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    Die Biene Maja 2 - Die Honigspiele
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Die Biene Maja 2 - Die Honigspiele
    Von Antje Wessels
    Für die einen war es ein Verrat an den Originalen, für andere eine naheliegende Anpassung an den Zeitgeist der aktuellen Kinderunterhaltung, als sich das flämische Produktionsunternehmen Studio 100 im Jahr 2008 an die Neuauflagen diverser Zeichentrick-TV-Hits aus den 1970ern heranwagte. Darunter befand sich neben „Heidi“, „Nils Holgersson“ und „Wicki und die starken Männer“ auch die Erfolgsserie „Die Biene Maja“. Die Geschichten rund um die Biene Maja, die mit ihren Freunden von der Klatschmohnwiese weitestgehend harmlose, zugleich aber auch äußerst lehrreiche Abenteuer erlebt, würden in ihren ursprünglichen zwei Dimensionen den jungen Zuschauern von heute wohl kaum noch genügend Anreize bieten. Und so musste die auf den Romanen von Waldemar Bonsels basierende freche Biene eben eine dreidimensionale Rundumerneuerung über sich ergehen lassen, die bis heute 104 TV-Episoden und einen Kinofilm nach sich gezogen hat. Dass der nostalgische Charme nach einer derartigen Generalüberholung mindestens teilweise auf der Strecke bleiben würde, war abzusehen. Trotzdem überzeugte zumindest das erste Kinoabenteuer der kleinen Biene noch als nett erzählte Animationskomödie. Das lässt sich vom Nachfolger „Die Biene Maja 2 – Die Honigspiele“ leider nicht mehr sagen. Das Sequel erreicht zwar denselben technischen Standard, bleibt inhaltlich allerdings völlig beliebig – der austauschbare Wettkampf-Plot würde wohl mit so ziemlich jeder anderen Kinderfilmfigur genauso gut funktionieren.

    Es herrscht Aufregung im Bienenstock, als eines Tages ein Gesandter der Kaiserin (Stimme: Andrea Sawatzki) aus dem entfernten Summtropolis auf der Klatschmohnwiese eintrifft. Anlässlich der bevorstehenden Honigspiele fordert er von der Königin die Hälfte der sommerlichen Honigernte als Spende ein. Und das, wo die Bienen den Honig doch selbst so dringend benötigen, um den nahenden Winter zu überstehen. Um die Kaiserin umzustimmen, beschließt Maja (Nina Schatton), gemeinsam mit ihrem besten Freund Willi (Jan Delay) nach Summtropolis zu fliegen, um sich für ihren Bienenstock einzusetzen. Dort angekommen, stiftet die tollpatschige Biene jedoch erst einmal ordentlich Chaos. Um Maja eine Lektion zu erteilen, lässt die Kaiserin sie zwar an den Honigspielen teilnehmen, sollte ihr Team jedoch verlieren, müssen die Bienen der Klatschmohnwiese allerdings sämtliche Honigvorräte an sie abgeben. Zunächst noch motiviert, trifft Maja auf ihr Team: eine Gruppe aus Außenseitern, die gegen die trainierten Gegenmannschaften – vor allem gegen die eingebildete Violetta – kaum eine Chance haben dürften. Doch Maja gibt nicht auf und begibt sich mit ihren neuen Freunden auf ein halsbrecherisches Abenteuer…


    In der allerersten Szene wird der weltbekannte Refrain aus Karel Gotts „Die Biene Maja“-Titelsong immerhin noch kurz von einer der Nebenfiguren angestimmt, ehe Maja und Willi diesen Moment der Ruhe durchbrechen und sich auf dem Rücken bunter Libellen ein Rennen mit einem befreundeten Käfer liefern. Damit geben die beiden direkt die Marschrichtung vor: In „Die Biene Maja 2 – Die Honigspiele“ wird es laut und aufregend. Schließlich steht hier ein Sportwettkampf mit vier verschiedenen Disziplinen (vom Völkerball bis hin zum klassischen Wettrennen) im Mittelpunkt und bildet den Stoff für eine durchweg extrem formelhafte „Glaub an Dich“-Mutmachstory: Maja und ihrem Team aus Außenseitern, die natürlich nach und nach ihre ganz besonderen Fähigkeiten für sich entdecken („Jeder hat irgendein Talent!“), steht vor allem eine gegnerische Mannschaft gegenüber: angeführt von Violetta, einer waschechten Oberzicke mit lilafarbenem Haar. Dass Violetta vor allem deshalb so zickig ist, weil nicht sie selbst, sondern ihr Vater Graf Alfons von Bienenstich der Dritte (Uwe Ochsenknecht) so unglaublich ehrgeizig ist, verhilft der Antagonistin eigentlich zu einer recht interessanten Backstory. Doch das dreiköpfige Autorenteam rund um den schon am Vorgänger beteiligten Fin Edquist spielt diese Trumpfkarte nicht aus, sondern belässt es eher bei Randbemerkungen.

