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Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer

Eine sympathische Stop-Motion-Expedition

Von Antje Wessels
Das in Portland, Oregon ansässige Animationsstudio Laika hat seit 2009 vier Langfilme mit der klassischen Stop-Motion-Tricktechnik produziert: „Coraline“, „ParaNorman“, „Die Boxtrolls“ und zuletzt „Kubo – Der tapfere Samurai“ sammelten allesamt gute bis überragende Kritiken ein. Ein mit der Animationsfilm-Konkurrenz von Pixar, Disney, DreamWorks und Illumination vergleichbarer Kassenerfolg war bisher allerdings nicht darunter. Das könnte neben der vielleicht nicht den Mainstream treffenden Animationstechnik auch damit zu tun haben, dass die Laika-Filme eben nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Familienkinos abzielen. Statt Slapstick für die Kleinen und Popkulturgags für die Großen wollten die Laika-Macher bisher immer mehr als nur einfache Botschaften. „ParaNorman“ war hierzulande sogar erst ab 12 Jahren freigegeben; bei „Coraline“ und „Kubo“ hätte man sich über eine solche Altersfreigabe aufgrund der verhandelten erwachsenen Themen sowie der bisweilen unheimlichen Bilder ebenfalls nicht beschweren können.

Doch gerade mit dieser selbstbewussten, sich eben nicht anbiedernden Attitüde hat sich das Laika-Studio inzwischen auch eine innige Fanbase aufgebaut. Und es wird interessant sein zu sehen, wie diese den neuesten Streich der Animationsfilmschmiede aufnehmen wird: Mit „Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer“ schlägt Regisseur und Autor Chris Butler (Regisseur von „ParaNorman“, Autor von „Kubo“) diesmal nämlich betont familienfreundliche Töne an. Doch keine Sorge: Inhaltlich punktet auch diese Geschichte wieder mit einer bemerkenswerten Reife. „Mister Link“ schlägt im Verlauf seiner 95 Minuten Bögen zu Themen wie Feminismus, Rassismus und gelebter Gleichberechtigung, verliert dabei allerdings den eigentlich so spannenden Abenteuer- und Entdeckerfilmaspekt immer mal wieder ein Stück weit aus den Augen. Allein aufgrund der einmal mehr atemberaubenden Stop-Motion-Tricktechnik ist der Gang ins Kino aber zumindest für Animationsfans dennoch wieder Pflichtprogramm.

Mister Link wird von Bastian Pastewka bzw. Zach Galifianakis im Original gesprochen.


Der fest von sich und seinem Können als Entdecker überzeugte Sir Lionel Frost (Stimme im Original: Hugh Jackman) hat einen Traum. Er möchte von seinen Kollegen endlich als großer Forscher anerkannt werden und begibt sich dafür auf eine spannende Odyssee: Fernab der menschlichen Zivilisation, tief verborgen im Dschungel, vermutet er den sogenannten Missing Link, also einen Vorfahren des Menschen, der die Schnittstelle zwischen Affe und Homo sapiens bildet. Schneller als gedacht findet er den dann auch. Mit einem braunen Zottelfell und der menschlichen Sprache mächtig, entpuppt sich das von Frost auf den Namen Mr. Link getaufte Wesen (Zach Galifianakis) als gutmütige Kreatur, die nur den einen Wunsch hat, endlich ihre Artgenossen zu finden, um nicht länger einsam zu sein. Gegen eindeutige Beweise für seine Existenz, also Fellbüschel, Zehennägel und Kot, verspricht Frost seinem neuen Kameraden, ihn zum Himalaya zu bringen, wo echte Yetis leben. Doch dazu muss er erstmal eine dafür benötigte Landkarte finden und die liegt ausgerechnet im Safe seiner ehemaligen Geliebten Adelina Fortnight (Zoe Saldana), die auf den selbstverliebten Forscher gar nicht gut zu sprechen ist...

