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    Dora und die goldene Stadt
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Dora und die goldene Stadt

    Ein Vorschul-Superstar auf den Spuren von Indiana Jones

    Von Oliver Kube
    Zwischen 2000 und 2014 liefen insgesamt acht Staffeln der Nickelodeon-Zeichentrickserie „Dora“. Dabei entwickelte sich die mit erzieherischen Elementen angereicherte und mit einer Latina-Protagonistin aufwartende Serie schnell zu einem regelrechten Vorschul-Megahit! Doras immense Popularität generierte eine Spin-off- und eine Sequel-Serie, dazu Bücher, Videospiele und natürlich zahllose sonstige Merchandise-Artikel. Mit dem von „Die Muppets“-Regisseur James Bobin familientauglich inszenierten, auch für erwachsene Begleiter durchaus amüsanten Abenteuerstreifen „Dora und die goldene Stadt“ kommt nun zudem auch noch eine Realverfilmung in die Kinos. Dabei handelt es sich allerdings mehr um eine Fortsetzung als um eine direkte Adaption. Denn die im TV gerade einmal sieben Jahre alte Dora ist inzwischen ein Teenager.

    Dora (Isabela Moner) ist im Dschungel von Peru aufgewachsen. Hier suchen ihre Archäologen-Eltern (Eva Longoria, Michael Peña) schon eine ganz Zeit nach der legendären, im Dickicht versunkenen Inka-Stadt Parapata samt ihren sagenhaften Goldschätzen. Im Alter von 16 Jahren schicken Mama und Papa das Mädchen nun allerdings nach Los Angeles, um dort auch mal ein anderes Leben kennenzulernen. So muss sich Dora von ihrem Äffchen Boots verabschieden und in den USA gemeinsam mit ihrem Cousin Diego (Jeffrey Wahlberg) eine High School besuchen. Dora hat erwartungsgemäß ein paar Schwierigkeiten, sich an das Leben in der Stadt zu gewöhnen. Aber das spielt schon bald keine Rolle mehr, denn Dora wird zusammen mit Diego sowie zwei ihrer Mitschüler nach Peru entführt. Die Gauner wollen so an Doras Eltern herankommen, die in der Zwischenzeit offenbar endlich Parapata entdeckt haben. Mit Hilfe des Wissenschaftlers Alejandro (Eugenio Derbez) können die Kids entkommen. Nun muss sich der bunte Haufen allein durch den ganz schön gefährlichen Urwald schlagen, um Doras Familie rechtzeitig zu warnen ...

    Dora braucht auch im dichten Dschungel kein Navi ...


    Es ist nachvollziehbar, dass die Macher Dora ein wenig älter gemacht haben. Schließlich sind die meisten Fans von damals mittlerweile selbst im Teenageralter oder haben sogar selbst schon Kinder. Da kann die zunächst mit einer siebenjährigen Dora (Madelyn Miranda) beginnende, dann aber schnell vorwärtsspringende Story inhaltlich schon ein wenig anspruchsvoller daherkommen, um wirklich abend- oder zumindest nachmittagsfüllend zu sein. Auch die Entscheidung für einen Realfilm liegt auf der Hand, schließlich ist die Serie eben doch recht schlicht animiert. Der Stil ist zwar für das ganz kleine Publikum vor der Mattscheibe perfekt, auf der großen Leinwand wäre er allerdings gerade im Vergleich zur Konkurrenz von Pixar & Co. wahrscheinlich chancenlos.

    Trotzdem wurde sich sichtlich Mühe gegeben, viele kleine Eigenheiten des Formats zu übernehmen – mal mehr ausgeprägt, mal klugerweise nur angedeutet. Die von Isabela Moner („Plötzlich Familie“) sympathisch und mit spürbarem Enthusiasmus verkörperte Dora etwa ist ausgesprochen intelligent, aber zugleich auch immer noch kindlich unbekümmert. Sie singt und tanzt in jeder Umgebung einfach drauflos, ohne sich einen Kopf darüber zu machen, was andere über sie denken könnten. Auch spricht sie weiterhin gelegentlich direkt mit dem Publikum. Sie bittet uns um gedankliche Mithilfe oder fragt augenzwinkernd, ob wir ausgewählte, besonders komplizierte Worte laut nachsprechen können. Dieser kurios anmutende, die vierte Wand durchbrechende Aspekt der Figur wird aber nicht überbeansprucht. Deshalb dürften selbst Zuschauer, die im Serien-Universum nicht so bewandert sind, dies nicht als nervigen, sondern als durchaus liebenswerten Spleen der Hauptfigur hinnehmen.

