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Pokémon Meisterdetektiv Pikachu
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Pokémon Meisterdetektiv Pikachu

Pikachu hui, Story pfui

Von Julius Vietzen
Am 27. Februar 1996 erschienen in Japan die beiden ersten Pokémon-Editionen, der Siegeszug der Taschenmonster hält also bereits seit über 23 Jahren an. Mittlerweile wird die Marke Pokémon gemeinhin als das erfolgreichste crossmediale Franchise aller Zeiten betrachtet, doch obwohl Pikachu und Co. beinahe schon jeden Bereich unseres Lebens erobert haben und es auch bereits 23 animierte Pokémon-Filme gab (wenn man „Schwarz - Victini und Reshiram“ und „Weiß - Victini und Zekrom“ als zwei einzelne Filme zählt), dauerte es doch bis ins Jahr 2019, dass der erste Pokémon-Realfilm in die Kinos kommt.

Gerüchteweise soll der weltweite Hype um Pokémon Go im Sommer 2016 mitverantwortlich dafür sein, dass sich in Hollywood endlich ein Studio bereit erklärte, das mit 150 Millionen Dollar ziemlich stolze Budget für „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ zu stemmen. Wie die bekannten Taschenmonster nun optisch auf der großen Leinwand zum Leben erweckt wurden, dürfte die verschiedenen Generationen von Pokémon-Fans glücklich machen. Daneben erzählen Regisseur und Drehbuchautor Rob Letterman („Gänsehaut“) und seine Co-Drehbuchautoren Dan HernandezBenji Samit und Derek Connolly allerdings eine zu konventionelle und vorhersehbare Geschichte.

Süßer als Sherlock Holmes: Meisterdetektiv Pikachu.


Als Kind wollte Tim Goodman (Justice Smith) unbedingt Pokémon-Trainer werden, doch mittlerweile hat er sich von diesem Traum verabschiedet und geht lieber einer bodenständigen Arbeit bei einer Versicherung nach. Eines Tages erreicht ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters, der ein hochdekorierter Polizist in Ryme City war, wo Menschen und Pokémon friedlich und gleichberechtigt zusammenleben. Tim reist in die Metropole, um den Haushalt seines Vaters aufzulösen, doch in der Wohnung von Harry Goodman stößt er auf zwei unerwartete Dinge: eine Phiole mit einem merkwürdigen Gas und ein Pikachu mit Detektivmütze (Stimme im Original: Ryan Reynolds / deutsche Stimme: Dennis Schmidt-Foß). Das Maus-Pokémon kann sprechen, was aber nur Tim versteht, und ist zudem überzeugt, dass Harry noch lebt. So nimmt das ungleiche Duo gemeinsam mit der Nachwuchsreporterin Lucy Stevens (Kathryn Newton) die Ermittlungen auf…

Die Verpflichtung von Ryan Reynolds als Stimme von Pikachu erweist sich gleich in mehrfacher Hinsicht als absoluter Glücksgriff: Dank des Social-Media-affinen Kanadiers war etwa schon das Marketing zu „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ überaus unterhaltsam. Und Reynolds‘ gleichermaßen schnoddrige wie liebenswerte Voice-Over-Performance bildet nicht nur einen herrlichen Kontrast zur gewohnten Pikachu-Sprecherin Ikue Ôtani, sondern sorgt auch dafür, dass man das knuffige, gelbe Pokémon sofort ins Herz schließt. Dies funktioniert übrigens nicht nur in der Originalversion: Reynolds‘ gewohnter Synchronsprecher Dennis Schmidt-Foß leistet in der deutschen Fassung nicht weniger gute Arbeit.

Großartige Animationen


Dass Pikachu so eine überzeugende Hauptfigur ist, ist aber auch ein Verdienst der überragenden Animation, die das Pokémon jederzeit absolut lebensecht wirken lässt. Auch die Szenendiebe Enton und Pantimos sind hervorragend gelungen, allerdings sehen längst nicht alle Taschenmonster so gut aus. Das liegt einerseits wohl daran, dass sie nicht alle mit demselben Aufwand animiert wurden. Einige der Wesen haben aber auch eine so überdeutliche Comic-Optik, dass sie sich nicht ganz glaubwürdig in die Realfilmwelt um sie herum einfügen. Während man bei Detektiv Pikachu das Gefühl hat, auf die Leinwand fassen und durch das gelbe Fell streicheln zu können, wirkt der in einem Pokémon-Duell auftretende Glurak viel mehr wie ein Fremdkörper (übrigens eine von erfreulich wenigen Szenen, bei denen man merkt, dass es sich hierbei um eine Videospielverfilmung handelt).

Wie ein Fremdkörper wirkt auch Kathryn Newton („Big Little Lies“), die bei ihren ersten Szenen noch mit jeder Menge Overacting agiert und sich damit vor allem gegenüber dem sehr zurückgenommen spielenden Justice Smith („Margos Spuren“) abhebt. Der Kontrast erscheint zunächst bizarr, doch Newtons Femme-Fatale-Performance und die von Neonlicht erhellten Seitenstraßen von Ryme City sorgen dafür, dass sich „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ kurzzeitig wie eine Noir-Story anfühlt. Schnell schwenken Letterman und seine Autoren allerdings auf deutlich konventionellere Bahnen. „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ entwickelt sich dann zu einer größtenteils vorhersehbaren, familiengerechten Detektivgeschichte, bei der die finale Auflösung (die wir hier natürlich nicht verraten) nicht wirklich sauber erzählt wird und nachträglich noch ein großes Logikloch in die Handlung reißt.

Fazit: Pokémon-Fans dürften an „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ ihre helle Freude haben. Doch Ryan Reynolds‘ Pikachu-Performance und die größtenteils gelungene Verschmelzung von Realfilm und animierten Pokémon können nicht über die uninspiriert erzählte Story hinwegtäuschen.



In eigener Sache


Ursprünglich stand an dieser Stelle eine andere Kritik, in der „Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“ mit 3,5 Sternen bewertet wurde. Nach Leserhinweisen mussten wir aber feststellen, dass diese Kritik nicht unserem Credo entspricht, dass unsere Autoren ihre ehrliche und unabhängige Meinung schildern. Daher haben wir uns entschlossen, die vorherige Kritik zu löschen und eine neue in Auftrag zu geben.
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