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    Midway - Für die Freiheit
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Midway - Für die Freiheit

    Mehr als "Pearl Harbor 2"!

    Von Oliver Kube
    Das im Nordpazifik gelegene Midway-Atoll besteht aus einem nahezu ringförmigen Korallenriff mit einem Durchmesser von etwa zehn Kilometern, zwei Hauptinseln und mehreren kleinen Eilanden. Entdeckt wurde Midway 1859 und acht Jahre später von den USA annektiert. Ihren Namen erhielten die Inseln, weil sie etwa in der Mitte des Seeweges zwischen Kalifornien und Tokio liegen und der perfekte Haltepunkt für Handelsschiffe zwischen den beiden Metropolen waren. 1903 übernahm das US-Militär die Herrschaft über das Gebiet und richtete dort zunächst einen Marine-, später einen Luftwaffen-Stützpunkt ein. Weltbekannt wurde das Atoll jedoch erst durch die zwischen dem 4. und 7. Juni 1942 tobende Luft- und Seeschlacht zwischen amerikanischen und japanischen Streitkräften.

    Aber nicht nur historisch Interessierten, sondern auch vielen Filmfans dürften die heute nur noch von etwa 40 Naturforschern und hunderttausenden Vögeln bevölkerten Landmassen ebenfalls ein Begriff sein: Der legendäre John Ford drehte hier während der Auseinandersetzungen seinen 18-minütigen Propaganda-Streifen „The Battle Of Midway“ (aktuell in remasterter, nachkolorierter Form auf Netflix zu sehen). 1976 kam der Reißer „Schlacht um Midway“ mit damaligen Superstars wie Charlton Heston, Henry Fonda und James Coburn in die Kinos. In dem wurden allerdings größtenteils Schlachtenszenen aus „Tora! Tora! Tora!“, „Die Luftschlacht um England“ und „Klar Schiff zum Gefecht“ recycelt. Kein Archivmaterial, dafür aber jede Menge Computer-Tricks nutzte nun „Independence Day“-Regisseur Roland Emmerich, um seine eigene, spektakuläre und – wie von ihm gewohnt – schwer pathos-schwangere Interpretation der Ereignisse mit dem Action-Drama „Midway - Für die Freiheit“ auf die Leinwand zu bringen.

    Bei Emmerich kein Wunder: "Midway" bietet volle Kanne Kriegs-Action!


    Am 7. Dezember 1941 greifen japanische Marineflieger überraschend und ohne vorherige Kriegserklärung die im hawaiianischen Pearl Harbor vor Anker liegende Pazifikflotte der Vereinigten Staaten an. Am Tag danach treten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein. Sechs Monate später kommt es bei den Midwayinseln zu einem Aufeinandertreffen auf hoher See und in der Luft, das sich im Nachhinein als Wendepunkt der Auseinandersetzungen herausstellen soll. Die Japaner sind der durch Pearl Harbor und diverse vorherige Kampfhandlungen stark geschwächten amerikanischen Flotte zahlenmäßig weit überlegen.

    Doch Oberbefehlshaber Admiral Nimitz (Woody Harrelson) glaubt fest daran, dass der Mut sowie das außergewöhnliche Können seiner Piloten wie Dick Best (Ed Skrein), Wade McClusky (Luke Evans) und Clarence Dickinson (Luke Kleintank) ihm dennoch eine Chance gegen die unschlagbar erscheinenden Gegner unter Admiral Yamamoto (Etsushi Toyokawa) und Konteradmiral Yamaguchi (Tadanobu Asano) geben könnten. Essenziell dafür sind auch die Informationen von Nimitzs führendem Geheimdienst-Offizier Layton (Patrick Wilson) und dessen fieberhaft tüftelnden Codebrechern…

    Pearl Harbor direkt zum Einstieg


    Wer glaubt, uns würde hier eine inoffizielle Fortsetzung von „Pearl Harbor“ erwarten, liegt falsch. Nicht nur verzichtet Roland Emmerich im Gegensatz zu Michael Bay auf jegliches romantisches Beiwerk im Zentrum der Handlung, sondern auch, weil „Midway“ gar nicht erst nach dem Anschlag auf den hawaiianischen Marinehaften einsetzt, sondern diesen zu Beginn auch noch einmal recht ausführlich zeigt. Und das ist auch gut so! Einerseits, weil die Aufnahmen zu den aufregendsten in „Midway“ gehören: Emmerich und sein Chef-Kameramann Robby Baumgartner („Blair Witch“) bieten mit Hilfe generös eingesetzter CGI-Effekte tatsächlich ein buchstäbliches Feuerwerk an Action und Emotionen. Andererseits aber auch, weil das nachfühlbar traumatische Erlebnis, inklusive des Verlustes mehrerer guter Freunde, im weiteren Verlauf eine wichtige Motivation speziell für die von Ed Skrein („Alita: Battle Angel“) gespielten Figur ist.

    Zumindest privat ein netter Kerl: Ed Skrein als Pilot mit dem grandiosen Namen Dick Best!


    Damit wären wir allerdings schon beim Hauptproblem des Films angelangt. Dieser Dick Best ist einfach kein Protagonist, bei dem man bedingungslos mitfiebern mag. Sein Können am Steuerknüppel, aber auch sein damit verbundener Übermut, seine Großmäuligkeit und Sorglosigkeit in Bezug nicht nur auf die eigene, sondern auch die Sicherheit seiner Kameraden mögen durchaus etwas an Maverick aus „Top Gun“ erinnern. Nur bedarf es, um einen solchen Typen dann trotz allem sympathisch rüberkommen zu lassen, schon des schauspielerischen Könnens und des Charismas eines Tom Cruise. Beides hat der gelegentlich etwas linkisch, in anderen Szenarien aber auch etwas verloren wirkende Skrein nicht oder zeigt es zumindest nur ansatzweise.

