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    El Bar - Frühstück mit Leiche
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    El Bar - Frühstück mit Leiche
    Von Björn Becher
    In der Titelsequenz seines Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „El Bar - Frühstück mit Leiche“ zeigt Regisseur Álex de la Iglesia Leinwandgröße aufgeblasene Bakterien und allerhand sonstige Mikroben – ein erster Hinweis darauf, dass und da gleich eine Art filmische Versuchsanordnung erwartet, bei der es darum geht, wie sich Menschen in Stresssituationen in unsoziale Egoisten verwandeln. Aber das ist nur der erste Teil des Films – denn in diesem schwarzhumorigen Thriller mit all seinen unmotivierten Wendungen und oft absurden Drehbucheinfällen spielt dieser analytische Anspruch schon nach rund einer halben Stunde kaum noch eine Rolle. Stattdessen lässt de la Iglesia seine Protagonisten zu reinen Charakterschablonen verkommen, mit denen man unmöglich mitfiebern kann. Und wenn dann die mysteriöse Ausgangssituation auch noch so hanebüchen aufgelöst wird, dass man am besten gar nicht weiter darüber nachdenkt, bleibt die eh nur sporadisch vorhandene Spannung endgültig auf der Strecke.

    Alles fängt an mit einer langen Plansequenz, in der Elena (Blanca Suárez) auf dem Weg zu einem Blind Date am Telefon mit einer Freundin spricht. Dabei verlässt die Kamera die junge Frau immer wieder kurzzeitig, um stattdessen anderen Personen wie etwa dem Obdachlosen Israel (Jaime Ordóñez) zu folgen. Den trifft Elena auch kurze Zeit später wieder, als sie eine Bar betritt, um dort ihr Handy aufzuladen. Als der Kellner Satur (Secun de la Rosa) noch nach einem passenden Kabel sucht, wird ein Mann unmittelbar vor dem Lokal mit einem Kopfschuss niedergestreckt, kurz darauf ein weiterer. Aber es wird noch merkwürdiger: Wenige Minuten später sind beide Leichname mitsamt der Blutlache verschwunden, zudem ist die gerade noch belebte Straße plötzlich menschenleer. Die acht verbliebenen Barbesucher stellen sofort die wildesten Spekulationen an, während die Stimmung immer aggressiver wird - zumindest bis aus dem Klo mit einem Mal merkwürdige Geräusche zu vernehmen sind…



    Läuft da draußen ein durchgeknallter Schütze Amok? Oder schaltet die Regierung jeden aus, der die Bar verlässt, weil einer unten ihnen ein gesuchter Verbrecher ist? Oder sind da gar Aliens am Werk? Im ersten Drittel von „The Bar“ spekulieren nicht nur die – sehr, sehr schnell und sehr, sehr viel sprechenden - Protagonisten, sondern auch die Zuschauer, was zur Hölle da eigentlich vor sich geht. In diesen Momenten geht das räumlich eng begrenzte Konzept des spanischen Regie-Tausendsassas Álex de la Iglesia („Mad Circus“, „800 Bullets“) noch auf: Die Figuren werden nach und nach gegeneinander ausgespielt - das Mysteriöse der Situation wird genüsslich ausgekostet, ein paar komische Momente werden eingestreut und an den passenden Stellen wird das Geschehen auch mal für einen unaufgeregten Dialog kurzzeitig entschleunigt. Aber nach rund einer halben Stunde ist es mit dem Ausgangskonzept vorbei: Die Barbesucher haben sich auf eine Variante geeinigt – und versuchen fortan nur noch, ihre Haut zu retten…

    ... nur sind diese Fluchtversuche leider ebenso hanebüchen wie nervig: Bei dem durch ziemlich unmotivierte Wendungen immer wieder künstliche in die Länge gezogenen Überlebenskampf geht die Gefahr mal von dieser, mal von jener Figur aus. Allerdings sind die sich verschiebenden Allianzen selten eine Folge vorher angelegter Charaktermerkmale (es sind eh alles Karikaturen), sondern scheinen meistens allein darin begründet zu sein, dass man ja irgendwie zur nächsten Sequenz überleiten muss. Statt Logik gibt es ausgelutschte Horror-Klischees – und eines davon ist besonders ärgerlich, weil es sich schon lange vorher andeutet und dann genau so wie erwartet auch tatsächlich eintritt: Die attraktive Elena muss sich bis auf ihre sexy Reizwäsche ausziehen und wird anschließend von den Männern mit ganz viel Olivenöl eingerieben, um sich so durch eine enge Öffnung im Boden zwängen zu können. Langsam (gaffend) gleitet die Kamera über ihren Körper. Nur wenn sie sich jetzt noch umdreht, würde das den sexistischen Voyeurismus dieser unsinnigen Szene (kurz zuvor ist ein wesentlich dickerer Mann fast durch das Loch gekommen, sie müsste also auch ohne Öl locker durchpassen) noch steigern. Kaum hat man es gedacht, spricht auch schon einer der Männer diese Forderung laut aus.

    Fazit: Was als vielversprechende Versuchsanordnung beginnt, wandelt sich bald in einen eher langweiligen, theaterhaften Thriller voller unmotivierter Wendungen – und auch von den schwarzhumorigen Pointen finden nur wenige ihr Ziel.
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