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    Wonder Woman 1984
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Wonder Woman 1984

    Eine würdige Fortsetzung zu "Wonder Woman"

    Von Julius Vietzen
    Bei unserem Besuch der Dreharbeiten zu „Wonder Woman 1984“ verriet uns Regisseurin Patty Jenkins, dass sie den ersten Drehbuchentwurf zum Sequel bereits vor dem Kinostart von „Wonder Woman“ fertig hatte. Am Ende war natürlich das beeindruckende Einspielergebnis des ersten Teils, der weltweit mehr als 820 Millionen Dollar eingespielt hat, dafür verantwortlich, dass die Fortsetzung grünes Licht von Studio Warner bekam. Aber wir nehmen Jenkins trotzdem ab, dass für sie auch der Wunsch, die bereits begonnenen Charakterbögen weiterzuführen, von zentraler Bedeutung war.

    Denn gemeinsam mit ihren Co-Drehbuchautoren entwickelt sie in „Wonder Woman 1984“ die Titelfigur sinnvoll weiter und stellt sie zugleich auf neue Weise auf die Probe: Diana wird diesmal nämlich mit einem Dilemma konfrontiert, bei dem nicht ihre Superkräfte, sondern ihre Charakterstärke gefragt ist. Gleichzeitig knüpft das Sequel aber auch an die begeisternde Superheldinnen-Action des Vorgängers an. So erweist sich „Wonder Woman 1984“ trotz eines schwächelnden Mittelteils als verdammt überzeugende Fortsetzung.

    Endlich hat Diana ihren Steve wieder – aber ist sie wirklich bereit, den dafür geforderten Preis zu zahlen?


    Washington, D.C., 1984: 70 Jahre sind vergangen, seit Diana alias Wonder Woman (Gal Gadot) gemeinsam mit ihrer großen Liebe Steve Trevor (Chris Pine) den Kriegsgott Ares aufgehalten und den Ersten Weltkrieg beendet hat. Seitdem ist sie immer wieder als Beschützerin der Menschen in Erscheinung getreten – allerdings nur im Geheimen. Zur Tarnung arbeitet sie derweil in der kunsthistorischen Abteilung des Smithsonian Instituts.

    Nach einem von Wonder Woman verhinderten Überfall landet das Raubgut auf dem Tisch von Barbara Minerva (Kristen Wiig). Dianas schüchterne Kollegin stößt dabei auf ein mysteriöses historisches Artefakt, das offenbar Wünsche in Erfüllung gehen lässt: So bringt dieser Traumstein nicht nur Dianas toten Geliebten Steve wieder zurück, er verleiht Barbara auch Kräfte vergleichbar mit denen von Wonder Woman. Der kurz vor der Pleite stehende Unternehmer Maxwell Lord (Pedro Pascal) hat unterdessen ein ganz besonderes Interesse an dem Artefakt. Als er den Stein in seinen Besitz bringt, stürzt er die ganze Welt ins Chaos...

    Eine zutiefst menschliche Göttertochter


    Was uns an „Wonder Woman“ mit am besten gefallen hat: Diana ist im Gegensatz zu manch anderem DCEU-Superhelden eine Heroine so voller Lebendigkeit, Optimismus und Herzensgüte, dass sie gar nicht anders handeln könnte, als Unschuldige zu beschützen – selbst wenn das ihre eigentliche Mission in Gefahr bringt. So wurde sie im ersten Teil von ihren ehrenvollen Prinzipien förmlich gezwungen, aus dem Schützengraben ins Niemandsland zu stürmen und alles auf eine Karte zu setzen...

    Genau hier setzt Patty Jenkins an, wenn sie uns zeigt, welche tiefen Spuren die vergangenen 70 Jahre bei Diana hinterlassen haben. Ihre Selbstlosigkeit und Aufopferungen wurden nicht belohnt, sondern haben sie einsam gemacht. Sie trauert immer noch ihrer großen Liebe nach, wie schon eine kurze Kamerafahrt durch ihre mit Fotoerinnerungen dekorierte Wohnung deutlich macht. Diana mag die Tochter eines Gottes sein, sie ist aber zugleich auch eine zutiefst menschliche Figur.

    Da ist es nur konsequent, dass in „Wonder Woman 1984“ nicht nur ihre Superkräfte, sondern viel stärker als im Vorgänger auch ihr Ideal als selbstlose Heldin auf die Probe gestellt wird. Denn der Traumstein erfüllt ja nicht nur den Bösewichten, sondern auch ihr selbst den einen Wunsch, den sie hat: Er gibt ihr Steve Trevor zurück. Allerdings fordert die Wiedervereinigung mit ihrem Geliebten einen hohen Preis und Diana muss hart mit sich kämpfen, ob sie tatsächlich bereit ist, diesen zu zahlen.


    Die Versuchung der Diana


    Der Einstieg zeigt die kindliche Diana trotz Superleistungen nicht nur als Heldin, sondern eben auch als mit Fehlern behaftete Figur. Und die Frage, ob sie aus der Lektion von damals die richtigen Schlüsse gezogen hat, schwebt so über dem gesamten weiteren Film – und damit über dem kaum aufzulösenden persönlichen Dilemma, vor dem sie aufgrund von Steves Rückkehr steht.

    So wird eine emotionale Fallhöhe geschaffen, die auch für das Finale von zentraler Bedeutung ist: Denn natürlich wird Diana hier harte Entscheidungen treffen müssen, die selbst die so unerschütterliche Heldin an ihre Grenzen bringen. Und auch wenn wir hier nicht zu viel verraten wollen, gipfelt das Dilemma in den zwei stärksten und berührendsten Szenen des Films.

    Diana ist im Sequel nicht mehr länger über jeden moralischen Zweifel erhaben: Als Kind schummelt sie sogar bei einem Wettkampf...

