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1922
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
1922
Von
Was geschieht mit einem Menschen, wenn er einen anderen tötet, womöglich sogar jemanden, der ihm sehr nahe steht? Mit dieser Frage haben sich schon viele Autoren und Filmemacher beschäftigt. Manche Erzähler legen dabei den Schwerpunkt auf die Interaktion des Täters mit der Außenwelt, andere finden das Innenleben des Mörders spannender. Auch Amerikas Horror-König Stephen King hat sich in seiner Novelle „1922“ mit diesem Thema auseinandergesetzt und gibt ihm eine typische ganz eigene Note mit. Diesen vergleichsweise wenig bekannten Text des Bestsellerautors hat Zak Hilditch („These Final Hours“) verfasste, nun verfilmt. Der Regisseur, der auch das Drehbuch verfasste, macht aus Kings Schauerstück in seinem übernatürlich angehauchtem Drama „1922“ eine klassische Gespenstergeschichte, die sich sehen lassen kann.

Es ist das Jahr 1922: Farmer Wilfred James (Thomas Jane) und seine Frau Arlette (Molly Parker) haben sich auseinandergelebt. Sie hat das Landleben in Nebraska satt und möchte den Grundbesitz, den sie mit in die Ehe brachte, an einen Konzern verkaufen und nach Omaha ziehen. Wilfred ist strikt dagegen und der „hinterlistige Mann“ in ihm wiegelt den gemeinsamen 14-jährigen Sohn Henry (Dylan Schmid) gegen seine Mutter auf. Henry ist frisch verliebt in Nachbarstochter Shannon (Kaitlyn Bernard) und Wilfred redet ihm ein, seine Mutter würde die beiden trennen. So kann er den Jungen davon überzeugen, dass ein Mord die einzig mögliche Lösung für ihr Problem ist. Doch das hat üble Folgen…

1922 Trailer OV

Stephen King schreibt gern über die dunklen Winkel der amerikanischen Provinz und der menschlichen Psyche. Häufig klingen in seinen Geschichten auch mahnende Botschaften an, jedenfalls bleiben böse Taten nicht ohne Folgen und meist bekommt bei King jeder, was er verdient. Das mag mit der Vorliebe des Autors für die EC-Horrorcomics aus den 1950ern wie etwa „Tales Of The Crypt“ zu tun haben. Denn dort wurden meist böse Menschen durch noch bösere Dinge bestraft oder Menschen, denen Unrecht angetan wurde, rächten sich aus dem Jenseits. Immer wieder variiert auch King solche Motive, aber selten so prägnant wie in „1922“. Zak Hilditch hat das erkannt, gibt anders als andere Filmemacher keinen eigenen Senf hinzu und lässt Kings Story weitgehend unverändert. „1922“ liegt als Novelle mit 131 Seiten irgendwo zwischen langer Kurzgeschichte und kurzem Roman, aber ähnlich wie bei „Frühlingserwachen: Pin-up“ (Vorlage für „Die Verurteilten“) und „Die Leiche“ (verfilmt als „Stand By Me“) erweist sich das in der Literatur eher seltene Format, das King meisterhaft beherrscht, als ideale Grundlage für einen Spielfilm.

Zak Hilditch baut ganz nach Kings Vorbild die Spannung langsam und sorgfältig auf und zieht die Schlinge um Wilfred immer enger. Er findet dabei viele sprechende Bilder, etwa wenn die Spitzen der Maispflanzen sich unheilvoll schwarz gegen den Nachthimmel abheben oder die scheinbar unendliche Weite der Felder die Einsamkeit des Mörders unterstreicht. Hauptdarsteller Thomas Jane („The Punisher“), der schon in Frank Darabonts King-Verfilmung „Der Nebel“ überzeugte, ist zudem eine ideale Besetzung für den Protagonisten. Mit wenig Worten und subtilem Mienenspiel porträtiert er Wilfred als einfachen Farmer von böser Bauernschläue: erdverwurzelt, hart und knorrig wie eine alte Eiche. Jane ist in so gut wie jeder Szene zu sehen und trägt den Film gleichsam auf seinen Schultern, dabei gelingt es ihm, das Publikum emotional an Wilfred zu binden und trotz seiner furchtbaren Taten Mitgefühl für ihn zu wecken. Durch diese außergewöhnliche Schauspielleistung wird „1922“ zum sehenswerten, teilweise aber auch etwas spröden Charakterdrama, gleichzeitig ist der äußerliche Gruselfaktor durch die recht deutliche Konzentration auf innere Nöte und seelische Abgründe hier nicht besonders hoch.

Fazit: Mit „1922“ adaptiert Regisseur Zak Hilditch ein eher unbekanntes Werk von Stephen King und schafft mit Hilfe seines Hauptdarstellers Thomas Jane ein kleines, aber feines Drama um Schuld und Sühne.
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Kommentare

  • TresChic

    Er hat die klassischen Leader Eigenschaften. Cooler Typ. In Der Nebel ist er auch gut, also perfekt gecastet.

  • ChiliPalmer

    War nicht schlecht, aber ich würde maximal 6 Sterne vergeben, und das eigentlich wegen der Leistung von Jane... Ist ehrlich gesagt auch nur eine 1-man-show...

  • Aequitas

    Ich mag ihn auch. Seine meiner Meinung nach beste Rolle hat er aktuell als Miller in der SciFi-Serie "The Expanse" - ist ihm wie auf den Leib geschnitten.

  • Aequitas

    Mit 6 Sternen sprengst Du die Skala von Filmstarts ;-)

  • Sentenza93

    Hast recht.

    Jane und Butler sind vom Typ her für mich gleich. Jane hat aber einen Vorteil, er kann nebenbei noch schauspielern. :D

  • Aequitas

    Seit "London has fallen" ist Butler für mich gestorben, dass er sich für so einen rassistischen, islamophoben Scheiss prostituiert hat, werde ich ihm nicht verzeihen!

  • ChiliPalmer

    Ich kenne Filmstarts noch zu Zeiten von 10 Sternen...

  • Hans H.

    Das waren noch Zeiten. Da war noch übersichtlich.

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