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Catch Me!
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Catch Me!
Von
Wenn am Anfang eines Films die Einblendung „Basiert auf einer wahren Geschichte“ auftaucht, dann kann das heißen, dass anschließend ein reales Ereignis möglichst authentisch nacherzählt wird. Muss es aber nicht! So wird etwa zu Beginn des Horror-Schockers „The Strangers“ ebenfalls eine „Wahre Begebenheiten“-Ankündigung eingeblendet – aber diese bezieht sich in diesem Fall nicht etwa auf die drei mordenden Irren im Zentrum des Films, sondern nur auf ein Ereignis aus der Kindheit des Regisseurs, als sich ein paar Fremde an der Haustür nach einem anderen Mieter erkundigt und später als Einbrecher herausgestellt haben. Das war’s! Die Coen-Brüder sind sogar noch weiter gegangen und haben den „Wahre Geschichte“-Stempel vor ihren Thriller „Fargo“ geklatscht, einfach weil sie die Idee lustig fanden.

Wenn nun in Marketingmaterialien wie jenen zu Jeff Tomsic‘ „Catch Me!“ an jeder möglichen Stelle darauf hingewiesen wird, dass die Komödie über ein paar Freunde, die seit 30 Jahren eine Partie Fangen spielen, ebenfalls von wahren Begebenheiten inspiriert ist, dann schrillt bei uns inzwischen sofort der Bullshit-Alarm los! Aber wenn man die Geschichte recherchiert (den originalen Zeitungsartikel könnt ihr hier nachlesen), dann stellt man schnell fest, dass die Filmemacher zwar bei der Verfolgungsaction maßlos übertreiben, aber ansonsten ziemlich nah an den Wahnsinn des realen Fangenspielens herankommen. Und irgendwie macht es das absurde Treiben auf der Leinwand tatsächlich lustiger, wenn man weiß, dass der Plot nicht aus dem Hirn eines Drehbuchautors stammt, sondern es da draußen tatsächlich eine Gruppe von Männern gibt, die den ganzen Monat Februar über erst unter ihr Auto schauen, bevor sie sich ihm nähern, und selbst an einem neuen Arbeitsplatz zunächst einmal die möglichen Fluchtwege checken.

Seit ihrer gemeinsamen Zeit in der High-School spielen fünf Freunde eine Partie Fangen. Immer im Monat Mai (statt Februar, wie beim realen Match) machen sie Jagd aufeinander, auch jetzt noch als Erwachsene, die längst in verschiedenen Städten leben. Es gibt dabei keinen Gewinner, aber wer Ende Mai gerade der Fänger ist, muss für elf Monate mit der Schande leben, verloren zu haben. Das passiert jedem mal, nur Jerry Pierce (Jeremy Renner) nicht, denn der vermutlich weltbeste Fangenspieler wurde in den ganzen drei Dekaden noch nicht ein einziges Mal erwischt. Aber in diesem Jahr soll alles anders werden: Jerry heiratet seine Verlobte Susan (Leslie Bibb) ausgerechnet im Mai, was ihn zu einem ausrechenbaren Ziel macht – und so tun sich seine Kumpels Hoagie (Ed Helms), Reggie (Lil Rel Howery), Bob (Jon Hamm) und Chilli (Jake Johnson) zusammen, um nach 30 schmerzhaften Jahren endlich einmal zu ihm sagen zu können: „Du bist!“

Catch Me! Trailer DF

Wenn Hoagie als Undercover-Hausmeister mit falschem Schnurrbart seinen guten Kumpel Bon bei der Arbeit überrascht, obwohl dieser als CEO eines gewaltigen Medizin-Konzerns gerade einer Journalistin des Wall Street Journal (Annabelle Wallis) ein Interview gibt, dann ist die Schlagrichtung des Films gleich in der ersten Szene vorgegeben: Im Mai werden keine Gefangenen gemacht! Man kann diese „junggebliebenen“ gestandenen Männer für die größten Idioten des Planeten halten – aber wenn man sich auf die Regeln ihres sie mitunter quer durch die USA führenden Fangenspiels einlässt, dann macht es einfach eine Menge Spaß, ihnen bei ihrer trickreichen und kompromisslosen Hetzjagd auf ihre „besten Freunde“ zuzusehen. Wobei ihre Frauen, die auch im realen Spiel als Agenten und Ablenkungsmanöver zum Einsatz kommen, sogar noch extremer drauf sind, vor allem Isla Fisher kennt als Hoagies superehrgeizige Angetraute Anna absolut kein Erbarmen.

Besonders in Erinnerung bleiben dabei die Actionszenen, wenn Jerry von seinen vier Kumpels vermeintlich in die Enge getrieben wird: Als bester Fangenspieler der Welt sieht er in brenzligen Momenten alles um sich herum wie in Zeitlupe, schließlich muss er seinen Kontrahenten nicht nur ein Schnippchen schlagen, er darf sich während des Duells nicht mal von ihnen berühren lassen. Dabei sind die einzelnen Sequenzen an verschiedene filmische Vorbilder angelehnt – manche Nahkampfduelle erinnern eher an „Jason Bourne“, während eine Verfolgungsjagd auf einen Golfplatz sich plötzlich in eine „John Rambo“- und „Predator“-Hommage verwandelt. Nachdem er ja für „Avengers 3“ bekanntermaßen erst einmal auf die Ersatzbank verbannt wurde, darf Jeremy Renner („The Hurt Locker“) hier endlich wieder einen Superhelden spielen und hat auch sichtlich Spaß dabei. Aber ist ja auch kein Wunder, schließlich ist Fangenspielen nun auch wirklich eine sehr viel coolere Superkraft als Bogenschießen.

„Catch Me!“ ist lange Zeit eine abgedrehte, aber dabei immer auch warmherzige Komödie, bei der die tiefe Freundschaft der fünf Kumpels selbst dann noch durchscheint, wenn Jerry in einem Golfplatzwäldchen potentiell tödliche Dschungelfallen für seine Verfolger installiert. An einem gewissen Punkt müssen sich Regisseur Jeff Tomsic und sein Drehbuchautoren-Trio dann aber entscheiden, wo sie mit ihrem Film eigentlich hinwollen: Soll die vermeintlich harmlose Komödie endgültig in Richtung schmerzhaft-abgründige Satire kippen (so wie einst in Jody Hills Hurra-Amerika-Abrechnung „Shopping-Center King“)? Oder steuert das Fangspiel einfach nur auf die übliche kitschige Hollywood-Auflösung zu? Die Antwort lautet: beides! Zum einen tun speziell zwei der Figuren plötzlich Dinge, die man ihnen auch als Zuschauer nicht oder kaum verzeiht, zugleich soll man aber auch das zurechtkonstruierte Friede-Freude-Eierkuchen-Finale schlucken. Hier hätten die Macher einfach konsequenter sein müssen, egal in welche Richtung.

Fazit: Lange Zeit erstaunlich lustige Gaga-Komödie, deren Macher sich auf der Zielgeraden aber nicht entscheiden können, wohin sie eigentlich wollen, weshalb es „Catch Me!“ kurz vor Schluss noch auseinanderreißt. Trotzdem ein absurd-kurzweiliger Spaß!
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