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    Kalte Füße
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Kalte Füße

    "Fack ju Göhte" im Schnee

    Von Markus Fiedler
    Die „Fack ju Göhte“-Trilogie, in dem ein Ex-Knacki für den neuen Lehrer an einer Gesamtschule gehalten wird, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Produktionen aller Zeiten. Zusammen haben die drei Filme mehr als 20 Millionen Zuschauer in die deutschen Kinos gelockt. „Kalte Füße“ von Regisseur Wolfgang Groos („Rico, Oskar und das Herzgebreche“) funktioniert nun nach einem ganz ähnlichen Muster, nur dass der Kleinkriminelle diesmal nicht für einen Lehrer, sondern für einen Krankenpfleger gehalten wird. Allerdings reicht die Qualität der im verschneiten Österreich angesiedelten Verwechslungskomödie vor allem nicht an den ersten „Fack ju Göhte“ heran, weil nicht nur die Handlung zu vorhersehbar bleibt, sondern ihm auch in gewissen Momenten ganz einfach der Mut zur Bösartigkeit fehlt.

    Der Kleinkriminelle Dennis (Emilio Sakraya) hat ernsthafte Probleme. Weil er dem zwielichtigen Adam (Alexandar Jovanovic) einen Haufen Geld schuldet, erklärt sich Dennis widerwillig damit einverstanden, in ein einsames Landhaus einzubrechen, dessen Besitzer Raimund Groenert (Heiner Lauterbach) nach einem Schlaganfall eigentlich noch im Krankenhaus liegen sollte. Aber dann ist nicht nur Raimund bereits wieder im Haus, es taucht auch noch dessen Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt) auf, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Doch Dennis hat Glück im Unglück: Während Raimund ihn sofort durchschaut, aber wegen seines Schlaganfalls noch nicht wieder sprechen und daher niemanden warnen kann, hält Charlotte ihn für den bestellten Krankenpfleger. Weil Dennis keine andere Chance sieht, geht er darauf ein und mimt den ehrenhaften Helfer. Aber Raimund erweist sich – Schlaganfall hin oder her – als erstaunlich harte Nuss...


    Am Cast liegt es jedenfalls nicht, dass „Kalte Füße“ sein Publikum nur mäßig unterhält. Heiner Lauterbach („Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers“) zeigt sich als grantelnder Misanthrop mit ausgeprägtem Hang zum Sadismus in großartiger Spiellaune – bei ihm sitzt auch ohne Sprache jede gemurrte Pointe! Sonja Gerhardt („Die Wolf-Gäng“) ist als leicht naive Polizeianwärterin und vom Großvater entfremdete Enkelin zumindest verdammt sympathisch. Und „Bibi & Tina“-Beau Emilio Sakraya, der hier quasi den Elyas-M‘Barek-Part übernimmt, lässt trotz seiner supercharmanten Art zumindest hier und da mal ein wenig Street Credibility durchscheinen. Aber so richtig viel hilft das alles nichts, wenn eigentlich schon nach zehn Minuten klar ist, was da jetzt die nächsten 80 Minuten inklusive aller Wendungen noch passieren wird. Überraschendes hat Drehbuchautor Christof Ritter („Magda macht das schon!“) in seinem Skript leider nicht zu bieten.

    Dazu kommen einige Witze über gefrorene Pisse und einen festgeeisten Penis, die offenbar von dem ebenfalls im Schnee spielenden „Dumm und Dümmer“ inspiriert sind, aber inmitten des ansonst so harmlosen Humors von „Kalte Füße“ seltsam deplatziert wirken. Zudem entstehend die Gags oft nicht natürlich, sondern werden mit der Brechstange herbeigezwungen: Es gibt eigentlich gar keinen Grund, warum Charlotte plötzlich an einem Eiszapfen am Haus lecken sollte – außer natürlich den, dass das Publikum weiß, dass dieser zum Teil aus Urin besteht. Das ist so krampfhaft lustig, dass es fast nur noch ein Krampf ist. Die sich ihnen tatsächlich bietenden Steilvorlagen nutzen Ritter und Groos hingegen zu selten: Wenn sich Sakrayo am renitenten Lauterbach abarbeitet und von dem Rentner im Rollstuhl fast ertränkt oder erschossen wird, dann deutet sich zumindest an, was hier eigentlich alles möglich gewesen wäre, wenn sich die Macher nur mehr an den in der Prämisse ja schon angelegten politisch unkorrekten, dunkelschwarzen Humor herangetraut hätten.

    Stattdessen serviert „Kalte Füße“ merkwürdige Slapstick-Einlagen bei einigen erstaunlich unglaubwürdigen Ski-Szenen; zahllose Zufälle, die immer dann herhalten müssen, wenn die löchrige Story sonst auseinanderzubrechen droht; sowie eine Liebesgeschichte, die zwar ganz niedlich anzusehen ist, aber eigentlich nie durch die Schauspieler oder Dialoge belegt, sondern allein durch die Popsongs auf der Tonspur behauptet wird. Das ist alles leidlich unterhaltsam, gerade wenn gelungene Nebenfiguren wie der eisern an das Gute im Menschen glaubende Dorf-Schupo Frank (Michael Ostrowski) immer mal wieder frischen Wind in die Sache bringen. Aber am Ende erweist sich der eigentlich vielversprechende Mix aus „Ziemlich beste Freunde“, „Fargo“ und „Fack ju Göthe“ doch nur als sehr durchschnittliche deutsch-österreichische Familienkomödie.

    Fazit: Es fehlt in „Kalte Füße“ schlicht der Mut, um den wunderbar fies aufspielenden Heiner Lauterbach wirklich von der Kette zu lassen. So bleibt es trotz insgesamt gut aufgelegter Schauspieler bei harmlosem Komödien-Durchschnitt mit nur vereinzelten gelungen-bösen Spitzen.
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    Kommentare

    • TresChic
      ..weil nicht nur die Handlung zu vorhersehbar bleibt, sondern ihm auch in gewissen Momenten ganz einfach der Mut zur Bösartigkeit fehlt. also alles was Fack ju Göhte auch nicht hatte. Die Kritik zu Kalte Füße liest sich weitaus besser als zu Fack ju Göhte.
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