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Death Race: Anarchy
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Death Race: Anarchy
Von
Stattliche 45 Millionen US-Dollar wurden 2008 für die Produktion des trashigen Endzeit-Action-Remakes „Death Race“ mit Jason Statham rausgepulvert, aber die Einspielergebnisse waren anschließend trotzdem eher mager. Umso überraschender, dass die für einen Bruchteil des Budgets in Südafrika gedrehten zwei Direct-to-DVD-Sequels dagegen erstaunlich zuverlässig Gewinne einfuhren. Mit einer weiteren Fortsetzung war also zu rechnen. Universal Home Entertainment kündigte Death Race: Anarchy“ zwar lange Zeit als US-Release im Januar 2018 an, aber dann wurde der Videostart kurz vor dem geplanten Termin auf unbestimmte Zeit verschoben – aus nicht näher definierten „strategischen Gründen“. Im Oktober 2018 hat das fünfjährige Warten nun ein Ende – und es hat sich gelohnt: Der dystopische Actioner unter der Regie von Don Michael Paul erweist sich als zuweilen arg kraftmeierisches, aber gerade deshalb kurzweiliges Spektakel, das in Deutschland mit einer Spio-Freigabe (sprich: die FSK hat nicht mal ein „ab 18“ rausgerückt) in die Videothekenregale kommt.

In der nahen Zukunft: Durch Enteignung funktioniert die Regierung eine zum Abriss freigegebene Fabrikstadt zum Freiluftgefängnis um, das vom Konzern Weyland International betrieben wird. Die Häftlinge sind sich selbst überlassen und veranstalten zur Unterhaltung Todesrennen, die über das Darknet live ins Internet übertragen werden. Frankenstein (Velislav Pavlov), der nunmehr sieben Todesrennen in Folge gewonnen hat, ist der ungekrönte Herrscher über dieses Areal und wird dem Betreiberkonzern allmählich gefährlich. Daher schleust man den Special-Ops-Söldner Gibson (Zach McGowan) in die Zone ein. Er soll sich zur Teilnahme am nächsten Todesrennen qualifizieren und Frankenstein mit Unterstützung des Mechanikers Baltimore Bob (Danny Glover) besiegen. Doch Gibson hat nicht mit seinen aufwallenden Gefühlen zu Bardame Jane (Christine Marzano) gerechnet – was Frankenstein wiederrum skrupellos ausnutzt…


Genauso häufig wie Frankensteins Identität hinter der Maske wechselte, wurden in den bisher vier Teilen der „Death Race“-Reihe auch die Crew und die Besetzung ausgetauscht: Der einzig Verbliebene aus dem ersten Film ist der aus der TV-Serie „American Horror Story“ bekannte Frederick Koehler als Computerspezialist Lists. Dass „Death Race: Anarchy“ sich dennoch hervorragend ins bestehende Filmuniversum einfügt und dabei auch eigene Wege geht, ist Paul W.S. Anderson („Resident Evil“) zu verdanken. Der saß beim ersten Film noch selbst auf dem Regiestuhl, schrieb bei den folgenden Teilen aber stets am Skript mit und entwickelte die Story so kontinuierlich weiter. Um das Budget überschaubar zu halten, wurde das Todesrennen nach der südafrikanischen Wüste in „Death Race 3: Inferno“ nun in die Kulissen maroder bulgarischer Industrielandschaften verlegt. Ein cleverer Schachzug, denn so fügen sich die farbentsättigten Bilder in Aschgrau stimmig in das Endzeitszenario ein.

Positiv fällt dabei auf, dass Regisseur Don Michael Paul („Sniper: Legacy“) in seiner Inszenierung mehr auf altbewährtes Filmhandwerk als auf CGI-Effekte setzt. Die zahlreichen Auto-Stunts sind aufwändig choreografiert und Prügelszenen und Verfolgungsjagden sind schnell, aber nicht unübersichtlich geschnitten. Und vor allem beim spannenden finalen Todesrennen wurde mit Pyrotechnik nicht gegeizt, wenn zahlreiche hochgerüstete Boliden rund um den gepanzerten 1970er Chevrolet Camaro von Protagonist Gibson nach und nach in Rauch aufgehen.

Zweifellos wurde hierfür ein Millionenbudget aufgebraucht – umso mehr beeindruckt, wie unverblümt „Death Race: Anarchy“ immer wieder B-Movie-Charme durchblitzen lässt. Warum Gibson bei einem Vorentscheid mit freiem Oberkörper antritt, bleibt ebenso ungeklärt wie die Frage, warum es in der Zone zwar Kraftstoff ohne Ende, aber scheinbar nur wenige Büstenhalter gibt, so oft wie barbusige Damen hier durchs Bild laufen. Der Film schöpft in Sachen Nacktheit, plumpen wie beleidigenden Dialogen, aber auch Gewalt alle Freiheiten aus, die ihm ein amerikanisches R-Rating bietet. Die FSK verweigerte dagegen hierzulande der ungeschnittenen Fassung die Freigabe, unter anderem wegen einiger expliziter Kettensägen-Szenen. Diese Ingredienzien sind zwar nicht hochklassig, täuschen aber – insbesondere beim verbalen Vorgeplänkel vor dem finalen Rennen – über die klischeehaften Charaktere und die dünne Story hinweg. Dieses temporeiche PS-Feuerwerk macht über weite Strecken einfach richtig Laune – und lässt ohnehin nur wenig Zeit zum Nachdenken über die eine oder andere erzählerische Schwäche.

Fazit: Nackte Tatsachen, rohe Gewalt und aufwändige Auto-Stunts halten die dünne Story von „Death Race: Anarchy“ erstaunlich gut zusammen. Kein hochklassiges, aber ein kurzweiliges Trash-Feuerwerk.
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