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Amelie rennt
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Amelie rennt
Von
Spätestens die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Erstverfilmung von Stephen Kings „Es“ hat uns gelehrt: Ein asthmakrankes Kind kann im Ernstfall schon mal über sich hinauswachsen! In Tommy Lee Wallace‘ zweiteiliger Adaption des vielgelesenen Horror-Klassikers verpasste 1990 der kleine Eddie Kaspbrak (Adam Faraizl) dem furchterregenden Clown Pennywise (Tim Curry) in der Kanalisation der Kleinstadt Derry mit seinem Asthmaspray einen schweren Wirkungstreffer („Das ist Batteriesäure!“) und läutete so dessen Untergang ein. Nun erzählt Filmemacher Tobias Wiemann („Großstadtklein“) in seinem sympathischen Jugendabenteuerfilm „Amelie rennt“ zwar eine garantiert monsterfreie und damit deutlich familienfreundlichere Geschichte – doch auch hier steht ein an Asthma erkranktes Kind vor der größten Herausforderung seines Lebens. Vor der idyllischen Kulisse der Südtiroler Alpen wagt eine junge Berliner Göre eine anstrengende Bergwanderung und muss sich dabei notgedrungen mit einem einheimischen Naturburschen zusammenraufen, den sie anfangs überhaupt nicht leiden kann. „Amelie rennt“ ist ein unterhaltsames und mit viel Dialogwitz gespicktes Abenteuer, bei dem nicht nur junge Zuschauer auf ihre Kosten kommen.

Das Mädchen Amelie (Mia Kasalo) leidet an schwerem Asthma. Als sie nach einem lebensbedrohlichen Anfall erst in letzter Sekunde gerettet wird, entschließen sich ihre besorgten Eltern Sarah (Susanne Bormann) und Jost (Dennis Moschitto) dazu, ihre Tochter in eine Spezialklinik in den Südtiroler Bergen zu schicken, wo sie gemeinsam mit anderen Kindern genesen und lernen soll, besser mit ihrer Krankheit umzugehen. Darauf hat der sture Teenager allerdings überhaupt keine Lust: Zum Leidwesen von Klinikleiterin Dr. Murtsakis (Jasmin Tabatabai) und der aufdringlichen Steffi (Shenia Pitschmann), mit der sie sich das Zimmer teilen muss, flüchtet Amelie in den Wald und ist fest entschlossen, nicht in die Klinik zurückzukehren. Auf einer Wiese trifft sie den 15-jährigen Bart (Samuel Girardi), der sich auf einem nahegelegenen Bauernhof um die Kühe kümmert. Der ortskundige Junge begleitet Amelie ungebeten und erzählt ihr von einem traditionellen Feuer, das auf einem der Berggipfel entzündet wird und selbst schwerste Krankheiten kurieren soll. Gemeinsam begeben sich die beiden auf den riskanten Aufstieg...

Wir kennen das Prinzip aus unzäligen romantischen Komödien von „Bettgeflüster“ über „Ein (un)möglicher Härtefall“ bis zu „10 Dinge, die ich an dir hasse“, um drei sehr unterschiedliche Beispiele zu nennen: Aus anfänglicher Abneigung zwischen Mann und Frau entwickelt sich Interesse, bis schließlich Gefühle aufkeimen und die Hauptfiguren trotz aller Startschwierigkeiten zueinander finden. Nach diesem jugendgerecht angepassten Erfolgsrezept funktioniert auch „Amelie rennt“: Es macht einfach Laune, dabei zuzusehen, wie sich die bockige Amelie und die geduldige Frohnatur Bart nach dem Motto „Was sich liebt, das neckt sich“ kabbeln und dabei zunehmend erfolglos gegen ihr Kribbeln im Bauch ankämpfen. Während sich Bart vor allem für Melkmaschinen und Kühe interessiert, legt Amelie nur ungern ihr Smartphone aus der Hand – mit dem naturverbundenen Landei und der desinteressierten Großstadtgöre prallen vor prachtvollen Kulissen wie den Reinbach-Wasserfällen oder der Burgruine Rafenstein zwei Welten aufeinander. Die Rollen sind klar verteilt und amüsante Konflikte vorprogrammiert. Dass das gemeinsame Meistern des Anstiegs so kurzweilig ausfällt, liegt auch an Newcomer Samuel Girardi, der seiner deutlich erfahreneren Partnerin Mia Kasalo („Du hast es versprochen“) mit seinem natürlichen Spiel Paroli bietet und ein sehr überzeugendes Leinwanddebüt feiert.

Anders als in deutschen Jugendkomödien à la „Fack ju Göhte“ fällt das Vokabular bei den bissigen Streitgesprächen aber nicht allzu derb aus: Sätze wie „Zeig mal deine Unterwäsche, ich wette, da sind noch Ponys drauf!“ zählen schon zu den heftigsten Sprüchen in diesem jederzeit familienkompatiblen Film. Dank der sympathischen Figuren und der stimmigen Mischung aus eher gering dosiertem Slapstick und pfiffigem Dialogwitz kommt dabei nicht nur die Zielgruppe der 8- bis 13-jährigen Kinder auf ihre Kosten: Zum heimlichen Publikumsliebling mausert sich die quirlige Steffi, die in der Klinik ständig im falschen Moment ins Zimmer platzt („Nicht erschrecken, ich bin’s nur – die Steffiiiii!“) und sich eine allergikerfreundliche (und unglaublich hässliche) Stoffkatze gebastelt hat. Auch Amelies besorgte Eltern Sarah und Jost sorgen für Lacher, wenn sie beispielsweise in der Klinik mit Strohhalm und Nasenklammer eine Asthma-Erkrankung simulieren und sich schon nach wenigen Sekunden ihr klägliches Scheitern eingestehen müssen. Über kleinere Logiklöcher im Skript muss man allerdings hinwegsehen: Dass Bart und Amelie auf dem langen Wanderweg keiner Menschenseele begegnen, obwohl das Feuer traditionell viele Dutzend Pilger auf den Gipfel lockt, ist alles andere als wahrscheinlich – hier aber notwendig, damit die Zweierkonstellation aufgeht und die spaßige Odyssee kein vorzeitiges Ende findet.

Fazit: „Amelie rennt“ ist eine sympathische Jugendkomödie vor prächtiger Naturkulisse.

Wir haben den Film im Rahmen der Berlinale 2017 gesehen, wo „Amelie rennt“ in der Sektion „Generation Kplus“ gezeigt wird.
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