Auf den Kopf gestellte Vorurteile


Die allererste Begegnung zwischen Sir Lionel Frost und dem Yeti-ähnlichen Affenwesen gehört zu den zugleich smartesten wie berührendsten Animationsfilmszenen der vergangenen Jahre: Als der gutmütige Mr. Link wie selbstverständlich ein Gespräch mit dem überraschten Forscher anfängt, wirft er im selben Moment sämtliche Erwartungen und damit Vorurteile über den Haufen – und das dürfte nicht bloß für Frost gelten, sondern auch für den Zuschauer selbst. Auf die Frage, weshalb er denn die menschliche Sprache beherrsche, antwortet Mr. Link beispielsweise, dass er einfach nur genau zugehört und anschließend viel geübt habe. Man fühlt sich ertappt, denn was hat einen eigentlich dazu veranlasst, zu glauben, dass jemand – nur weil er nicht so aussieht wie wir – nicht in der Lage ist, zu sprechen? Dasselbe gilt auch für die Annahme, dass so ein Zotteltier doch sicher bösartig sein müsste. Oder dass es sich in der menschlichen Welt kaum zurechtfinden wird.

Vor allem in der Anfangsphase genügt die Interaktion zwischen dem sich den neuen Umständen erstaunlich schnell anpassenden Mr. Link und dem steif-britischen Sir Lionel Frost, um die Kernbotschaft des Films sympathisch vor sich herzutragen: Lass dich nicht vom Äußeren eines Menschen (oder eines Zotteltiers) täuschen oder gar abschrecken. Das lässt natürlich Bezüge zu weiteren Themen zu: So ist es für Sir Lionel Frost beispielsweise von Anfang an selbstverständlich, dass er als Mensch klar über Mr. Link steht. Dieser muss sich immer wieder Sticheleien von seinem Entdecker anhören, dessen Tasche tragen und dessen Befehle ausführen. Obwohl Regisseur Chris Butler dieses Verhalten eher als Unbeholfenheit denn als festgefahrenes (oder gar böswilliges) Klassendenken inszeniert, sind die Parallelen zur realen Welt unübersehbar. Nicht umsonst ist das Happy End von „Mister Link“ vor allem darauf begründet, dass Sir Lionel Frost seinen Mr. Link als vollwertigen Partner anerkennt. Und auch Frosts ehemalige Freundin und Mitreisende Adelina Fortnight mausert sich im Laufe der 95 Minuten vom aus misslicher Lage zu rettendem Sidekick zur starken, unabhängigen Abenteurerin, die in einer Szene nochmal direkt darauf verweist, dass sie gar keine Hilfe von anderen benötigt.

Mister Link auf der Suche nach Shangri-La.


Die Abenteuerseite des Films ist hingegen nicht immer so gut gelungen: Einige ausufernde Slapstick-Einlagen, darunter eine aus dem Ruder geratende Bar-Prügelei und eine Verfolgungsjagd auf einem Schiff, treiben das Tempo zwar immer mal wieder kurzfristig in die Höhe. Aber ansonsten nutzt Chris Butler die Laufzeit vor allem für Dialogpassagen, die dem Rhythmus und der Komik der temporeichen Abenteuerszenen oftmals im Weg stehen.

Dafür kann man sich aber selbst in diesen Momenten immer noch ganz hervorragend an der berauschenden Optik ergötzen: Insgesamt 65 verschiedene Schauplätze und 110 Sets wurden für den Film aufgebaut. Der komplette Produktionsaufwand wird aber vor allem dann deutlich, wenn man hier auf die Details achtet: Wenn Sir Lionel Frost einen Stapel mit Briefen vom Tisch reißt, dann fliegen hier auch mal eben gefühlte 100 Papiere durch die Gegend. Und wenn die Entdecker durch eine Sandkulisse stapfen, sieht man im Boden die originalgetreuen Umrisse der Füße. Auf diesen produktionstechnischen Aufwand können die Macher zu Recht stolz sein, weshalb sie nach dem eigentlichen Film im Abspann auch noch einmal explizite Einblicke in die Entstehung einer einzelnen Szene geben. Die alte Weisheit „Das Beste kommt zum Schluss!“ gilt in diesem Fall deshalb auch für „Mister Link“.

Fazit: „Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer“ ist ein sympathischer Stop-Motion-Film mit herausragender Optik und vielen schönen Botschaften, dem es als Abenteuerfilm aber auch ein Stück weit am nötigen Schwung fehlt.

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