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    Beti und Amare
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Beti und Amare
    Von Matthias Manthe
    Krieg trifft immer zuerst die Schwächsten. Der deutsche Regisseur Andy Siege, Sohn von Entwicklungshelfern in Kenia, übersetzt diese Erkenntnis in den Debütfilm „Beti und Amare“. In seinem historisch-surrealen Drama erzählt er vom Schicksal einer Flüchtigen während Mussolinis Überfall auf Abessinien 1936. Das Mädchen Beti (Hiwot Asres) wird in dieser extrem gefährlichen Situation von seiner Mutter aus der Stadt zum Großvater in die Wüste des späteren Äthiopiens geschickt. Dort soll es vor den brutalen Kriegsangriffen der faschistischen Italiener sicher sein. Doch selbst in Opas armseliger Lehmhütte stellen Beti sowohl die Europäer als auch die lokale Miliz nach. Als die Ziege des Großvaters verendet, bleibt das Mädchen allein in der Wüste zurück. Der Kampf ums Überleben beginnt. Betis einziger Weggefährte: ein nackter, unschuldiger Junge (Pascal Dawson) mit Raubtierzähnen.

    Es ist still in der abessinischen Einöde. Zu hören sind zunächst nur der Wind und Betis Gesang. Dialoge finden nur sporadisch und häufig asynchron zum Bildgeschehen statt. Im Stil überlieferter Volkssagen kommentiert Beti selbst in amharischer Sprache die knappe Handlung, die den Rahmen eines Kurzfilms kaum sprengen würde und die unübersehbare Ähnlichkeiten zu David Lynchs Frühwerk „The Grandmother“ von 1970 aufweist: Ein eiförmiges Objekt fällt nahe der Hütte vom Himmel. Daraus schlüpft jenes jungenhafte Wesen, das Beti Amare tauft - italienisch für „lieben“. Sie nimmt sich der außerirdischen Gestalt an und baut eine emotionale Verbindung zu ihr auf.

    Betis Feststellung „Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß. Das Leben hat Farben“ erweist sich als  wichtigster Schlüssel zur surrealistischen Handlung. Regisseur Andy Siege setzt auf expressive Kontraste und wechselt zwischen monochromen und vielfarbigen Bildern, wobei er Realität, Traum und Trance gekonnt vermischt: Es ist das Wesen aus dem Himmel, das die Farbe in Betis grauenhafte Existenz bringt. Das allegorische Monster erlaubt es ihr, vom passiven Opfer und Objekt zum aktiven, fürsorglichen Subjekt zu werden - oder von der Fliehenden zur Aufnehmenden. Das Mädchen fängt schließlich an, sich gegen die Vergewaltiger zu wehren. Das Monster namens Liebe ist in ihr. Und es rettet ihr das Leben und die Menschlichkeit.

    Fazit: In seinem allegorischen Drama erzählt Regisseur Andy Siege ausdrucksstark vom Schicksal eines Mädchens im Krieg und zugleich von der bis heute allgegenwärtigen Gewalt gegen Frauen.

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