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Time Freak
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Time Freak

Zeitreisen für die Liebe

Von Oliver Kube
Was habe ich nur falsch gemacht?“ und „Was würde ich anders machen, wenn ich das alles nochmal erleben könnte?“ – Fragen, die wir uns sicher alle schon einmal nach der einen oder anderen schiefgelaufenen Situation in unserem Leben gestellt haben. Auf dieser Überlegung basierend schrieb, finanzierte und inszenierte Andrew Bowler 2011 seinen Kurzfilm „Time Freak“, der anschließend für einen Oscar nominiert wurde. Nun hat er seine Idee auf Kinolänge ausgebreitet. Handelte es sich ursprünglich um eine satirisch angehauchte Komödie, so ist die durchaus hochkarätig besetzte Neuauflage nun deutlich vielschichtiger ausgefallen: „Time Freak“ ist so eine mal nachdenkliche, mal sympathisch-amüsante Mischung aus Indie-Romantikomödie, Coming-Of-Age-Drama und Science-Fiction.

Stillman (Asa Butterfield) ist ein aufstrebendes Physik-Genie. Nur bei den Ladys stellt er sich längst nicht so clever an. Zufällig lernt er allerdings eines Tages die lebensfrohe Debbie (Sophie Turner) kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Doch nach einer Weile glücklicher Zweisamkeit nehmen die Probleme zu und sie will die Trennung. Der am Boden zerstörte Stillman versucht – ganz Wissenschaftler – zu analysieren, woran die Beziehung zu seinem Traummädchen gescheitert sein mag. Er erstellt eine aufwändige Timeline und hält auf dieser alle kleinen Vorfälle fest, bei denen er vielleicht etwas Dummes gesagt oder getan hat. Mit einer Zeitmaschine, an der er seit Jahren werkelt und die er nun endlich fertigstellt, reist er gemeinsam mit seinem besten Kumpel Ewan (Skyler Gisondo) als moralischem Support in die Vergangenheit. Dort will er seine vermeintlichen Fehler begradigen, um so die Trennung zu verhindern beziehungsweise rückgängig zu machen. Ganz so einfach wie gedacht, gestaltet sich dieses Vorhaben dann aber nicht …

Stillman liebt Debbie.


Eliminiere alle Momente, in denen Debbie unglücklich war, aus ihrem Leben und schon ist sie nur noch glücklich“, so lautet die simple, zunächst logisch klingende, aber offenbar nicht wirklich zu Ende gedachte Theorie von Stillman. Gerade weil die Prämisse um den Wunsch, Fehler oder Versäumnisse in der Vergangenheit geradezubiegen, so universell ist, gibt es natürlich schon einige Filme, die sich mit dem Thema Zeitreise beschäftigt haben – und das auch im Rahmen einer romantischen Erzählung. Dass „Time Freak“ neben Filmen wie dem traumhaft-schönen „Alles eine Frage der Zeit“ oder dem eher misslungen Netflix-Beitrag „When We First Met“ originell genug ist, liegt vor allem an dem sympathischen Cast. Allen voran Hauptdarsteller Asa Butterfield („Hugo Cabret“, „Die Insel der besonderen Kinder“) versprüht wie zuletzt schon in „Then Came You“ auch in dieser Indie-Romanze einen Enthusiasmus, der ansteckend ist und sich schnell auf den Zuschauer überträgt.

Bandelte er in „Then Came You“ noch mit Maisie Williams an, ist nun deren „Game Of Thrones“-Schwester Sophie Turner seine Partnerin. Und diese ist tatsächlich zum Verlieben in der Rolle der zu Beginn so unbeschwerten und – im Vergleich zum immer kalkulierenden, immer alles hinterfragenden Stillman – planlos in den Tag hineinlebenden Kellnerin und Liedermacherin Debbie. Die Entwicklung der Figur im weiteren Verlauf der Handlung gestaltet sich erstaunlich düster, ist aber absolut nachvollziehbar und von Turner jederzeit glaubhaft dargestellt. Ihr natürliches, oft sogar improvisiert wirkendes Spiel dürfte gerade für „Game Of Thrones“-Fans interessant sein. Gibt es bei Debbie doch sowohl Parallelen als auch krasse Gegensätze zur Figur der ebenfalls von der jungen Britin verkörperten Sansa Stark zu entdecken.

Erinnerungen an die 90er


„Time Freak“ wirkt daneben ein bisschen, wie aus der Zeit gefallen. Man wähnt sich wieder in den 90ern, als Ted Demmes „Beautiful Girls“ oder „Singles - Gemeinsam einsam“ von Cameron Crowe bewiesen, wie anders und doch berührend sich romantische Geschichten erzählen lassen. Die Dialoge, Figuren wie Sidekick Ewan, das eher getragene Tempo aber auch visuelle Umsetzung erinnern an diese herrlich-unaufgeregten Vorbilder. Da passt es auch dazu, dass Bowler nicht dem modernen Hang zur Übererklärung verfällt und auch Unebenheiten und kleinere Logiklöcher im Skript einfach übergeht. Auch wie die Zeitmaschine funktioniert, ist unerheblich. Das Ding ist einfach irgendwann da und wird dann eben benutzt. So kann die volle Konzentration auf der eigentlichen Story und vor allem der philosophischen Frage liegen, ob man ein solches Gerät überhaupt nutzen sollte. Bowler stellt sie nicht nur aus moralisch-ethischen Gründen, sondern auch vor dem Hintergrund der Überlegung, dass es gerade die kleinen Imperfektionen im Leben sind, die dieses überhaupt erst lebenswert machen.

Fazit: Eine romantische Indie-Komödie mit Sci-Fi-Element, die leicht genug ist, um einige herzhafte Lacher zu generieren, aber durchaus zum Nachdenken anregt.

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