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Wahrheit oder Pflicht
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Wahrheit oder Pflicht
Von
Das Partyspiel „Wahrheit oder Pflicht“ basiert auf unserer Lust am Verbotenen und Geheimen. Die spaßigen Enthüllungen unter Freunden können allerdings recht schnell ins Unangenehme umschlagen: Wenn es zu sehr ins Persönliche und Intime geht, dann wird „Wahrheit oder Pflicht“ leicht zu einer Übung in Demütigung und Peinlichkeit. In der neuesten Produktion aus der Horrorschmiede Blumhouse, die schon solche Genreperlen wie „Get Out“ oder „Split“ hervorgebracht hat, wird die Mechanik des Spiels nun auf eine zynische Spitze getrieben. „Kick Ass 2“-Regisseur Jeff Wadlow macht aus dieser Prämisse in seinem „Wahrheit oder Pflicht“ allerdings nur eine zwar mit tödlichen Zwischenfällen gespickte, aber trotzdem vor allem sterbensöde Teenie-Seifenoper mit maximal ungruseligen Horrorelementen.

YouTuberin Olivia (Lucy Hale, „Pretty Little Liars“) hatte eigentlich vor, während der Spring-Break-Ferien für eine Hilfsorganisation zu arbeiten, ihre Clique rund um Busenfreundin Markie (Violett Beane, „The Flash“) „überredet“ sie jedoch, mit auf Sauftour nach Mexiko zu fahren. Auf einer Party trifft sie dort den Sonderling Carter (Landon Liboiron), der die ganze Gruppe mit in ein altes Kloster nimmt, wo er Bier deponiert hat. Er will dort unbedingt „Wahrheit oder Pflicht“ spielen, aber Olivia und Co. verlieren schnell die Lust daran, als die Fragen allzu persönlich werden. Doch für einen Ausstieg ist es bereits zu spät: Ein böser Geist zwingt sie, das Spiel am Laufen zu halten, wer lügt oder sich weigert, stirbt…

Wahrheit oder Pflicht Trailer DF

Die mit Jungschauspielern zwischen Anfang 20 und Mitte 30 mal wieder zum Teil deutlich zu alt besetzten Teenager werden von einem Dämon heimgesucht, der reihum in die Körper der Spieler fährt und sie zum Selbstmord bringen kann, wenn sie sich den Regeln des Spiels (sag laut die Wahrheit oder erfülle eine Aufgabe) widersetzen. Die Gesichtszüge der Besessenen verzerren sich dabei zu einem eher dämlichen als unheimlichen Grinsen, das, wie Hauptfigur Olivia treffend konstatiert, aussieht wie ein bescheuerter „Snapchat-Filter“, allerdings nicht ganz so furchteinflößend ist wie der leider immer noch allgegenwärtige Filter mit den Hundeohren und den Weichzeichner-Augen.

Alberne visuelle Effekte sind längst nicht das einzige Problem von „Wahrheit oder Pflicht“: Am stärksten leidet der Film unter seiner Bande von größtenteils farblosen, teilweise aber auch arg anstrengenden Hauptfiguren. Darunter die vermeintlich unschuldige Primel Olivia, die sich den ganzen Film über herumschubsen lässt, ihre beste Freundin Markie, die wiederum ihren Freund Lucas (Tyler Posey, „Teen Wolf“) betrügt und sauer ist, wenn sie jemand darauf hinweist und der absolut unausstehliche Ronnie (Sam Lerner), der das Klischee des notgeilen, wenig attraktiven Typen, der sich für einen Aufreißer hält, bis zur Unerträglichkeit ausreizt. Wenn es in der Abzählreimdramaturgie des Films an ihm ist, die potenziell tödliche Frage „Wahrheit oder Pflicht?“ zu beantworten, hält sich das Mitfiebern in ganz engen Grenzen.

Wenn Figuren hier zuweilen geradezu wie dramaturgischer Müll entsorgt werden, wirkt das auf unbedachte Art zynisch, aber nicht auf beunruhigende Weise bösartig. Und die diversen Grausamkeiten bis hin zur Selbstverstümmelung sind dann auch noch jugendfrei unblutig inszeniert (FSK ab 16), was ihnen nicht nur für Slasher-Fans jeden Reiz nimmt, denn das Nicht-Zeigen ist hier nicht etwa raffiniert, sondern wirkt beliebig bis kontraproduktiv. Das gilt auch für diverse inhaltliche Auslassungen: Wenn eine der Figuren einen wirklich existenziellen Konflikt auszutragen hat oder gar reale Horror-Themen wie sexueller Missbrauch oder Selbstmord angesprochen werden (und nicht nur die lange vorherrschenden Teenie-Eifersüchteleien), dann interessiert das nur so weit, wie es für die Spielmechanik relevant ist. Und so bleibt dann auch die mit Abstand reizvollste Figurenbeziehung des Films zwischen dem heimlich homosexuellen Brad (Hayden Szeto) und seinem Polizistenvater (Tom Choi) unterbelichtet.

Statt schockierender Gewalt oder echter Emotionen gibt es ausschweifende Szenen, in denen Google und Facebook zum Einsatz kommen, und endloses Palaver über die „Spielstrategie“, wobei erschwerend hinzukommt, dass die im Grunde nicht sonderlich komplizierten Regeln von „Wahrheit oder Pflicht“ im Rahmen der Handlung permanent erweitert, gedehnt und willkürlich verdreht werden – von der einfallslosen Prise des Übernatürlichen ganz abgesehen. Selbst nur halbwegs spannende Szenen wie etwa ein Balanceakt auf einem Häuserdach sind hier schon die positive Ausnahme.

Fazit: Wenn man diese weitgehend spaß- und horrorfreie Teen-Horror-Variante eines Partyspiels ganz im Sinne der trinkfreudigen Protagonisten für eine eigene infantile Spielerei nutzen würde und jedes Mal, wenn es im Film heißt „Wahrheit oder Pflicht“, ein alkoholisches Getränk zu sich nähme, wäre das ähnlich sinnlos wie das Treiben auf der Leinwand – und man hätte ziemlich schnell einen sitzen.
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