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Johnny English - Man lebt nur dreimal
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Johnny English - Man lebt nur dreimal
Von
Der durch seine geniale Verkörperung des Sonderlings Mr. Bean bekannt gewordene Rowan Atkinson ist aktuell im Fernsehen als „Kommissar Maigret“ zu sehen, wo er ausnahmsweise einmal nicht als Comedy-Mime in Erscheinung tritt. Doch auf der großen Kinoleinwand bleibt der aus Nordengland stammende Komiker seinem bevorzugten Metier treu. So auch in der Rolle des Johnny English, in die Atkinson nun bereits ein drittes (und möglicherweise letztes) Mal schlüpft. Der schusselige Geheimagent entstammt ursprünglich einem Werbespot für eine Kreditkartenfirma und entwickelte sich seit ihrem ersten Leinwand-Ausflug in „Johnny English - Der Spion, der es versiebte“ zu einer von Atkinson selbst hochgeschätzten Rolle, so dass er sich nur allzu gern bereit erklärte, English ein drittes Mal zu verkörpern. Sollte es sich bem „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ nun tatsächlich um den Abschluss der Filmreihe handeln, hätte es der 63-Jährige allerdings ganz gut getroffen. „Man lebt nur dreimal“ ist nämlich der bislang klar beste Teil der Reihe – auch deshalb, weil der vorwiegend an Serien mitwirkende Regisseur David Kerr („Fresh Meat“) und sein Drehbuchautor William Davies („Drachenzähmen leicht gemacht“) ihren Leinwandhelden aller Tollpatschigkeit zum Trotz endlich jenen Respekt entgegenbringen, den Johnny English auch verdient hat.

Als Lehrer für Nachwuchsagenten hat sich Johnny English (Rowan Atkinson) zum Liebling seiner engagierten Schüler entwickelt. Doch seine entspannten Zeiten als Pauker sind vorbei, als ein ominöser Hacker einen Angriff auf den Geheimdienst startet und die Identitäten sämtlicher britischen Spione enttarnt. Lediglich die Tarnung von Englisch bleibt intakt – und zwar deshalb, weil er als einziger Agent ganz oldschool kein Smartphone besitzt! Die Regierung, allen voran die Premierministerin (Emma Thompson), sieht keine andere Möglichkeit, als English zu reaktivieren. In seiner Hand liegt damit nichts Geringeres als die Rettung der Menschheit. Doch wie soll English das gelingen, wenn er bereits in der virtuellen Realität daran scheitert, die Bösewichter zu besiegen? Gemeinsam mit seinem Kollegen Bough (Ben Miller) stellt er sich den Bedrohungen – sowohl online, als auch offline…


Die ersten beiden Filme der „Johnny English“-Reihe zielten 2003 und 2011 ziemlich genau auf das ab, was das Publikum dank Atkinsons „Mr. Bean“-Paraderolle von dem unerschrockenen Komiker gewohnt ist: Die Plots der als Bond-Persiflage angelegten Krimikomödien dienten in erster Linie dazu, wüste Slapstick-Eskapaden mehr schlecht als recht miteinander zu verknüpfen. Was im ersten Teil noch passabel funktionierte, wirkte im zweiten dagegen bemüht, ja, begann sogar zu langweilen. Autor William Davies verfasste zwar auch die Drehbücher zu „Johnny English - Der Spion, der es versiebte“ und „Johnny English - Jetzt erst recht!“, doch die sieben Jahre Pause zwischen dem zweiten und dem dritten Teil, zwischen denen er lediglich das Skript zu „Der gestiefelte Kater“ schrieb, haben sich bezahlt gemacht.

Die Story rund um den Hackerangriff auf den britischen Geheimdienst wirkt frisch und auf der Höhe der Zeit - und dass ein solch alteingesessener Gentleman-Spion wie Johnny English keinerlei Online-Affinität besitzt, ist ja auch nur allzu plausibel. Das Aufeinanderprallen zwischen dem Digital Immigrant und der global vernetzten Welt fördert schon von sich aus einige herausragende Comedy-Momente zutage, von denen die (im Trailer nicht einmal ansatzweise zur Geltung kommende) Virtual-Reality-Szene das Highlight des Films darstellt. Hier werden nicht nur Fans des typischen „Mr. Bean“-Humors großartig bedient, sondern auch Filmliebhaber, die abseits ihres persönlichen Humorverständnisses Timing und eine zielgenaue Inszenierung zu schätzen wissen. Wie Kameramann Florian Hoffmeister („Mortdecai – Der Teilzeitgauner“) und das Cutter-Duo Tony Cranstoun („Das hält kein Jahr..!“) und Mark Everson („Paddington 2“) hier zwischen der virtuellen Welt, in der English allerlei Bösewichter außer Gefecht setzt, und dem realen London hin und her schneiden, bis das Ganze bis ins kleinste Detail synchronisiert ist, ist einfach nur verdammt unterhaltsam.

Ganz klar liegt der Fokus hier auf den Comedy-Elementen. Egal ob English und Bough aus Versehen ein feines Restaurant in Schutt und Asche legen, sich eine absurde Verfolgungsjagd mit der undurchschaubaren Schurkin Ophelia (Olga Kurylenko) liefern oder Johnny bei einer ausgiebigen Tanzeinlage nur durch Zufall immer wieder knapp dem Tod entkommt: „Man lebt nur dreimal“ steckt einmal mehr voller aberwitziger Ideen für überbordenden Slapstick und skurrilen Wortwitz. Das Besondere an diesem Film ist allerdings, dass Regisseur David Kerr auch die Agentenfähigkeiten seiner Hauptfigur nicht zu kurz kommen lässt. Ein Großteil der Eskapaden, die dazu beitragen, dass die Welt am Ende natürlich doch noch irgendwie gerettet wird, entwickelt sich zwar aus dem Zufall heraus. Doch Johnny English wird endlich auch zu einem durchaus fähigen Ermittler, der sich nicht mehr ausschließlich darüber definiert, möglichst witzig ins nächste Fettnäpfchen zu treten.

Der ganze Fall rund um den von Jake Lacy („Rampage – Big Meets Bigger“) schön schmierig verkörperten Cyber-Terroristen Jason ist zwar rasch durchschaut, würde aber auch ohne die zahlreichen Comedy-Einlagen Rowan Atkinsons und seiner vielen Kollegen funktionieren. Dies liegt zum einen an den sauber ausgeführten Effekten: Wenn hier was explodiert, dann rummst es im Kinosaal spürbar. Zum anderen tragen aber auch die Darsteller einen Großteil zum soliden Erscheinungsbild von „Man lebt nur dreimal“ bei. Immer wieder stiehlt Emma Thompson („Kindeswohl“) Atkinson die Show, wenn sie als verzweifelt um Fassung bemühte Premierministerin versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen und nur ungern auf die Hilfe des ihrer Meinung nach unfähigen Johnny English zurückgreift. Ben Miller („Die unglaubliche Reise des Fakirs“) macht als Englishs Kollege eine gute Figur und erdet die mitunter hanebüchenen Szenarien immer wieder aus der beobachtenden Position heraus, während Olga Kurylenko („The Man Who Killed Don Quixote“) in ihrer für Überraschungen sorgenden Rolle nicht nur Johnny English den Kopf verdreht.

Fazit: Auch wenn die Messlatte nach den ersten beiden Filmen der Reihe nicht sonderlich hoch lag, ist „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ nun der klar beste Teil der Reihe, in dem die zahlreichen gelungenen Comedy-Szenen einen routinierten Spionageplot ordentlich aufpeppen.
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