    Diese stellen zugleich auch sicher, dass sich das Finale von „Wonder Woman 1984“ erfrischend vom Vorgänger abhebt. Wo Patty Jenkins am Ende von „Wonder Woman“ beim Kampf gegen Ares ausschließlich auf Bombast und CGI-Spektakel setzte, ist das ebenso mitreißend-emotionale Finale von „Wonder Woman 1984“ – abgesehen von einer weniger gelungenen, aber dafür recht kurzen Heldinnen-Prügelei – im Verhältnis fast schon intim geraten.

    Diese für einen Comic-Blockbuster ungewöhnliche Wahl passt allerdings zu Wonder Womans Entwicklung zu einer weiseren Heldin. Das stimmige Gesamtbild wird durch die die Filmmusik von Hans Zimmer abgerundet. Der Oscarpreisträger (für „Der König der Löwen“) überführt das schon seit „Batman V Superman“ bestehende, rhythmisch-treibende Titelthema der Heldin in reifere, melodischere Klänge.

    Würdige Widersacher für Wonder Woman


    Das reduzierte Finale passt auch zum zentralen Antagonisten: Die Titelheldin bekommt es diesmal eben nicht mit einem praktisch unbesiegbaren Superschurken à la Ares oder Doomsday zu tun. Der von „The Mandalorian“-Star Pedro Pascal verkörperte Max Lord ist nicht einmal ein diabolischer Verführer. Er ist einfach ein Mann, den Gier und Geltungssucht so sehr zerfressen haben, dass seine menschliche Seite zunehmend in den Hintergrund gedrängt wird. Dass er auf die Gier und die Selbstsucht der Menschen angewiesen ist, um seine eigene Macht zu mehren, ist eine willkommene und zeitgemäße Variation.

    Bei Barbara alias Cheetah sieht das auf den ersten Blick anders aus. Sie wird von Anfang an als direktes Gegenstück zu Diana etabliert, gewissermaßen als Kehrseite der Wonder-Woman-Medaille. Solche Bösewicht-Doppelgänger-Schablonen kennt man zwar aus zig Comic-Verfilmungen von „Iron Man“ bis „Man Of Steel“, doch hier zahlt die Dopplung auch noch mal ganz besonders auf das zentrale Thema des Films ein: Mit den gegensätzlichen und doch so ähnlichen Figuren kann Patty Jenkins den unterschiedlichen Umgang mit der Versuchung besonders gut herausarbeiten.

    Die alten Stärken bleiben bestehen


    Aber keine Sorge: Obwohl Jenkins viel macht, um sich mit dem Sequel vom Vorgänger abzuheben, behält sie dessen größte Stärken bei. Trotz aller Versuchungen zeigt sie Wonder Woman natürlich auch weiterhin als strahlende Retterin in imposanten Actionszenen – recht zu Beginn etwa bei einem Überfall in einem typischen Achtzigerjahre-Kaufhaus, bei dem Diana unter anderem auch ein kleines Mädchen aus den Fängen der Diebe rettet.

    Jenkins inszeniert das bewusst triumphal. In letzter Sekunde kommt Wonder Woman mit ihrem Lasso angeflogen und schwingt sich anschließend durch die verschiedenen Etagen der Mall, um die verstreuten Diebe auszuschalten. Sie macht das mit einer Leichtigkeit, die zwischendurch genug Raum für Humor lässt. Eine unbeteiligte Zuschauerin wird etwa raus aus der Gefahrenzone direkt in die Arme eines riesigen Teddybären befördert.

    Der Ausflug nach Ägypten ist zwar erzählerisch wenig zielführend, gibt uns aber immerhin eine der beeindruckendsten Actionszenen des Films.


    Viel Humor gibt es auch rund um die Rückkehr von Steve Trevor. Der ist angesichts der ihm völlig fremden neuen Welt mit Rolltreppen oder merkwürdigen Fahrrädern ohne Reifen (Hometrainer) erst mal völlig überfordert. Das ist im Wesentlichen eine Spiegelung des ersten Teils, in dem noch Diana für diese Art des Fisch-aus-dem-Wasser-Humors zuständig war. Aber diese Ähnlichkeit macht gar nichts – dafür ist die Chemie zwischen Gal Gadot und Chris Pine erneut viel zu gut.

    Gerade im Mittelteil von „Wonder Woman 1984“, der noch mal zehn Minuten länger ist als der auch nicht gerade kurze Vorgänger, schleichen sich aber dennoch die eine oder andere Länge sowie einige Ungereimtheiten in der Handlung ein: Ein Abstecher von Diana und Steve nach Kairo bietet zwar eine weitere sehenswerte Actionszene, bei der Diana auf Autotüren surft, um einen Militär-Konvoi zu stoppen (und ermöglicht außerdem, ein gewisses unsichtbares Accessoire aus dem Wonder-Woman-Kanon ins DCEU einzuführen).

    Allerdings zerfasert der Abstecher die mit vielen parallelen Handlungssträngen und verschiedenen Figurenmotivationen ohnehin schon ziemlich vollgestopfte Handlung noch einmal zusätzlich – zumal Diana und Steve dann auch noch direkt wieder in die USA zurückreisen, was den ganzen Ausflug noch überflüssiger wirken lässt. Der Versuch, das Kino-Abenteuer auf diese Weise globaler wirken zu lassen (Bond lässt grüßen), geht so am Ende auf Kosten der ansonsten so packenden Geschichte.

    Fazit: Eine mitreißende Fortsetzung, die die Figur von Wonder Woman stimmig weiterentwickelt, mit viel Humor und Action begeistert, aber im Mittelteil auch eine Zeit lang spürbar durchhängt.

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