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Anna und die Apokalypse
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Anna und die Apokalypse
Von
Zombies sind im wahrsten Sinne einfach nicht totzukriegen, soviel steht fest. Denn selbst wenn inzwischen nicht wenige Horrorfans erst mal die Nase rümpfen, wenn es in einem Film wieder einmal um die schlurfenden Leichen mit Gier auf Menschenfleisch geht, ist es doch erstaunlich, wie viele sehenswerte Vertreter das Genre immer noch hervorbringt. Und das 75 Jahre nach Jacques Tourneurs „Ich folgte einem Zombie“, dem allerersten Film des Subgenres überhaupt, der ursprünglich sogar noch als Stummfilm geplant war. 50 Jahre nach George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“, der den modernen Zombiefilm maßgeblich geprägt hat. Und 25 Jahre nach Peter Jacksons „Braindead“, der nach der Horrorfilmwelle der 80er Jahre dem Genre nochmals neuen Drive verpasst hat. Nun landet John McPhails weihnachtliches Horror-Musical „Anna und die Apokalypse“ ganz weit oben auf der Liste der kreativsten und lohnendsten unter den aktuellen Zombiefilmen. Was überraschenderweise vor allem damit zu tun hat, dass die Musical-Anteile dieser Festtags-Komödie besonders gut gelungen sind, während mit Gore und Splatter natürlich auch nicht gegeizt wird.

Weihnachten steht vor der Tür und Anna (Ella Hunt) hat so allerhand Probleme auf dem Zettel. So muss sie ihrem Vater (Mark Benton) beichten, dass sie nach dem Schulabschluss nicht gleich auf die Uni gehen, sondern erst mal ein Jahr lang um die Welt reisen möchte. Zudem will ihr bester Kumpel John (Malcolm Cumming) plötzlich mehr als nur Freundschaft und ausgerechnet ihr angehimmelter Schwarm Nick (Ben Wiggins) erweist sich als arroganter Unsympath. Und so fällt es der Schülerin zunächst auch gar nicht auf, dass da hinter ihr plötzlich marodierende Zombiehorden durch die Straßen schlurfen, als sie am 23. Dezember tanzend und singend das Haus auf dem Weg zum letzten Schultag des Jahres verlässt…


So wie „Anna und die Apokalypse”, der auf dem Kurzfilm „Zombie Musical“ von 2011 des inzwischen verstorbenen Ryan McHenry aufbaut, stellt man sich ein richtig gutes Off- bzw. Off-Off-Broadway-Musical vor. Nämlich eben nicht als geglättete Hochglanzproduktion, sondern als eigenwilliges Herzensprojekt mit Ecken und Kanten und einem ganz eigenen Charme. Aber anders als etwa in dem ebenfalls sehr gelungenen Genre-Musical „Kifferwahn“ mit „Eiskönigin“-Stimme Kristen Bell, in dem die Meta-Musicaleinlagen vor allem dazu dienen, sich über peinliche Anti-Drogen-Filme aus den 1930ern lustig zu machen, treffen die augenzwinkernden Songs in „Anna und die Apokalypse“ zugleich den Kern der Figuren: Selbst ohne Zombies würde die schottische Produktion immer noch als pointiertes Update solcher John-Hughes-Klassiker wie „Der Frühstücksclub“ oder „Das darf man nur als Erwachsener“ durchgehen.

Auch die Protagonisten sind keine „High School Musical“-Stereotype, sondern eher typische Hughes-Helden, also Teenies mit Haltung: Als Anna und John auf ihren ersten Untoten treffen, der in einem Schneemann-Kostüm auf sie zugeschlurft kommt, reagieren sie erstaunlich gelassen und mit trockenen Kommentaren – moderne Teenager kennen sich in dem Genre halt aus. Nur die Songauswahl ändert sich nach dem Apokalypsen-Ausbruch von eingängigen Popsongs wie „Hollywood Ending“ (den ihr euch unter dieser Kritik in einer spontanen Karaoke-Session des Casts anhören könnt) hin zu wütenden Metal- und Punk-Stücken wie „Top Of My Class“. In dem Lied sinniert Schul-Bully Nick stolz darüber, dass er nun endlich mal der Beste in etwas ist, nämlich dem Niederknüppeln von Zombiehorden (und zwar in diesem Moment konkret des untoten Mädchen-Volleyballteams).

Apropos „There Is No Hollywood Ending!“: Das ist hier nicht nur eine eingängige Songzeile, sondern ein Versprechen, welches John McPhail durchaus einlöst. Selbst die größten Sympathieträger sind bei ihm nicht vor dem Gebissenwerden gefeit und obwohl die Schüler auf der Zielgeraden im Minutentakt den Löffel abgeben, ist keiner ihrer Tode ein schneller Wegwerfgag. Stattdessen entpuppen sich die Sterbeszenen tatsächlich fast alle als berührende Momente inmitten des turbulenten Festtagsgemetzels. Das ist eine der größten Stärken von „Anna und die Apokalypse“: Die Figuren verkommen trotz der absurden Situation und des ständigen Gesinges nie zu Karikaturen. Mit einer Ausnahme: „Game Of Thrones“-Star Paul Kaye gibt als stellvertretender Schuldirektor Savage einen derart verachtenswert-verkappten Pausenhofdiktator, dass er sich den Szenenapplaus zu seinem blutigen Abschied redlich verdient hat.

Fazit: Ein Gute-Laune-Zombiefilm, dem das Kunststück gelingt, als poppiges Musical genauso gut zu funktionieren wie als splattrige Komödie.

 

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