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Katharina Luther
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Michael S.
Michael S.

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3,5
Veröffentlicht am 22.02.17
Der deutsche Mittelalterfilm ist seit seinem Revival vor etwa acht Jahren recht frauenlastig. Päpstinnen, Wanderhuren, Pilgerinnen, Hebammen und Emigrantinnen bevölkern die Bildschirme, also war es vermutlich naheliegend, dass auch Katharina von Bora ein eigenes Filmporträt bekommt. Grundsätzlich bietet sich das an, da man gerade anhand von gegen die damalige Gesellschaft aufbegehrenden Frauen ein für heutige Zuschauer möglichst kontrastreiches Bild des Mittelalters zeichnen kann. Diverse Ungerechtigkeiten eignen sich im Zeitalter der Toleranz bekanntlich immer als emotionaler Aufhänger für Geschichten quer durch die Geschichte, doch ganz so einfach macht es sich Julia von Heinz' Film glücklicherweise nicht immer. Anfangs dominiert das Klischee. Restriktive Klostergemeinschaft versus jugendlicher Freigeist, logisch, dass das nicht lange gut gehen kann. Appelle an die Mutter Oberin und Verwandte bleiben ungehört, also schreibt Katharina heimlich Briefe an Luther und flieht schließlich mit einigen Mitschwestern aus der strengen Obhut der Kirche. Bei der Ankunft in Wittenberg deutet sich an, dass Stresows Luther eigentlich der heimliche Held des Films ist. Karoline Schuch kämpft sich tapfer durch alle Widrigkeiten der Reformationszeit, verleiht ihrer Katahrina aber kaum weitere Facetten. Ihre Hinterfragung der kommerziellen Nutzung von Cranachs Lutherporträts könnte man auch auf manchen Reformations-Merchandise zum Jubiläum beziehen, kritischer wird man aber nicht. Immerhin ist es mutig, Frau Luther ihre Erfüllung in der Haushaltsführung und Mutterschaft finden zu lassen und sie nicht als verhinderte Gelehrte darzustellen. Zwar darf sie bei den passend eingebundenen Tischgesellschaften im Hause Luther nicht nur dabeisitzen, sondern wird sogar nach ihrer Meinung gefragt, insgesamt gilt jedoch was ihr Gemahl ergeben zugibt: "Schau mich nicht so an, sie ist der Herr im Haus". "Herr Käthe" ist damit eine tatkräftige Unterstützung für den überarbeiteten Reformator, der außerdem zu einem ungesunden Lebensstil und cholerischen Wutausbrüchen neigt. Als die beiden sich kennenlernen ist Luther in einem ähnlich desolaten Zustand wie das Haus in dem er lebt. Mit Katharinas Ankunft in seinem Leben bekommt die Handlung dann auch deutlich mehr Schwung, auch wenn das leider erst nach gut einer Stunde geschieht. Bis dahin überwiegt die Beobachtung von Charakteren und Verhältnissen. Die Atmosphäre geht zumindest in der ersten Filmhälfte leider in pseudodokumentarischem Kameragewackel verloren, es ist also Geduld gefragt, bis das volle Potential der Erzählung entfaltet wird. Zu den Stärken des Films gehört in jedem Fall die Darstellung von Martin Luther und Philipp Melanchthon. Bibelnerd Luther, der sich voller Freude auf Abweichungen im Text der Septuaginta stürzt, ist mit seinen politisch unkorrekten Äußerungen und der plötzlich aufflammenden Leidenschaft deutlich näher am Original als Joseph Fiennes sanftmütiger Denker im letzten Lutherfilm von 2003. Melanchthon (Ludwig Trepte), zunächst skeptisch gegenüber der originalgetreu mehr aus pragmatischen denn aus romantischen Gründen erfolgenden Heirat mit Katharina, hilft seinem Freund, wenn dieser den Blick für das Wesentliche verliert. Schwach ist unter anderem die eigenwillige Darstellung revoltierender Bauern als Naturvolk in Fell- und Lederkluft, sowie die mitunter recht großen Zeitsprünge, vor allem gegen Ende des Films. Zu viel soll noch schnell miterzählt werden, selbst Luthers Abneigung gegen Juden wird eben noch mit erwähnt. Damit stehen zwar viele Aspekte seines Charakters im Raum, ausgeführt wird davon insgesamt leider nur wenig. Erfreulicherweise bleibt "Katharina Luther" dem Titel entsprechend sehr nahe an seinen Figuren, anstatt die Ereignisse rund um die Reformation noch einmal von Grund auf zu erklären. Wenn Luther wochenlang auf Reisen ist bleibt der Fokus weiter auf Katharina und ihrer mitunter sehr ungewissen Situation. Als Kopistin diverser Briefe wird sie zwar indirekt zu Luthers Mitarbeiterin, dabei belässt es das Drehbuch aber. Wann immer Karoline Schuch etwas farblos erscheinen mag, lohnt es sich auf eine weitere Szene mit Devid Striesow zu hoffen, dem sie in solchen Momenten auch ordentlich Kontra geben kann.
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