch ein erstaunlich brutaler Schritt.

    Fazit: Matteo Rovere strebt in seiner „Romulus und Remus“-Interpretation nach größtmöglicher Authentizität, hat sich für seine Erzählung aber eine eher uninteressantere Episode aus dem römischen Gründungsmythos herausgesucht. Atmosphärisch stark und zum Teil sehr blutig, aber nur mäßig spannend oder erhellend.

    Eine Filmkritik von Janick Nolting.

    Wir haben „The First King – Romulus & Remus“ auf dem Fantasy Filmfest 2019 gesehen.


     

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