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The Shanghai Job
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Shanghai Job
Von
Eine Bombe explodiert, der Transporter mit einem unschätzbar wertvollen Gemälde von Vincent van Gogh an Bord wird in die Luft gerissen, dreht sich und kommt auf der Wagenseite zum Liegen. Der zur Bewachung des Kunstwerks engagierte Danny Stratton ist noch bei Bewusstsein, und das ist auch bitter nötig, denn ein maskierter Räuber stürmt heran mit der Absicht, die wertvolle Fracht zu stehlen. Der von Orlando Bloom gespielte Stratton berappelt sich und der Kampf geht los…

Zu Beginn des Actionfilms „The Shanghai Job“ des britischen Regisseurs Charles Martin geht es gleich zur Sache und dabei wird ganz nebenbei ein Spiel der Gegensätze eröffnet, das dem Film ein ganz eigenes Profil gibt und ihn vom Gros ähnlicher Genrewerke abhebt. Dass „Herr der Ringe“-Star Orlando Bloom in der chinesisch-englischen Koproduktion mit einem wasserstoffblonden Kurzhaarschnitt auftritt, der auch gut zu einem japanischen Yakuza oder einem Gangster aus Hongkong passen würde, ist nur ein Beispiel dafür, wie Ost und West hier immer wieder auf reizvolle Weise aufeinanderprallen. Dazu wurde mit der bevorzugt in verführerische Neon-Farben gehüllten Megastadt Shanghai ein passender Schauplatz gefunden, der zwischen kolonialer Vergangenheit und futuristischen Wolkenkratzern selbst jede Menge Kontraste bietet.

Die Shanghaier Sicherheitsfirma S.M.A.R.T. transportiert unter Leitung des Briten Danny Stratton (Orlando Bloom) wertvolle Kunstwerke von da Vinci, Picasso oder Gauguin. Doch heimtückische Kunstraub-Gangster sprengen den S.M.A.R.T.-Transporter mit einer Autobombe in die Luft und stehlen in der anschließenden Verwirrung ein 100 Millionen Dollar teures Gemälde. Der ruinierte Stratton ist am Boden zerstört und wird schließlich auch von seiner chinesischen Freundin Ling (Lynn Hung) verlassen. Doch dann werden die Mitarbeiter einer Konkurrenzfirma bei einer weiteren Bombenattacke getötet, sodass sich für S.M.A.R.T. die Gelegenheit ergibt, den Transport der berühmten Zodiac-Vase zu übernehmen. Auch dieser wird von einer Übermacht Gangster mit ganz fiesen Tricks angegriffen, die Stratton und seine Mitarbeiter Mach Ren (Simon Yam), J. Jae Anh (Hannah Quinlivan) und Computernerd Ding Dong Tang (Leo Wu), der mit einer Drohne aus der Luft unterstützt, ordentlich Kopfzerbrechen bereiten. Sie entdecken nebenbei, dass sie es wieder mit denselben Gangstern wie beim ersten Raub zu tun haben. Da fasst Stratton einen waghalsigen Plan…

The Shanghai Job Trailer (2) OV

Reichtum, schillernde Wolkenkratzer, Partys in schicken Clubs, eine Megastadt, die nachts verlockender leuchtet als New York City: So wird das heutige urbane China hier porträtiert. Dieses luxuriös-stilisierte Shanghai gebiert aber auch Monster wie Gangster-Bossin Tara (Jing Liang). Sie ist eine kultivierte Kriminelle, sozusagen das Gegenteil von Orlando Blooms Danny Stratton, dem nach China ausgewanderten Glücksritter. Taras Vater war Archäologe, und sie hat Geschmack gefunden an den feinen, einzigartigen Dingen im Leben. Nun lässt sie ihre Bande besonders wertvolle Kunstwerke rauben, um sie in ihrer Villa in einer Art Privatmuseum auszustellen – nur für sich selbst und ihren Genuss. Die ausschließlich auf eigene Interessen bedachte, skrupellose Tara ist fast so etwas wie ein ins Extrem gesteigertes Sinnbild für die neue superreiche Elite des Landes: eine aalglatt-professionelle Fassade, aber zugleich weiß man nie, woher das ganze Geld eigentlich kommt.

Auch Danny Stratton und seine S.M.A.R.T.-Leute können im Haifischbecken Shanghai nicht immer eine moralisch weiße Weste bewahren, aber wenigstens gehen sie nicht über Leichen. Und so befindet sich ihr ganz und gar nicht repräsentatives „Hauptquartier“ auch nur im Hinterzimmer einer schäbigen Boxhalle. Anders als die kultivierte Tara wirken die S.M.A.R.T.-Mitarbeiter bei einem glanzvollen Museumsevent am Vorabend des Zodiac-Vasen-Transports völlig fehl am Platze. Die unangepasste J. Jae zieht, während der Museumsdirektor Mr. Song (Da Ying) spricht, eine Schnute und langweilt sich sichtlich. Die von ihnen transportierte Kunst ist den S.M.A.R.T.-Leuten im Grunde völlig egal – den Gangstern ironischerweise nicht. Sie stehlen die Werke, um sie zu bewundern, nicht um sie zu verhökern.

Der englische Filmemacher Charles Martin („Kommissar Wallander“) hebt die Kontraste zwischen alt und neu, reich und prekär atmosphärisch stark hervor. Die in glamouröse Nachtaufnahmen getauchte Eleganz der hier kriminellen Oberschicht stellt die Traditionsviertel und Kolonialbauten und erst recht die ungemütlichen Treffpunkte der S.M.A.R.T.-Leute buchstäblich in den Schatten. Die Klarheit der Inszenierung entspricht zumindest bis deutlich in die zweite Filmhälfte hinein einer erzählerischen, fast klassischen Schnörkellosigkeit, bei der die Action-Sequenzen umso besser zur Geltung kommen. Die sind allerdings nicht allesamt gleich gut gelungen. So steht einer brillanten Verfolgungsjagd mit einer Vase, bei der Orlando Bloom wie später auch bei einem Dancefloor-Fight in betörender Beleuchtung alle Register ziehen darf, ein etwas reißbrettartig wirkender Faustkampf in einem Raum voller Vasen gegenüber. Hier wird lustvoll, aber auch etwas beliebig jede Menge Porzellan zerdeppert, und ähnlich gezwungen wirken dann auch ein paar der späteren Story-Wendungen um diverse Verräter, bei denen die gesellschaftskritischen Aspekte im Ansatz stecken bleiben.

Fazit: Der Heist-Thriller „Shanghai Job“ besticht vor allem mit seinem atmosphärischen Setting und einigen tollen Actionszenen, besitzt aber vor allem gegen Ende auch einige erzählerische Schwächen.
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