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    The Black String - Das Böse in dir
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    The Black String - Das Böse in dir

    Matschiger Horror – und Malcolm mittendrin

    Von Lutz Granert
    In den vergangenen Jahren war es größtenteils sehr ruhig um Frankie Muniz, der bereits im Teenager-Alter in der Titelrolle der kultigen Sitcom „Malcolm mittendrin“ (als Sohn des späteren „Breaking Bad“-Superstars Bryan Cranston) zahlreiche Preise abräumte. Mit einem Gastauftritt im trashigen „Sharknado 3“, einem Cameo (als er selbst) in der Amazon-Serie „Preacher“ sowie einer Teilnahme an der erfolgreichen Tanz-TV-Sendung „Dancing With The Stars“ rief er sich immerhin ein paar Mal in Erinnerung – baute dabei aber vor allem auf seinem alten Sitcom-Ruhm auf.

    Mit der Independent-Produktion „The Black String – Das Böse in dir“ meldet sich der zwischenzeitlich von gesundheitlichen Problemen geplagte und zu Arbeitspausen gezwungene Frankie Muniz nun auch als Hauptdarsteller zurück. Doch der okkult angehauchte, betont ernste Horror-Thriller von Regie-Debütant Brian Hanson variiert lediglich zahlreiche bekannte Genre-Versatzstücke, ohne aber selbst jemals so richtig in Fahrt zu kommen.

    Jonathan (Frankie Muniz) hatte einen One-Night-Stand mit Folgen ...


    Der schüchterne Mittzwanziger Jonathan (Frankie Muniz) lebt in einer Kleinstadt und arbeitet unter dem einfältigen Schichtleiter Eric (Blake Webb) als Verkäufer in einem Gemischtwarenladen. Um der Einsamkeit zu entfliehen, verabredet er sich übers Telefon mit der geheimnisvollen Dena (Chelsea Edmundson). Gleich beim ersten Date landen die beiden miteinander im Bett.

    Doch schon am nächsten Morgen bemerkt Jonathan einen merkwürdigen Ausschlag am Oberkörper und den Genitalien. Zudem ist Dena spurlos verschwunden. Bald ist Jonathan überzeugt, Opfer einer okkulten Verschwörung geworden zu sein, die sich seines Körpers bemächtigen will. Das lässt seinen Bekanntenkreis zunehmend an seiner geistigen Gesundheit zweifeln...

    Bilder, die nerven


    Immer mehr vermischt sich von da an Jonathans getrübte Wahrnehmung mit der Wirklichkeit – was auch in einer eigenwilligen Optik des Horror-Dramas seinen Widerhall findet: Kameramann John Orphan („Unter Freunden – Komm, lass uns spielen“) fängt dieses Geschehen unruhig ein. Zudem nutzte er eine RED-Digitalkamera, die weniger Schärfentiefe als ihre analogen Pendants aufweist und bei Schwenks oder Bewegungen so ihre Probleme mit dem Fokus hat. Der daraus resultierende Effekt, dass Objekte im Vorder- und Hintergrund mit weniger Tiefe als üblich in matschigen Unschärfen verschwimmen, wurde in der Post-Produktion durch Nachbearbeitung offensichtlich sogar noch verstärkt.

    Einerseits ist die Bebilderung ein interessanter Ansatz, um zu illustrieren, wie wenig wir womöglich Jonathans Sicht, also seinen subjektiven Bildern, trauen können. Am Ende sorgt es aber vor allem für Kopfschmerzen. Wenn Jonathan mit einem geklauten Fahrrad wie wild durch den Vorort radelt, auf einer Parkbank sitzt oder in einem okkulten Büchlein mit rätselhaften Skizzen blättert, erscheint selbst sein Gesicht so verwischt, dass zumindest ein Teil des Publikums eher an den eigenen als an den Sinnen der Figur zweifeln dürfte. So wird sich der eine oder die andere womöglich genervt von diesem visuellen Matsch fragen, ob nicht doch mal wieder ein Sehtest beim Optiker angesagt ist.

    ... weshalb er sich schließlich sogar das titelgebende schwarze Band aus dem eigenen Arm herausschneidet.

    Der okkulte Verschwörungs-Plot wirkt mit seinen zahlreichen Anleihen bei Genrefilmen reichlich halbgar. Für ihre erste eigene Spielfilm-Produktion haben sich die Filmklassen-Kollegen Brian Henson und Richard Handley, der auch in einer Nebenrolle als Psychiater zu sehen ist, nach eigenen Angaben von „Rosemaries Baby“ und „Donnie Darko“ inspirieren lassen. Gerade wenn der Ausschlag an Jonathans Körper sowie in Form einer grauen Masse an der Zimmerwand pulsiert, dürfte auch David Cronenbergs Body-Horror-Kino einen gewissen Einfluss auf die beiden Drehbuchautoren ausgeübt haben.

    Doch sie finden weder einen eigenen noch einen auf spannende Weise zitierenden Weg zwischen all diesen Vorbildern. Stattdessen ist das alles so offensichtlich, dass gerade Genre-Fans keine Überraschungen erleben werden. Wenn sich Jonathan den titelgebenden schwarzen Strick, dem ihn die Dämonen eingepflanzt haben (sollen), mit einem Dolch aus dem Unterarm schält, sieht das aber immerhin ganz ordentlich aus. Doch wenn handwerklich passable Make-Up- und Gore-Effekte eine der größten Stärken sind, sagt das schon viel über den restlichen Film.

    Frankie Muniz überzeugt


    Immerhin gibt es da noch Frankie Muniz – und der erweist sich als größter Pluspunkt von „The Black String“. In jeder Einstellung präsent, spielt er so inbrünstig auf, dass er die Story zwischen Wahn und Wahrheit zumindest für lange Zeit noch recht spannend hält. Der Schauspieler verlor nach einigen sogenannten ischämischen Schlaganfällen in den Jahren 2012 und 2013 Teile seines Gedächtnisses. Er machte später öffentlich, dass er sich sogar an sein Mitwirken in „Malcolm mittendrin“ nicht mehr wirklich erinnert. Verbunden bleibt er mit der Rolle trotzdem – selbst hier in einem Horrorfilm.

    Schon in seiner extrovertierten, zuweilen wütenden Performance als von Verfolgungswahn getriebener Jonathan sind (bewusst oder unbewusst) gesetzte Anknüpfungspunkte an seine Paraderolle zu sehen. Wenn er zur Überwachung in die Obhut der überfürsorglichen Eltern übergeben wird und die ihm wegen bestehender Selbstverletzungsgefahr noch nicht einmal Metallbesteck zum Abendessen überlassen, wirken diese Figuren wie der kalkulierte Gegenentwurf zu Bryan Cranstons Hal und Jane Kaczmareks Lois in der erwähnten Kult-Sitcom. Doch auch hier gilt: Wenn die Beschäftigung mit einer solchen Meta-Lesart zu den interessantesten Aspekten gehört, sagt das viel über den sonst ziemlich abgestanden anmutenden Horror-Thriller aus.

    Fazit: Der nach längerer Hauptrollenpause stark aufspielende Frankie Muniz und einige passable Gore-Einlagen sind noch das Beste an einem wenig spannenden Horror-Thriller, der vor allem mit seinen bewusst unscharfen Bildern auf Dauer so richtig nervt.

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