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David Lynch: The Art Life
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
David Lynch: The Art Life
Von
Der als Filmemacher weltberühmt gewordene David Lynch („Mulholland Drive“, „Twin Peaks“) ist ein echter Universalkünstler, der sich unter anderem auch als Maler, Fotograf und Musiker betätigt. In der dokumentarischen Collage „David Lynch – The Art Life“ gibt der US-Amerikaner höchstpersönlich Einblicke in seinen Schaffensprozess und blickt zurück auf seltsame Beobachtungen und zentrale Erlebnisse, die ihn in seinen jungen Jahren geprägt haben. Er schlägt in 20 Interviews, die eigens für diesen Film geführt wurden, den Bogen von seiner Kindheit und Jugend in den 1950er und 1960er Jahren bis zu seinen Anfängen in Hollywood und der Entstehung des Kultfilms „Eraserhead“ (1977). Das Regietrio Jon Nguyen, Rick Barnes und Olivia Neergaard-Holm illustriert diese Erinnerungen mit alten Privataufnahmen und mit Blicken auf die (hauptsächlich nicht-filmische) Kunst des Protagonisten aus allen Lebensphasen. Außerdem wird der Meister immer wieder beim Ausleben seiner Kreativität im Atelier beobachtet. Während die Regisseure den Spuren der Jugendjahre im Schaffen Lynchs nachzuspüren versuchen, nutzt das eigenwillige Allroundgenie die Dokumentation, um weiter an seiner eigenen Legende zu stricken.
 
„Do you know what I think?“ steht auf einem Gemälde, das zu Beginn der Dokumentation eingeblendet wird. „David Lynch – The Art Life“ lässt den Betrachter scheinbar ganz nah an den Schöpfer faszinierender filmischer Albtraumwelten und seinen immensen kreativen Output heranrücken, doch bleibt der Mensch hinter der Fassade des mysteriösen Künstlers doch weitgehend verborgen. Die drei Regisseure überlassen David Lynch den ganzen Film hindurch das Zepter, sodass er sich nach Belieben selbst inszenieren kann. Ein analytischer Blick von außen hat hier keinen Platz, denn Lynch ist die einzige Person, die hier zu Wort kommt und er genießt die Aufmerksamkeit.

David Lynch: The Art Life Trailer OmU


Da fährt Lynch sich immer wieder selbstverliebt mit der Hand durch sein graumeliertes Haar, zündet sich eine Zigarette an und lässt uns in langsam vorgetragenen, sorgfältig gewählten Worten an seinen Erinnerungen teilhaben. Nicht selten legt er dabei künstliche Pausen ein, setzt neu an, lässt einzelne Anekdoten ausufern oder auch mal versanden. Die Bedeutung des Erzählten bleibt dabei in ganz typischer Lynch-Manier in der Schwebe. Eine dem jungen David riesenhaft erscheinende nackte Frau, die perlweiß und leidend durch die Abenddämmerung wandelt, ist eine von diesen zusammenhangslos eingeworfenen Kindheitserinnerungen und offenbart Lynchs Auge für die surreale Überhöhung des Alltäglichen bereits in jungen Jahren. Während er seine frühesten Jahre in Idaho als hell und sonnig beschreibt, erscheint ihm sein späteres Aufwachsen in Virginia als wäre beständig Nacht gewesen. Seine Jugendzeit war nach eigener Aussage von „dark fantastic dreams“ geprägt – und diese Umschreibung könnte natürlich genauso gut einer seiner düsteren späteren (Film-)Kreationen gelten.
 
Was David Lynch konkret zu seiner Vergangenheit kundtut, ist meist eher profan und wird erst durch die psychedelische Musikuntermalung und die dazu eingeblendeten düster-abstrakten Kunstwerke mit Bedeutsamkeit aufgeladen. Im Gegensatz zu dieser Mystifizierung sind die Aufnahmen des Künstlers bei der Arbeit wirklich faszinierend. Wenn er konzentriert und obsessiv, oft auch beinahe selbstverloren nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht, können wir gleichsam beobachten, wie seine düsteren Fantasien allmählich lebendig werden. Lynch hat ein sehr sinnliches Verhältnis zu seinen Werken und zu seinen Werkzeugen. Er liebt es, verschiedenste Materialien, Texturen und Techniken in seinen großflächigen Gemälden miteinander zu verbinden, manchmal trägt er die Farbe direkt mit der Hand auf, manchmal fügt er auch geschriebene Sätze in seine Bilder ein.

Immer wenn der künstlerische Schaffensprozess konkret betrachtet wird, ist „The Art Life“ am stärksten, doch das stoisch zurückhaltende Regietrio lässt David Lynch gewähren und so übt der sich immer wieder in der Kunst des Verklärens: Sein enorm umfangreiches Schaffen ist dann nichts weniger als ein Spiegel der Seele des Universalkünstlers. Gleichzeitig ist das aber nur eine vorgegaukelte Intimität, denn letztlich pflegt der Protagonist seine geheimnisvolle Aura und gibt von sich selbst und seinem Denken nur das Nötigste preis. So erscheint die Dokumentation wie eine verdrehte Therapiesitzung: Der fabulierende Patient auf der Couch kann die behandelnden Psychiater vorführen, obwohl ihnen ganze Aktenberge mit Anschauungsmaterial zu seiner Gedankenwelt vorliegen.

Fazit: David Lynchs Kinofilme sind abstrakt, rätselhaft und mehrdeutig - so wie auch diese Dokumentation über ihn. Das Porträt des vielseitigen Künstlers und seines Schaffens erweist sich als sperriges, aber faszinierendes Konstrukt zwischen missglückter Annäherung und kreativem Wahnsinn.

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