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Feinde - Hostiles
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
Feinde - Hostiles
Von
Black Mass“-Regisseur Scott Cooper serviert seinem Publikum mit seinem neuen Film einen schweren Brocken, das signalisiert schon der abweisende Titel „Feinde - Hostiles“. In seiner bildgewaltigen, hochemotionalen und abgründigen Western-Parabel erzählt er ungeschönt vom Rassismus in den USA und von den Mühen des schier aussichtslosen Versuchs, diesen zu überwinden. Coopers herausragend gespieltes historisches Charakterdrama steckt voller Brutalität und Ambivalenz – wenn die Protagonisten schwermütig-melancholisch auf ein Himmelfahrtskommando gehen und bis zum letzten Tropfen Blut den Funken der Hoffnung verteidigen, dann gilt das trotzige Beharren auf der Idee eines gemeinsamen Amerika auch der krisengeschüttelten Gegenwart der innerlich gespaltenen Nation.

1892, Fort Berringer, New Mexico: Der altgediente und hochdekorierte Kriegsheld Captain Joe Blocker (Christian Bale) steht kurz vor dem Ruhestand. Sein Vorgesetzter Colonel Biggs (Stephen Lang) erteilt dem erfahrenen Soldaten einen letzten, hochbrisanten Auftrag: Er soll den seit sieben Jahren inhaftierten, sterbenskranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und seine Familie mit einem kleinen Trupp von Soldaten durch Feindgebiet in seine Heimat ins Tal der Bären nach Montana geleiten – als Zeichen der Versöhnung. Unterwegs nimmt die Gruppe die Witwe Rosalie Quaid (Rosamund Pike) auf, deren komplette Familie von Komantschen brutal massakriert wurde. Bald muss der kleine Treck erste Angriffe abwehren und schließlich beginnen Blocker und Yellow Hawk sich gegenseitig besser zu verstehen.


Es herrscht im zur Handlungszeit noch ziemlich wilden Westen ein erbittert geführter Krieg zwischen den aus Europa stammenden Neu-Amerikanern und indianischen Ureinwohnern, die von ihrem Land verdrängt werden und sich brutal rächen. Blocker hasst Indianer, weil sie so viele seiner Freunde und Kameraden umgebracht haben, und er hat seinerseits Aberdutzende indianische Leben genommen. Den friedensstiftenden Gedanken hinter der Mission, für die er ausgewählt wurde, lehnt er inbrünstig ab und übernimmt den gefährlichen Auftrag nur unter größtem Druck. Aber der Ritt quer durchs Land erschüttert schließlich sein bisher so festgefügtes Weltbild.

Scott Cooper eröffnet „Feinde - Hostiles“ mit einem Zitat des englischen Schriftstellers D.H. Lawrence: „Die amerikanische Seele ist in ihrer Essenz hart, isoliert, stoisch und mörderisch. Sie ist bisher niemals aufgetaut.“ Für die Siedler aus Europa war die Erschließung des Kontinents ein harter Überlebenskampf und die brutale Verdrängung der „wilden“ Ureinwohner war für die meisten von ihnen genauso normal wie die Zähmung der Natur und die Jagd nach Tieren. Erst im späten 19. Jahrhundert wurde diese Geisteshaltung zunehmend hinterfragt, aber bis zum endgültigen „Auftauen“ der amerikanischen Seele war und ist noch ein weiter Weg. „Feinde - Hostiles“ erzählt von den frühen Schritten auf diesem Weg.

Scott Cooper („Auge um Auge“, „Crazy Heart“) legt die Wunde gleich zu Beginn rücksichtslos offen, als ein johlendes Komantschen-Kommando die Familie von Rosalie Quaid auf bestialische Weise tötet. Der Hass auf beiden Seiten scheint unstillbar zu sein. Er hat auch den wortkargen Captain Blocker fest im Griff, der einfach zu viele von diesen Überfällen gesehen hat. Sein gefühlter Feind, der Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk, ist da emotional schon weiter, er redet noch weniger, sendet aber ganz sachte Signale der Versöhnung aus. Blockers Hass sitzt zunächst noch zu tief, aber ganz allmählich kommen die Signale bei ihm an.

Der Regisseur macht nicht den Fehler, eine Seite zu dämonisieren. Jeder hat seine Gründe, wenn auch nicht immer gute. Wie schwierig und langsam der Prozess der Veränderung ist, wird hier schon dadurch spürbar, dass sich der Regisseur viel Zeit für seinen Pferde-Road-Trip von New Mexico nach Montana nimmt. Der Plot ist in den 135 Minuten auf das Wesentliche reduziert, dafür wird die symbolträchtige Annäherung zwischen den beiden Männern in all ihrer schleichenden Zögerlichkeit auserzählt.

Die Grundstimmung des Films ist nicht verklärt-optimistisch wie in einem Großteil der klassischen Western Hollywoods, sondern melancholisch und zwischendrin bekommt sie sogar einen Zug ins Resignative. Blocker und sein Freund, der Master Sergeant Metz (charismatisch: Rory Cochrane) hinterfragen die Situation, die total verhärtete Fronten fabriziert hat, mit teils philosophischer Tiefe, was den Film stellenweise in die Nähe von Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ rückt. „Hostiles“ ist meditativ langsam, weshalb man ein wenig Geduld und Aufgeschlossenheit mitbringen muss, aber dann wird man auf subtile Weise reich belohnt.

„Feinde – Hostiles“ gefällt mit wunderschönen Panoramen und ikonischen Einstellungen, ist aber von einem nostalgischen Abgesang weit entfernt, sondern hat die Gegenwart mit im Blick. In John Fords Jahrhundertwestern „Der Schwarze Falke“ (1956) ist der von John Wayne gespielte Bürgerkriegsheld Ethan Edwards auf der Suche nach seiner verschleppten Nichte maximal unversöhnlich und verbittert in seinem persönlich motivierten Hass auf Indianer. Die emotionale Ausgangslage des Captain Joseph „Joe“ Blocker ist nahezu identisch, aber Cooper macht ihn nicht zur mythischen Figur nach Art von Edwards, sondern zu einem Menschen aus Fleisch und Blut, in dem sich die Zuschauer unmittelbar wiedererkennen können.

Und Christian Bale („Dark Knight“-Trilogie, „American Hustle“) in der Hauptrolle hebt den Film dabei noch einmal auf ein höheres Level. Der Oscarpreisträger (für „The Fighter“) spielt die Wandlung vom kontrollierten passiv-aggressiven Indianerhasser zum nachdenklich-offenen Brückenbauer auf so wirkungsvoll abgestufte und facettenreiche Weise, dass „Hostiles“ schließlich trotz aller Zurückhaltung eine seltene emotionale Intensität erreicht, zu der auch Wes Studi („Heat“, „Der mit dem Wolf tanzt“) als wortkarger Häuptling mit nobler Ausstrahlung und Rosamund Pike („Gone Girl“) als geschundene Witwe wesentlich beitragen.

Fazit: Scott Coopers brillant-atmosphärisches Western-Drama „Feinde - Hostiles“ entwickelt mit zunehmender Dauer eine emotionale Urgewalt, der man sich nicht entziehen kann – ebenso wenig wie der beeindruckenden Slow-Burner-Performance von Christian Bale.
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