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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Das Land der Heiligen
Von
In Hollywood-Gangsterfilmen wie Brian De Palmas durchgeknalltem „Scarface“ oder Martin Scorseses furiosem „GoodFellas“ wird ein glamouröses Bild der Mafia entworfen, das uns dazu verführt, mit den bösen Buben mitzufiebern. Dahingegen zeichnen die Filmemacher aus dem Stammland der Cosa Nostra zumeist ein vollkommen gegensätzliches Bild der „ehrenwerten Gesellschaft“: So präsentierte etwa Damiano Damiani 1971 mit „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ ein ungeschöntes Porträt der dreckigen italienischen Realität mit ihren allgegenwärtigen Verflechtungen zwischen Wirtschaft, Politik und organisiertem Verbrechen. Diesen kritischen Geist atmen auch neuere Werke aus Italien wie die Buchverfilmungen „Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra“ und „Suburra“. Doch auch sie sind weiterhin Genrefilme, bei denen Action und Spannung eine entscheidende Rolle spielen. Einen ganz neuen Ansatz bietet nun Fernando Muraca in seinem Kinodebüt „Das Land der Heiligen“: Er zeigt das sinistere Treiben der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta in seinem ruhigen Drama aus der Sicht der Frauen. Diese spielen in der Organisation eine nur zu gerne unterschätze Rolle ...

Im italienischen Kalabrien sind zwei ungleiche Schwestern fest an die 'Ndrangheta gebunden: Die machthungrige Caterina (Lorenza Indovina, „Almost Blue“) ist mit dem untergetauchten Chef Alfredo (Tommaso Ragno, „Die Überglücklichen“) verheiratet und will, dass auch ihr Sohn Pasquale (Marco Aiello) eines Tages ein großer Boss an der Spitze des Mafiaclans wird. Caterinas Schwester Assunta (Daniela Marra) gehört ebenfalls der Organisation an, aber die Aussicht, dass auch ihr Sohn Giuseppe (Piero Calabrese) in Zukunft wahrscheinlich ein Mafioso werden wird, gefällt ihr gar nicht. Die aus Norditalien stammende Staatsanwältin Vittoria (Valeria Solarino) versucht unterdessen an die Schwestern heranzukommen. Sie sieht im Schweigen der Frauen die eigentliche Machtgrundlage der 'Ndrangheta. Wenn es ihr gelänge, dieses Schweigen zu beenden, würde das gesamte kriminelle System in sich zusammenbrechen – davon ist Vittoria überzeugt.



„Das Land der Heiligen“ ist der Name, unter dem der in dem Film gezeigte Landstrich in Süditalien einst bekannt war. Wie es um diese vermeintliche Heiligkeit aktuell bestellt ist, zeigt auf eindrückliche Weise eine Szene mit einer Aufnahmezeremonie in die 'Ndrangheta: Da werden Jesus Christus und die mafiöse Familie in einem Atemzug genannt. Das Ritual wird schließlich mit der feierlichen Überreichung einer Knarre besiegelt. Dieser Zynismus ist bezeichnend für die im Film gezeigten Überzeugungstäter der 'Ndrangheta. So sorgt Lorenza Indovina als sich nach außen fürsorglich gebende Caterina mit ihrer Abgebrühtheit dafür, dass dem Betrachter frostige Schauer über den Rücken laufen. Protagonisten wie sie veranschaulichen die eisige Kälte, die heute wie eine tödliche Krankheit die gesamte Gesellschaft im einstigen Land der Heiligen durchdringt. Passend hierzu taucht der Kameramann Federico Annicchiarico den Großteil der Szenen in ein ebenso tristes wie kühles Blau. Von Lebensfreude keine Spur.

Ein deprimierendes Dasein führt insbesondere Caterinas Schwester Assunta (Daniela Marra): Nachdem ihr erster Mafioso-Ehemann beim Bandenkrieg ums Leben gekommen ist, wird sie von Alfredo gezwungen, dessen Bruder Nando (Francesco Colella) zu heiraten. Assuntas „Einverständnis“ erfolgt aus purem Überlebenswillen. Zugleich lässt sie keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie ihren neuen Gatten zutiefst verabscheut. Die strukturelle Gewalt zieht sich wie ein giftgrüner Faden durch das gesamte Beziehungsgeflecht dieser Familie. Nach vorne raus wird dabei freundlich gelächelt - doch dies ist stets ein Lächeln mit entsicherter Waffe. Die kommt hier ganz im Gegensatz zu sehr vielen anderen Mafiafilmen allerdings nur selten zum Einsatz, Macht und Gewalt werden in diesem Drama sehr viel subtiler und auch nachhaltiger ausgeübt.

Fazit: Das italienische Mafiadrama „Das Land der Heiligen“ ist kein actiongeladener Gangsterfilm, sondern eine nuancierte Erzählung über die strukturelle Gewalt als Machtgrundlage der Familienclans aus weiblicher Perspektive.

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