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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Fighter
Von
MMA (= Mixed Martial Arts) ist Boxen für alle, die es brutaler, blutiger und blöder mögen. So zumindest das gängige Vorurteil gegenüber dem längst auch in Deutschland immer populärer werdenden Kampfsportphänomen. Nun hat Susanne Binninger („Die Kandidaten: Einmal im Leben bei ‚Wetten, dass…?‘“) einen Dokumentarfilm über drei der Käfigkämpfer gedreht, obwohl sie selbst weder Kampfsportlerin noch MMA-Fan ist. „Fighter“ ist keine „MMA For Dummies“-Doku und auch kein Inside-Baseball-Expertenfilm, stattdessen interessiert sich die Regisseurin vor allem dafür, was das eigentlich für Menschen sind, die freiwillig in solch einen Käfig steigen. Es mag natürlich auch an der Auswahl der Protagonisten liegen, aber das hier gezeigte Bild der Fighter überrascht selbst dann, wenn man MMA-Kämpfer nicht von vorneherein als Schlägertypen abtut: Die libanesischen Brüder Khalid „The Warrior“ Taha (10 Siege, 0 Niederlagen) und Lom-Ali „Leon“ Eskijew (12 Siege, 3 Niederlagen) sind gute Jungs, die sich mit eiserner Disziplin beim Gewichtmachen ebenso wie bei ihrem persönlichen Kampf um die deutsche Staatsbürgerschaft abrackern. Und der 35-jährige studierte Erziehungswissenschaftler Andreas „Big Daddy“ Kraniotakes (18 Siege, 12 Niederlagen) wäre mit seinem Baumfäller-Bart die perfekte Besetzung als Papa Schlumpf, so weise, sympathisch und emotional ehrlich spricht er über sich und seinen Sport.

Alle drei stehen kurz vor einem wichtigen Kampf – und Susanne Binniger begleitet sie jeweils durch die Vorbereitung hindurch bis zum großen Event. Aber während sie dabei tatsächlich ein zu den gängigen Klischees völlig konträr stehendes Bild der Kämpfer zeichnet, wird es immer dann ganz schnell ganz gruselig, sobald der Film einmal über seine Protagonisten hinaus in das „Geschäft MMA“ hineinragt (was leider nur selten passiert). So beschimpft einer der Ausrichter in einer Kämpfer-Sitzung die versammelten Sportler als „Retards“, weil wohl einige ihre Verträge nicht schnell zurückgeschickt haben. Und nach all den peniblen Vorbereitungen ist es am Ende ausgerechnet der Ringrichter (!!!), der in seiner Vor-dem-Kampf-Ansprache an die Kontrahenten zwar auch ein wenig auf die Regeln eingeht, ihnen aber vor allem verklickert, dass die Leute da draußen sich nicht für ausgeklügelte Taktiken interessieren, sondern sehen wollen, wie sie sich gegenseitig ohne Zurückhaltung die Fresse demolieren: Lieber eine brutale Schlacht verlieren als einen technisch anspruchsvollen Kampf gewinnen, nur so wird man beim MMA zum Star!


Die Regisseurin ist mit ihrer Kamera immer ganz nah dran an ihren Protagonisten, dazu gibt es einzelne richtig starke Bilder, etwa beim Joggen durch einen nebelverhangenen Park. Das Problem der längst zum Dokumentarfilmklischee gewordenen Sprechende-Köpfe-Interviews wird oft (aber nicht immer) geschickt umgangen, indem die Filmcrew einfach bei anderen Interviews (etwa vom Playboy) mitfilmt, statt sie selbst zu führen. Aber ästhetisch herausragend ist vor allem der finale Schwergewichts-Kampf zwischen Andreas Kraniotakes und Dion Staring in Kroatien inszeniert. Schon nach wenigen Schlägen klatschen die schweißigen Körperberge in einer der Ringecken aneinander, verschieben sich gegeneinandergepresst nur noch minimal, wirken in einer Sekunde kraftlos, nur um in der nächsten doch zu eruptieren. Das ist zugleich zärtlich und brutal, erbärmlich und erhaben, kraftlos und kämpferisch, ergeben und dominierend, erotisch und abstoßend – eine vielschichtigere Inszenierung von Männlichkeit als in diesem Moment hat man im Kino selten gesehen.

Fazit: „Fighter“ stellt die gängigen Vorurteile gegen MMA-Kämpfer konsequent in Frage und bestätigt zugleich die über die Geschäftsmacher hinter dem Sport.
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