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    3 From Hell
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    3 From Hell

    Die nächste Rob-Zombie-Provokation!

    Von FILMSTARTS FILMSTARTS
    Es gibt nur wenige zeitgenössische Horror-Regisseure, die die Gemüter so sehr erhitzen wie Rob Zombie. Der Rockmusiker und Comiczeichner hat seit seinem verstörenden Filmdebüt „Haus der 1000 Leichen“ einige äußerst polarisierende Werke (zuletzt „31“) hervorgebracht, die bei seiner Anhänger zwar Kultstatus genießen, aber zugleich auch von vielen nicht nur als völlig durchgeknallt, sondern auch als platt und billig abgestempelt werden. Für ein größeres Aufsehen auch beim Mainstream-Publikum sorgten dabei vor allem seine beiden „Halloween“-Neuverfilmungen, bei denen Zombie trotz des etwas höheren Budgets nicht davor zurückschreckte, wieder seinen ganz eigenen, radikalen, blutrünstigen künstlerischen Weg zu gehen. Den verfolgt er nun auch in seinem neuesten Werk weiter: Mit „3 From Hell“ beendet er nach „Das Haus der 1000 Leichen“ und „TDR - The Devil‘s Rejects“ seine sogenannte Firefly-Trilogie über einen sadistischen Serienmörderclan – und auch das gewohnt gewalttätige Finale wird das Publikum sicherlich wieder konsequent spalten.

    Wer am Ende von „The Devil's Rejects“ dachte, dass die drei Serienmörder Otis (Bill Moseley), Baby (Sheri Moon Zombie) und der Horror-Clown Captain Spaulding (Sid Haig) von der Polizei ins Jenseits befördert wurden, hat sich geschnitten. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit überlebt das Trio und wird verhaftet. Allerdings dauert es nicht lange, bis den Psychopathen die Flucht gelingt. Unterstützt von dem Midnight Wolfman (Richard Brake) unternehmen die Entflohenen einen blutigen Roadtrip in Richtung Mexiko…

    Baby (Sheri Moon Zombie) hat nicht nur überlebt, ihr gelingt auch die Flucht aus dem Gefängnis.


    Eins muss man Rob Zombie lassen: Der Regisseur denkt gar nicht daran, irgendetwas an seinem Stil zu ändern, nur um seine Kritiker zu besänftigen. Stattdessen ist auch „3 From Hell“ in seiner experimentellen Vision so kompromisslos und eigenwillig, dass man nur den Hut ziehen kann vor so viel künstlerischem Selbstbewusstsein. Zombie beginnt seinen Trilogie-Abschluss im Stile einer Mockumentary. Da werden jede Menge pseudoreale TV-Ausschnitte und Nachrichten-Interviews eingespielt, mit denen die verschiedene Reaktionen auf die Verurteilung der drei Psychopathen gezeigt werden: Die Killer werden im Fernsehen plötzlich als Kultfiguren verehrt und im weiteren Verlauf des Films sogar zu Sympathieträgern erhoben, was durchaus verstörend wirkt, ja, bei einigen Zuschauern vielleicht sogar für Empörung sorgen könnte. Eine typische Rob-Zombie-Provokation.

    Drei Filme in einem


    „3 From Hell“ startet so zwar als durchaus doppelbödige Auseinandersetzung mit der Faszination „Serienmörder“, zu einem tatsächlich intelligenten Film reicht das aber noch lange nicht. Danach wird es nämlich schnell nur noch abstrus! Zombie reiht drei Akte aneinander, die so wenig zusammenpassen, wie generell auch die drei Filme der Trilogie rückblickend kaum ein stimmiges Ganzes ergeben. Zombies Abschluss der Firefly-Geschichte beginnt als skurriler Gefängnisfilm, in dem die von Sheri Moon Zombie im besten Sinne wahnsinnig gespielte Baby mit einer rabiaten Wärterin aneinandergerät. Das macht noch Spaß, vor allem weil hier kurzzeitig der visuelle Wahnsinn und Exzess von „Haus der 1000 Leichen“ durchschimmert, wenn Baby etwa nachts in ihrer Zelle eine Balletttänzerin mit Katzengesicht halluziniert.

    Zugleich zieht es sich aber auch gefühlt ewig in die Länge, bis die drei Psychos endlich wieder aufeinandertreffen. Wobei dieses angekündigte Wiedersehen eigentlich eine Mogelpackung ist, denn Publikumsliebling Captain Spaulding ist dieses Mal nur in einem Gastauftritt zu sehen, da Schauspieler Sid Haig aus gesundheitlichen Gründen aussetzen musste. Stattdessen füllt Richard Brake als Neuzugang diese Lücke und kann dem Clown in punkto Irrsinn auf jeden Fall das Wasser reichen! Wenn er, Baby und Otis auf die Pirsch gehen, findet Zombie zudem einigen erstaunlich warmherzige Momente für seine Aussätzigen, die sich als schräge Familie zusammenraufen müssen und dabei auch schon mal darüber streiten, wer von ihnen denn jetzt eigentlich der schlimmste und berüchtigtste Mörder ist.