    Boots und Rucksack natürlich auch dabei!


    Der gerade bei vielen sehr jungen Fans so beliebte Affe Boots (im Original gesprochen von B-Film-Legende Danny Trejo) ist als Computeranimation ebenso prominent dabei wie Doras Rucksack. Die scheinbar bodenlose, hier allerdings stumme Wundertüte suckt erneut alle möglichen, im Dschungel bitternötigen Werkzeuge und Utensilien aus – worüber sich Freund und Feind immer mal wieder kräftig wundern. Sogar der in diversen TV-Folgen als Doras Widersacher agierende Fuchs Swiper ist involviert. Swiper wird im Original von Benicio Del Toro („Sicario“) mit hörbarem Spaß an dessen gleichzeitiger Verschlagenheit und Dusseligkeit gesprochen. Kleinere Nebencharaktere wie das Eichhörnchen Tico, der Bulle Benny oder das Iguana Isa sind lediglich kurz in traditionell gezeichneter Form im Abspann zu sehen. Eine gute Entscheidung, denn sonst gäbe es wohl doch zu viel CGI-Gewusel auf der Leinwand.

    Für kleine Kinofans, die von Alter her immer noch der Zielgruppe der TV-Serie entsprechen, dürfte die visuell wie atmosphärisch als Mix aus „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ und „Alice im Wunderland“  auch ganz schön aufregend sein. So gibt es ein paar wirklich fiese Männer, die die Titelheldin und ihre Eltern glaubhaft bedrohen. Später folgt dann noch die verhältnismäßig spannende und verzwickte Hatz nach dem Inka-Gold. Speziell in diesem Segment tobt sich Bobin mit Reminiszenzen an Klassiker wie „Quatermain II - Auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt“, „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ oder natürlich die „Indiana Jones“-Reihe nach Herzenslust aus. Das macht dann auch den Erwachsenen im Saal eine Menge Spaß.

    Platt, aber lustig: Boots knabbert an seinen Boots ...


    Den hatte ganz offenbar auch „Ant-Man“-Star Michael Peña, obwohl er speziell im Mittelteil nicht allzu viel zu tun bekommt. Aber gerade eine Sequenz zu Beginn, als Doras Vater seine Tochter vor Rave-Partys warnen will und deshalb minutenlang auf wirklich jämmerliche Weise die Manierismen eines Club-DJs zu imitieren versucht, zählt zu den lustigsten Momenten aus Peñas gesamter Karriere. Sein köstlich übertriebener, finaler Auftritt an der Seite von Ex-„Desperate Housewives“-Star Eva Longoria ist ebenfalls noch einmal zum Wiehern. Freunde des Meta-Humors werden hingegen speziell eine Passage mögen, in der Dora und ihre Freunde aufgrund von giftigem Blütenstaub zu halluzinieren beginnen. Denn die nächsten Minuten sind dann plötzlich komplett animiert. Und das dann doch wieder – zur Freude aller Puristen! – ziemlich nah am klassischen Stil der TV-Serie.

    Fazit: Als Teenie-Version von „Tomb Raider“ ist „Dora und die goldene Stadt“ sicher kein Meisterwerk des Genres – dafür sind die Spezialeffekte zu unspektakulär, die Kulissen nicht aufwändig genug, die Leistungen einiger Jungschauspieler zu unbeständig und der Ausgang zu absehbar. Dank witziger Einschübe und cleverer Überraschungen macht das temporeiche Dschungel-Abenteuer aber dennoch überraschend viel Laune.

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