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U-571 - Mission im Atlantik
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
U-571 - Mission im Atlantik
Von Carsten Baumgardt
Die Kriegsfilm-Renaissance schwemmte Jonathan Mostows U-Boot-Actionthriller „U-571“ auf die Leinwände. Mit sehr mäßigem Resultat. Solide Actionszenen, aber wenig psychologischen Tiefgang bietet die rein fiktive Tauchfahrt. Das Machwerk ist eine echte Enttäuschung.

1942: Die Alliierten sind der deutschen Flotte hoffnungslos unterlegen. Um eine Wende zu schaffen, muss das Entschlüsselungssystem der Nazis geknackt werden. Als das deutsche U-Boot „U-571“ in Seenot gerät, schicken die Amerikaner ein als Nazi-U-Boot getarntes Unterwasserboot auf den Atlantik. Die Crew von Captain Dahlgren (Bill Paxton) soll das Schiff entern und die Verschlüsselungsmaschine Enigma erbeuten. Doch als die Amerikaner das Boot stürmen wollen, taucht ein deutscher Zerstörer auf...

1982 setzte Wolfgang Petersen mit Das Boot den internationalen Standard des Genres. Daran muss sich auch „U-571“ messen lassen. Regisseur Jonathan Mostow (Terminator 3 , „Breakdown“) geht es bei seinem Actioner weniger um die Wiedergabe historischer Fakten und die Psychologie seiner Figuren, sondern vordergründig darum, einen straff choreografierten, logikfreien Actionfilm zu inszenieren. Die Thematik Zweiter Weltkrieg dient nur als lahmer Vorwand, um Torpedos abzufeuern und U-Boote effektvoll explodieren zu lassen. Die zahlreichen Ungereimtheiten des Drehbuchs (Warum funktioniert eigentlich das manövrierunfähige Boot unter Führung der Amerikaner wieder?) fallen auch nicht weiter ins Gewicht, da sich Mostow sowieso vorgenommen hat, alle gängigen Klischees zu erfüllen.

Softrocker Jon Bon Jovi, der bereits in mehreren Independentfilmen spielte, macht bis zu seinem unvermittelten, kuriosen Abgang ebenso eine passable Figur wie seine Mitstreiter Matthew McConaughey, Bill Paxton und Harvey Keitel. Bis das Publikum allerdings den Filmtod den Barden bemerkt hat, dauert es ein wenig, bevor klar wird, dass Herr Bon Jovi fehlt und offenbar explodiert ist. Nach Testvorführungen musste sein Abgang durch Enthauptung wegen hysterischer Zuschauerreaktionen herausgeschnitten werden, was jedoch sehr dilettantisch umgesetzt wurde. Deutschlands Hollywood-Export Thomas Kretschmann ( King Kong, Schneeland, Der Untergang) schwimmt in der Mittelmäßigkeit der Darstellerleistungen mit und geht gen Ende mitsamt der Crew unter dem Einfluss des hanebüchenen Drehbuchs von Jonathan Mostow und seinen Co-Schreibern David Ayer und Sam Montgomery unter.

Nur wer keinen psychologischen Tiefgang erwartet, sich einfach zwei Stunden an solider Pyrotechnik erfreuen will und das Hirn auf Standby schaltet, wird an „U-571“ einen Anflug von Freude haben. Dem Film ist seine Ausrichtung auf die amerikanischen Zielgruppe hin leider sehr genau anzumerken – und die Amerikaner wollen halt so wenig wie möglich nachdenken. Die bessere Wahl ist es eh, sich Wolfgang Petersens Klassiker „Das Boot“ auch zum 20. Mal anzusehen anstatt seine Zeit mit „U-571“ zu verschwenden.
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