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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Volt
Von
Thematisch könnte „Volt“ kaum aktueller sein, vereint er doch die (nicht nur) amerikanische Polizeigewalt mit der (nicht nur) europäischen Flüchtlingskrise. Wer im und nach dem Jahr 2016 das Gefühl hat, die Welt könnte jederzeit vollständig aus den Fugen geraten, findet mit dem dystopischen Thriller von Tarek Ehlail („Chaostage“) das passende Filmmanifest dazu. Der Regisseur und Drehbuchautor inszeniert das dezent in die Zukunft verlagerte Deutschland als Pulverfass mit kurzer Lunte, die ein von Benno Fürmann („Nordwand“) gespielter Polizist mit dem treffenden Spitznamen Volt unfreiwillig zündet. Der Film funktioniert als atmosphärische und extrem stilisierte Milieuskizze einer kaputten Welt sehr gut, auch wenn er zwischenzeitlich erzählerisch auf der Stelle tritt.  

In naher Zukunft ist der Graben, der zwischen Arm und Reich klafft, tiefer als je zuvor. In einer Transitzone leben geduldete und abgeschobene Zuwanderer unter ständiger staatlicher Überwachung. Als der Polizist Volt (Benno Fürmann) während einer Razzia den Flüchtling Hesham (Tony Harrisson Mpoudja) erwürgt, droht die aufgeheizte Situation zu eskalieren. Der Hass auf die Ordnungsmacht kocht über und Volts Kollegen (darunter Peter Eberst und Anna Bederke) reagieren mit aller Härte, um die Kontrolle über die Lage zu behalten. Auch der interne Ermittler Hassan-Zedah (Kida Khodr Ramadan) wird ausgebremst. Unterdessen treiben Volts Schuldgefühle ihn an den Tatort in die Flüchtlingszone, wo er Heshams Schwester LaBlanche (Ayo) kennenlernt. Und dann taucht in den Nachrichten ein Zeuge auf, der den Mord beobachtet haben will.


„Volt“ spielt an der Front, da, wo die Kacke am Dampfen ist. Die Politiker taktieren im Hintergrund, aber in der Transitzone prallen die Lager unversöhnlich und mit aller Gewalt aufeinander. Die Polizisten schimpfen auf die „Kanaken“, die „Blackies“ oder das „Transitgesindel“, die Flüchtlinge machen keinen Hehl aus ihrem Hass auf die „Drecksbullen“. André Hennicke („Der alte Affe Angst“) bellt als Einsatzleiter die Befehle raus, als wäre er wieder der Gangsterchef aus „Victoria“ und seine Polizeieinheit tritt schon allein optisch als Söldnertrupp auf. Fast alle haben ramponierte Narbengesichter, Prellungen oder wie Volt eine Stichwunde, der ruppige Umgangston besteht vor allem aus „Halts Maul!“ und „Verpiss dich!“. Volts asoziale Kollegen kümmert Heshams Tod nicht, es geht ihnen nur darum, dass alle dichthalten und sich gegenseitig decken. Um den Zeugen unter Druck zu setzen, wenden sie sogar Folter an. Doch auch die Zuwanderer sind hier keineswegs nur Opfer, denn in den drogenverseuchten Baracken hausen zahlreiche üble und jederzeit gewaltbereite Gestalten wie der dubiose Geldeintreiber Drasko (Stipe Erceg, „Hell“).

Fast die komplette Handlung von „Volt“ findet in der Dunkelheit statt, die durch betont artifizielles Neonlicht aufgehellt wird. Zu den grell-düsteren Bildern hämmern auf der Tonspur Industrial-Beats mit extra viel Bass, die Drehorte – ein Kellerclub, verlassene Industriehallen und andere städtische Ruinen – vervollständigen das dystopische Setting einer trost- und hoffnungslosen Welt, die einzig vom stets erkennbaren Stilwillen des Regisseurs Tarek Ehlail zusammengehalten zu werden scheint: Er findet immer wieder klare und sprechende Bildkompositionen, die letztlich mehr sagen als die zuweilen überdeutlichen Dialoge. Und wenn beim Chaos der polizeilichen Räumungsaktionen und Razzien die Handkamera eingesetzt wird, dann bekommt „Volt“ sogar auch noch eine dokumentarische Qualität.

Erzählerisch fällt der Thriller im Vergleich zur extrovertiert-expressiven Inszenierung ab. Die Dialoge wirken oft allzu funktional auf den Punkt geschrieben, die Zeichnung der Hauptfigur gerät bisweilen holzschnittartig. Da reagiert sich der stets unter Anspannung stehende Volt beim Schattenboxen ab oder rast mit seinem Motorrad durch die Gegend. Seine Beziehung zur Schwester des Toten wird in nur vier knappen Szenen abgehandelt, die vom Kennenlernen über Sex allzu eilig bis zum Eklat führen. Volts Geheimnisse verleihen der Story dabei immerhin einen gewissen Suspense-Faktor. Wie reagiert der von Sascha Alexander Gersak („Tore tanzt“) verkörperte Kumpel und Kollege Torsun auf Volts Grenzgänge in der Sperrzone? Wie nimmt die von der Soulsängerin Ayo mit großer Natürlichkeit gespielte LaBlanche auf, dass der Polizist ihren Bruder getötet hat? So ist „Volt“ vor allem ein sehr effektiver Thriller in einem beunruhigenden und sehr zeitgemäßen Setting, auch wenn die Gesellschaftskritik immer wieder mit dem Vorschlaghammer daherkommt.

Fazit: Der thematisch brandaktuelle dystopische Thriller „Volt“ überzeugt mit so viel Stil und Atmosphäre, dass erzählerische Schwächen in den Hintergrund rücken.

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  • Tye-J

    "Zu den grell-düsteren Bildern hämmern auf der Tonspur Industrial-Beats mit extra viel Bass" - der Soundtrack ist von Mastermind Alec Empire. Auf die Musik freu ich mich beinahe noch mehr :)

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