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    City Of Lies
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    City Of Lies

    Johnny Depp will wissen, wer Biggie Smalls erschossen hat

    Von Oliver Kube
    Als schräger Captain Jack Sparrow in der „Fluch der Karibik“-Reihe stieg Johnny Depp vom Kult-Schauspieler zu Beginn des neuen Jahrtausends zum globalen Mega-Star auf. Aber als den Piraten-Abenteuern langsam die Luft ausging, hatte der Amerikaner auch sonst nur noch sehr gelegentlich Glück mit seiner Rollenwahl. Viele Depp-Vehikel wie „The Rum Diary“, „Lone Ranger“, „Transcendence“ oder „Mortdecai - Der Teilzeitgauner“ floppten an den Kinokassen und/oder wurden von der Kritik gnadenlos verrissen. Andere Projekte wie etwa „London Fields“ oder „The Professor“ verschwanden gar jahrelang in den Giftschränken der Studios, bis sie schließlich nahezu unbeachtet auf den Video-On-Demand-Markt geworfen wurden. Die Veröffentlichungsgeschichte von „City Of Lies“ von Regisseur Brad Furman („Der Mandant”) verlief aber sogar noch unglücklicher.

    Der sowohl in den USA als auch in Deutschland eigentlich für September 2018 geplante Kinostart wurde nur wenige Wochen vor dem Termin plötzlich und ersatzlos gestrichen. Als Grund gab das Studio einen Rechtstreit zwischen Depp und dem Location-Manager Rocky Brooks wegen einer angeblichen Körperverletzung an. Verschwörungstheoretiker vermuten hingegen, befeuert auch durch Berichte reputierlicher Medien wie The Telegraph, dass in Wahrheit etwas ganz anderes dahinter stecken könnte: nämlich massive Drohungen und Repressalien von Seiten einzelner Personen aus Reihen der Polizei von Los Angeles, die in der auf Fakten basierenden Story um den Mord an dem 90er-Rap-Star Christopher Wallace alias Biggie Smalls alias The Notorious B.I.G. alles andere als gut wegkommt. Aber wie dem auch sei: Bisher ist das 2016 gedrehte True-Crime-Drama allein in Italien in die Kinos gekommen (mit einem Einspielergebnis von knapp 1,5 Millionen Euro). Ein trauriges Schicksal für einen mit einigem Engagement gemachten Film, in dem Depp zudem eine seiner besten Leistungen seit Jahren zeigt.

    Am Bauchumfang von Johnny Depp erkennt man sofort, in welcher Zeitebene eine Szene spielt.


    In den 1990ern wird die milliardenschwere US-Musikindustrie durch die offenbar miteinander in Verbindung stehenden Morde an den Rap-Stars Tupac Shakur und Biggie Smalls erschüttert. Im Fall von The Notorious B.I.G. ermittelt der LAPD-Detective Russell Poole (Johnny Depp) und macht dabei schon bald erhebliche Fortschritte. Allerdings werden ihm auch immer wieder aus den eigenen Reihen Knüppel zwischen die Beine geworfen. So bleibt der Mord trotz jeder Menge Spuren, Indizien und Verdächtiger unaufgeklärt. 18 Jahre später kontaktiert der Investigativ-Reporter Darius Jackson (Forest Whitaker) den mittlerweile aus dem Polizeidienst ausgeschiedenen, nach wie vor von dem Fall besessenen Poole. Gemeinsam versuchen die Männer die Angelegenheit neu aufzurollen und sie so endlich zu einem Abschluss zu bringen. Doch schnell wird dem Duo die Ermittlungsarbeit auch diesmal wieder erschwert ...

    Johnny Depp und Oscar-Gewinner Forest Whitaker („Der letzte König von Schottland“) harmonieren gut, man nimmt ihren Figuren sofort ab, wie sie sich zunächst misstrauisch beäugen, dann aber zusammenraufen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: endlich die Wahrheit herauszufinden! Auch sonst sind die größeren Nebenparts überwiegend mit bewährten Charakterdarstellern besetzt. Shea Whigham („Boardwalk Empire“) als zwielichtiger Undercover-Cop, Xander Berkeley („The Walking Dead“) als schmieriger Verleger, Toby Huss („Halt And Catch Fire“) als Pooles Ex-Partner sowie die „Sons Of Anarchy“-Mimen Rockmond Dunbar und Dayton Callie tragen mit ihrer gewohnt starken Präsenz allesamt zur Authentizität bei. Und das sogar, obwohl die Hälfte von ihnen vom Maskenbildner mit mehr als zweifelhaft aussehenden Haarteilen ausgestattet wurde.

    Pro und Contra der zwei Zeitebenen


    Eine durchaus gelungene Idee ist es, über die abwechselnd 1997 und 2015 spielenden Episoden unterschiedliche Farbfilter zu legen: Flashbacks sind mit einem Gelbstich versehen, als seien die Bilder inzwischen durch den unerbittlichen kalifornischen Sonnenschein verblichen. Die aktuelleren Momente sind hingegen eher grau-bläulich gehalten. So kommt keine Verwirrung auf, selbst wenn Depp, der zwar nicht durch allzu aufdringliches Make-up, aber dafür durch einen stattlichen Bauch und ein Humpeln in den entsprechenden Szenen gut als deutlich älterer Mann zu erkennen ist, einmal nicht im Fokus der Kamera steht.

    Leider werden die beiden Handlungsstränge und ihr Zusammenkommen immer mal wieder unnötig ausgebremst. Einerseits durch penetrante Wiederholungen von kurzen Szenen, die die Momente vor, während und nach dem Mord an Wallace zeigen. Dabei sind diese gar nicht so signifikant oder komplex, als dass man sie unbedingt zwei- oder dreimal – und schon gar nicht in Zeitlupe – sehen müsste. Andererseits sorgt der Nebenplot rund um Pooles nicht vorhandene Beziehung zu seinem erwachsenen Sohn gelegentlich für an der Grenze zur Langeweile kratzenden Leerlauf. Hier wurde unnötigerweise versucht, Depps Figur mehr Tiefe zu geben und dem Zuschauer eine emotionale Brücke zu ihm zu bauen. Das Ganze wirkt jedoch erzwungen, auch weil es für den Rest des Films irrelevant ist. Über den Alltag des von Whitaker gespielten Reporters erfahren wir schließlich auch nur das Allernötigste und können uns dennoch mit ihm und seinem unbedingten Ehrgeiz, den Fall doch noch aufklären zu wollen, jederzeit identifizieren.

    Auf die Frage vom Poster gibt es natürlich auch im Film keine ultimative Antwort.


    Wer sich tatsächlich eine definitive Antwort auf die auf dem Plakat gestellte Frage „Who shot Biggie?“ erhofft, wird am Ende (natürlich) enttäuscht werden. Mehr als eine im Rahmen der Handlung nachvollziehbare Hypothese zu den in der Realität bis heute ungeklärten Vorgänge sollte man - ähnlich wie bei David Finchers Meisterwerk „Zodiac - Die Spur des Killers“ - nicht erwarten. Eine deutliche Straffung wäre zudem hilfreich gewesen. Ein gut gespieltes, größtenteils stimmiges Charakterbild zweier Männer – einer real, der andere fiktiv – liefert das Doku-Drama aber trotzdem allemal.

    Fazit: Ein zwar nicht komplett runder, aber speziell für Fans von True-Crime-Dramen durchaus lohnender Krimi mit einem endlich mal wieder sehenswerten Johnny Depp.

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