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Killing Ground
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Killing Ground
Von
Viele australische Filme sind nicht gerade die beste Werbung für einen Besuch dieses gewaltigen abgeschiedenen Landes. Schon 1975 zeigte Peter Weirs Mystery-Thriller „Picknick am Valentinstag“, dass selbst das größte Naturidyll im Lande Down Under unabwägbare Gefahren bergen kann. Und genau 30 Jahre später verdarb Greg McLean mit seinem knochenharten Folterporno-Slasher „Wolf Creek“ potenziellen Rucksacktouristen gründlich die Lust an einem Besuch der endlosen kargen Weiten des australischen Outbacks. Seither wurde in zahlreichen weiteren Thrillern aus Australien, wie zuletzt etwa im perfiden „Blood Hunt“ von Sam Curtain, eine ähnlich derbe blutige Kerbe geschlagen. Für die Unerschrockenen, die trotzdem noch immer vom relaxten Campen im Känguru-Land träumen, lädt Damien Power jetzt in seinem fiesen Spielfilmdebüt „Killing Ground“ noch einmal kräftig nach und entfacht in seinem Hinterwäldler-Horror einen gnadenlosen Psychoterror, der dem Zuschauer noch lange in den Knochen stecken bleibt.

Das junge Paar Ian (Ian Meadows, „The Turning“) und Sam (Harriet Dyer, „Ruben Guthrie“) beschließt, Silvester in der Abgeschiedenheit der Natur beim Campen an einem einsamen See zu verbringen. Dort müssen sie jedoch feststellen, dass sie nicht als erste auf diese Idee gekommen sind. Anfangs ist es ihnen noch recht, dass sich die Camper im Nachbarzelt nicht blicken lassen. Aber irgendwann beginnt ihnen die Sache merkwürdig zu erscheinen. Parallel dazu zeigt eine Rückblende die Familie aus dem Nachbarzelt: die Eltern Margaret (Maya Strange) und Bob (Julian Garnier) sowie die Teenagertochter Em (Tiarnie Coupland) und Baby Ollie (Liam Parkes). Ein dritter Handlungsstrang zeigt die beiden Ex-Knackis German (Aaron Pedersen) und Chook (Aaron Glenane) dabei, wie sie um ihr Haus herumlungern und in einer Bar auf plumpe Art und Weise junge Frauen anmachen. Als irgendwann alle drei Handlungsstränge zusammenführen, bricht die Hölle los und für Ian und Sam beginnt ein gnadenloser Kampf ums nackte Überleben…

Killing Ground Trailer OV

 


In „Killing Ground“ liegt vom ersten Augenblick an eine äußerst unheilvolle Stimmung in der Luft. Die erzeugt Regisseur Damien Power erstaunlicherweise gerade durch größtmögliche Unaufgeregtheit. Es reicht zunächst völlig, wenn der Mediziner seiner Freundin Sam bei der Autofahrt zum See einige leicht unappetitliche anatomische Details erklärt. Und auch als ihnen ein gewaltiger Truck entgegenbraust, macht Power darum kein großes Aufhebens – aber wir werden uns an den riesigen Laster erinnern. Für die gesamte erste Filmhälfte ist das verlassene Nachbarzelt am See der einzige konkrete Hinweis darauf, dass sich dieser romantische Campingausflug als unerwartet gefährlich entpuppen könnte. Diese Normalität hat System. Im ganzen Film gibt es weder Jump-Scares noch stimmungsauflockernde Witzchen. Die Unterhaltungen zwischen Sam und Ian sind so banal, wie solche Gespräche eben gewöhnlich sind. Zudem verzichtet Power auf inszenatorische Mätzchen und auch die Kameraarbeit wirkt nahezu dokumentarisch nüchtern.

Selbst das geschickte Verweben der unterschiedlichen Zeitebenen schafft keine Verwirrung, sondern ist von Anbeginn an sehr klar und vor allem effektiv. Denn durch das Aufeinanderzulaufen der Handlungsstränge baut der Filmemacher einen sich bis zur Unerträglichkeit steigernden Suspense auf. Der Zuschauer weiß zwar im Groben, in welche Richtung die Sache wahrscheinlich gehen wird. Aber immer, wenn er auf eine genauere Klärung der Details hofft, kommt der nächste diese Aufklärung verzögernde Schnitt zu einem anderen Handlungsstrang. Und wenn endlich die besagte Klarheit da ist, beginnt auch schon der unerbittliche Überlebenskampf. Dabei macht Power selbst dort mit äußerster Konsequenz weiter, wo andere Filmemacher lieber ein wenig den Fuß vom Gas nehmen, um die Zuschauer nicht emotional zu überfordern. Aber anders als beispielsweise in „Wolf Creek“ erreicht der Regisseur ein Maximum an Psychoterror, ohne sich dabei in expliziten Ekeldetails zu suhlen. Selbst der Horror ist banal - und deshalb nur umso gemeiner.

Fazit: „Killing Ground“ ist ein beinharter Survival-Thriller aus Down Under, der seine Zuschauer mit gnadenloser Konsequenz statt mit Ekeldetails an die eigenen Grenzen drängt.
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Kommentare

  • Jimmy V.
    Findest du? Nach der großen Welle der Torture Porns finde ich die Rückkehr zu diesen alten Tugenden des Horrorfilms wieder richtig gut. Explizite Gewaltdarstlelung ist dabei weder gut noch schlecht. Sie ist aber auf jeden Fall kein Qualitätsmerkmal, wie das leider viele Leute meinen.
  • SonnyC
    Sehe ich ähnlich. Kein Bild ersetzt den freien Geist : )
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