    Da rettet selbst Bests im Privaten komplett entgegengesetztes, überhaupt nicht arrogantes, sondern liebevolles, warmherziges Verhalten gegenüber seiner Frau (Mandy Moore, „This Is Us“) nicht viel. Denn die bleibt – ebenso wie die gemeinsame, kleine Tochter – nur eine Randerscheinung. Eher als Identifikationsfiguren eignen sich da schon Bests von Luke Evans („Anna“) und „The Man In The High Castle“-Star Luke Kleintank stark verkörperte Piloten-Kollegen, denen trotz der ausufernden Besetzungsliste dann dankenswerterweise doch einiges an Leinwandzeit zugedacht wird.

    Wo Emmerich draufsteht, ist auch Emmerich drin!


    Jeder, der schon mal eines der großen Emmerich-Projekte wie „Independence Day“, „Der Patriot“ oder „White House Down“ gesehen hat, ahnt natürlich, dass Pathos auch in „Midway“ mal wieder Trumpf ist. Während das Gros des US-Publikums ihn für seine Zurschaustellung von unhinterfragtem Patriotismus und Heldentum feiern wird, dürfte sich der eine oder andere Nicht-Amerikaner dabei nicht ganz so wohl fühlen. Zumindest scheinen Emmerich und sein neuer Drehbuchautor Wes Tooke („Colony“) eine solche Reaktion antizipiert zu haben: Sie zeichnen die Japaner glücklicherweise nicht als gesichtslosen oder abgrundtief schlechten Feind wie die Aliens, die Briten oder die Terroristen in den bereits genannten Emmerich-Blockbustern.

    Schon im einige Jahre vor dem Krieg spielenden Prolog werden nicht nur Belege für die Intelligenz und die Wortgewandtheit, sondern auch mögliche, mit etwas Einfühlungsvermögen nachvollziehbare Motive für den dann folgenden Angriff geliefert. Etsushi Toyokawa („20th Century Boys“) und Tadanobu Asano („47 Ronin“) ergreifen hier, und im weiteren Verlauf, dankbar die Chance, ihre Charaktere als kaiserliche Admiräle auf erstaunlich ambivalente Weise mit weit mehr Vielschichtigkeit und Noblesse als der in einem solchen Streifen eigentlich zu erwartenden Verschlagenheit und Blutrunst zu füllen.

    Hinter den Kulissen geht es fast genauso spannend zu wie in den Schlachten da draußen im Pazifik


    Weniger Glück haben da einige deutlich größere Namen aus dem Cast: Dennis Quaid („An jedem verdammten Sonntag“) als Vize-Admiral Halsey und Aaron Eckhart („The Dark Knight“) als Flieger-Ass Jimmy Doolittle kommen zu kaum mehr als glorifizierten Cameos. Das ist schade, denn wer einmal auf Wikipedia die Lebensläufe der beiden von ihnen gespielten realen Männer nachliest, erreicht schnell den Gedanken, dass diese sogar genügend interessanten Stoff für ein eigenes Biopic hergeben würden. So wirken die Stars und ihre Figuren etwas verschenkt.

    Die schönsten, weil im Vergleich zu denen von Best längst nicht so dickauftragenden Dialoge haben unterdessen Woody Harrelson („Natural Born Killers“) und Patrick Wilson („Aquaman“). Ihre hauptsächlich in Büros oder Meeting-Räumen stattfindenden, für den Story-Ablauf aber essenziellen Auftritte zeigen, dass Emmerich sehr wohl in der Lage ist, auch kleinere Momente in limitierten Settings packend, intensiv und wirksam ins Bild zu setzen. Es muss für den Schwaben offenbar doch nicht immer nur das große Besteck sein. Vom Duo Harrelson/Wilson – bevorzugt im Zusammenspiel mit Brennan Brown („The Wolf Hour“) als exzentrischem Codebrecher Rochefort – hätte man gern mehr gesehen.

    Action-Bombast im Pazifik!


    Bombast gibt es natürlich dennoch in Hülle und Fülle zu genießen! Die ausführlichen, turbulenten, dabei nie überladenen Schlachtenszenen machen zumindest Action-Junkies richtig Spaß. Und das, obwohl die Spezialeffekte in ihrer Qualität etwas wechselhaft sind. So sieht der aus diversen ungewöhnlichen Winkeln und Perspektiven gedrehte Angriff auf Pearl Harbor ebenso wie die spektakuläre Seeschlacht vor Midway top aus. Den Momenten, in denen wir uns nur in der Luft befinden, etwa als die US-Bomber wiederholt im Sturzflug auf die japanischen Flugzeugträger hinunterrasen, haftet dagegen streckenweise die Optik eines Videospiels an.

    Fazit: Trotz meterdick aufgetragenem Pathos und einem nicht komplett überzeugenden Helden kommt bei Roland Emmerichs aufwändig in Szene gesetztem Weltkriegs-Spektakel niemals Langweile auf. Im Gegenteil: Diverse Aspekte und Figuren hätten sogar gern noch intensiver beleuchtet werden dürfen!

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