    Baby, Otis und Midnight Wolfman (Richard Brake, links) sind die titelgebenden drei aus Hölle!


    So komisch das manchmal wirkt, so geschmacklos ist auch der ganze Mittelteil. Zombie setzt ein Puzzle aus verschiedensten Genreversatzstücken und durchaus klugen Denkanstößen zusammen, um es dann immer wieder mit schrillem Gekeife, möchtegern-coolen Onelinern und kindischen politischen Unkorrektheiten einzureißen. Sein Drang nach Provokation gipfelt in wieder einmal äußerst krassen Gewaltszenen, die einen – und das ist wohl das schlimmste, was man ihnen attestieren kann – diesmal allerdings vollkommen kalt lassen. „3 From Hell“ ist in seinen Grenzauslotungen und Tabubrüchen so berechenbar und plump drastisch, dass Zombie für seine Gewalt weder eine Ästhetik findet (im Gegensatz etwa zu Quentin Tarantino) noch es versteht, diese wirklich abschreckend zu inszenieren. So bleibt es bei einer Reihe ausbeuterischer, teils misogyner Gewaltakte, die eher nervtötend als schockierend geraten sind.

    Noch einen Teil hätte es nicht gebraucht!


    Bereits nach der Hälfte der Spielzeit bestätigt sich der Verdacht, dass Zombie offenbar selbst nicht so genau weiß, was er noch erzählen will, denn nach Teil 2 war ja eigentlich eh schon alles gesagt. Für mehr als eine mehr oder weniger unterhaltsame Nummernrevue reicht das Drehbuch nicht, aber das Erzählen von durchdachten Geschichten war ja ohnehin noch nie die Stärke des Regisseurs. Es ist die Lust am inszenatorischen Exzess, am anarchischen Filmemachen, mit der Zombie auch diesmal wieder am ehesten überzeugt. Wenn „3 From Hell“ schließlich bei einer Art Mafiageschichte angelangt ist und in einem großen Actionfinale gipfelt, dann weiß man irgendwann gar nicht mehr, in welcher Art Film man hier eigentlich sitzt. Das wirkt irgendwie ambitioniert und tanzt in der gegenwärtigen Kinolandschaft ordentlich aus der Reihe, aber mehr als exzentrischer Irrsinn ist es dann doch nicht, zumal man das bereits zwei Mal gesehen hat. Im Vergleich zu „The Devil‘s Rejects“ ist „3 From Hell“ wieder einen Tacken zugänglicher und dynamischer erzählt, an das Herzblut (und Kunstblut), das Zombie in sein Debüt „Haus der 1000 Leichen“ gesteckt hat, reicht das aber nicht heran.

    Mit dem mexikanischen Totenfest hat der Provokateur für seine zweite Filmhälfte immerhin ein erstaunlich frisches Setting gefunden. Generell ist das alles optisch und atmosphärisch wieder so eigenwillig, wie es schon die beiden Vorgängerfilme der Firefly-Trilogie waren. Mit seinen krisseligen Schmuddel-Bildern und den optischen Verfremdungseffekten lässt Zombie stilistisch einmal mehr das Grindhouse-Kino der 1970er auferstehen. Aber haut einen das nach seinen bisherigen Werken wirklich noch vom Hocker? Da mag der eine Film besser oder schlechter als der andere sein, aber es wirkt langsam ein Stück weit so, als würde Zombie immer wieder den gleichen Streifen drehen. Tatsächlich lässt er sich am Ende noch eine Hintertür für einen möglichen vierten Teil offen. Was da noch Neues kommen soll?

    Fazit: Rob Zombie bleibt sich treu! Anhänger bekommen die gewohnten Zutaten und viel Fanservice, alle anderen brauchen es eigentlich gar nicht erst zu versuchen. „3 From Hell“ beendet eine der schrägsten Trilogien der Filmgeschichte mit einem ebenso grotesken wie stumpfsinnigen Exzess, bei dem die einzelnen Versatzstücke nicht so recht zusammenpassen wollen.

    Eine Filmkritik von Janick Nolting.

    Wir haben „3 From Hell“ auf dem Fantasy Filmfest 2019 gesehen. Anschließend wird der Film ab dem 27. September auch noch einen Event-Start in vielen deutschen Städten bekommen.


     

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