    Stattdessen verläuft die Handlung exakt so, wie man es von einer Geschichte dieser Sorte gewohnt ist. Nicht nur Maja und ihr Team wachsen mit der Zeit über sich hinaus (mit Popmusik untermalte Bildmontagen zur Veranschaulichung des gemeinsamen Fortschritts fehlen selbstverständlich nicht), auch Violetta und ihre Mannschaft erkennen nach einigen kleineren und größeren Intrigen, dass es im Leben nicht auf sportliche Erfolge ankommt, sondern auf den Wert wahrer Freundschaft. So weit, so altbekannt – und in Anbetracht der sehr jungen Zielgruppe ließe sich dieses wiederholt auftauchende Familienfilmcredo auch durchaus verschmerzen. Leider übertreiben es die Macher in „Die Biene Maja 2 – Die Honigspiele“ aber mit ihrer gut gemeinten Moral, wenn sie ihren Figuren fast im Minutentakt euphorische Ausrufe über den Wert von Zusammenhalt und Freundschaft in den Mund legen. Das ist selbst für das Vorschulpublikum zu viel des Guten. So etwas wie Spannung oder Überraschung sucht man da jedenfalls vergebens.

    Technisch kann sich der computeranimierte Film hingegen sehenlassen, insbesondere die detailgetreuen Hintergründe machen für eine europäische Animationsproduktion echt was her. Auch die Sprecher – allen voran Jan Delay als Willi – präsentieren sich mit Eifer, wenngleich es Nina Schatton als fast schon hysterische Biene Maja mit ihrer „Wir müssen zusammenhalten!“-Euphorie stellenweise etwas übertreibt. Ebenfalls schade: Liebgewonnene Nebencharaktere aus dem Zeichentrickoriginal, die im ersten Kinofilm noch deutlich präsenter waren (Stichwort: Flip), werden hier nun endgültig zu unbedeutenden Randfiguren degradiert. Und der Titelsong? Der wird nun zwar nicht mehr von Helene Fischer frisch „interpretiert“, dafür aber durch eine völlig neue Biene-Maja-Pophymne ersetzt, die leider genauso austauschbar ist und genauso wenig mit der liebgewonnenen Titelfigur zu tun hat wie der ganze Film.

    Fazit: „Die Biene Maja 2 – Die Honigspiele“ ist ein formelhaft-unspezifisches Animations-Abenteuer, das zwar ordentlich aussieht, bei dem es jedoch letztendlich völlig egal ist, ob es sich bei der Hauptfigur nun um die Biene Maja oder um irgendeinen x-beliebigen anderen Abenteuerhelden handelt.
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    Kommentare

    • Larry Lapinsky
      Ich war früher als Kind auch ein großer Fan der Biene Maja, fand den ersten Langfilm auf Blu Ray zumindest ganz okay und würde auch den zweiten schauen, wenn mein kleiner Neffe es mit mir wollte.Dennoch sind diese Kritiken nun mal für Erwachsene geschrieben, hergottnochmal. Und diese Episodenstory ist eben wohl nur noch sehr frei nach Bonsels, was die Kritik ja nun auch plausibel deutlich macht, und vom nostalgischen Charme ist halt nur noch herzlich wenig bis gar nichts mehr übrig. Insofern habe ich vollstes Verständnis für eine kritische Grundhaltung und kann diese sehr wohl nachvollziehen. Da muss man nicht gleich wieder Kritiker-Bashing betreiben.
    • Tina Müller
      Diese Kritiker sind doch so überflüssig , wie ihr hochgestochenes Geschreibe! Der neue Biene Maja-Film ist ein äußerst berührender, gelungener Kinderfilm mit einer Message, die unsere Welt, und nicht nur die Kinder, dringend brauchen kann. In manchen Momenten fühlt man sich direkt gestreichelt von der Musik, die die eindrucksvollen Botschaften Liebe Deine Feinde, Gewaltumkehrung, Zusammenhalt, Verantwortung übernehmen, auch wenn es sehr schwer fälltund echte Freundschaft noch hervorzuheben versteht. Wer das nicht hört und sieht, dem ist nicht zu helfen.
    • Simon Missbach
      Ich denke mal, Kinder sehen das deutlich unkritischer, sie schauen einfach hin und erfreuen sich am jeweiligen Film. Ich kann mir schon vorstellen dass das meiner 7jährigen - die eben nicht seit Jahrzehnten damit aufwächst - gefallen wird und darauf dürfte der Film ja auch ausgerichtet sein. Von daher kann man für Kinder hier sicher noch mindestens einen Stern obendrauf packen.Insgesamt muss ich für meine Familie und mich mal ehrlich sagen, dass wir die Neuinterpretationen von Maja, Wicki & Co. doch erstaunlich gelungen finden. Da gibt es deutlich schlimmere Remakes. Meine Frau ist auch mit Anfang 40 noch traditionell ein großer Fan von Heidi und Maja und war erstaunt, wie liebevoll die 3D-Varianten doch letztendlich geworden sind. Ja das sieht jeder anders und ich weiß dass es da anderswo mächtig Zoff gab und gibt. Ist halt unsere Meinung.
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