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    The Bouncer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Bouncer

    Van Damme kanns doch noch!

    Von Lutz Granert
    Die vergangenen Jahre in der Karriere von Jean-Claude Van Damme liefen sicherlich nicht optimal. Die etwas albern geratene, von Amazon Prime produzierte Spionage-Parodie „Jean-Claude Van Johnson“ wurde nach nur einer Staffel wieder abgesetzt, während die lahme U-Boot-Action „Black Water“, bei der Van Damme immerhin ein Wiedersehen mit seinem „Universal Soldier“-Buddy Dolph Lundgren feierte, die meisten seiner Fans schwer enttäuschte. Zumindest der erste Teil der „Kickboxer“-Neuauflage erwies sich als finanzieller Hit, bot dabei aber auch nur Kampfkunst-Stangenware fernab der einstigen Martial-Arts-Perfektion etwa im „Bloodsport“-Original.

    Dabei kann Van Damme nicht nur Schläge und Tritte verteilen, sondern auch ernsthaft schauspielern, wenn man ihn denn mal lässt. Das hat er etwa 2008 in dem selbstreferenziellen Meta-Actionthriller „JCVD“ unter Beweis gestellt, in dem er unerwartet offen und ehrlich mit seinem exzessiven Leben abrechnet. Der französische Thriller „The Bouncer“ von Genre-Regisseur Julien Leclercq („The Assault“) knüpft nun genau an dieser Stelle an und gibt Van Damme – auch abseits der Action – viel Raum, um seine gebrochene Figur mit Leben und Leid zu füllen. Eine Kalkulation, die aufgeht: Van Damme liefert eine schauspielerisch ansprechende Leistung, nur der simpel gestrickte Plot lässt den betont düsteren Film ab und an etwas durchhängen.

    Nach dem Mord an seiner Frau hat Lukas (Jean-Claude Van Damme) seinen Job als Bodyguard in Südafrika aufgegeben und ist nach Belgien zurückgekehrt. Hier verdient er das Geld für sich und seine achtjährige Tochter Sarah (Alice Verset) durch einen Job als Türsteher in einer Diskothek. Bei einer Auseinandersetzung mit einem pöbelnden Gast, der sich als Sohn eines Abgeordneten des EU-Parlaments entpuppt, trägt dieser ohne Lukas‘ Verschulden eine lebensgefährliche Kopfverletzung davon. Auf Empfehlung eines Freundes bekommt der gefeuerte Lukas einen Job als Türsteher im Strip-Club von Jan Dekkers (Sam Louwyck), der zugleich auch Mitglied eines in ganz Europa Falschgeld verbreitenden Gangsterclans ist. Der Interpol-Agent Zeroual (Sami Bouajila) bietet Lukas an, dass sämtliche Anklagen gegen ihn fallen gelassen werden und er das Sorgerecht für seine Tochter behalten darf, wenn er ihm regelmäßig Bericht über Dekkers‘ Aktivitäten erstattet. Lukas willigt ein – und gerät immer tiefer in die krummen Geschäfte von Dekkers, der auch vor Menschenhandel und Kidnapping nicht zurückschreckt…


    „The Bouncer“ ist stets ganz nah dran an seinem Protagonisten, was vor alle der hervorragenden Kameraarbeit von Robrecht Heyvaert („The Ardennes – Ohne jeden Ausweg“) zu verdanken ist. Aus der Third-Person-Perspektive verfolgt die Kamera Lukas entweder auf seinen Wegen oder schaut ihm bei seiner Arbeit im abgedunkelten Technoclub über die Schulter. Gerade bei den Actionszenen entsteht so eine quälend intensive Unmittelbarkeit, etwa wenn sich Lukas im Stripclub mit fünf anderen Bewerbern buchstäblich um den Job als Türsteher prügeln oder einen Crack-Koch aus den Fängen einer anderen Gang aus einem unübersichtlichen Unterschlupf befreien muss.

    Trotz solcher brachialen Missionen stehen die Actionszenen bei „The Bouncer“ aber gar nicht unbedingt im Vordergrund. Regisseur Julien Leclercq kommt durch den Dreh an Originalschauplätzen und den Verzicht auf (CGI-)Effektbrimborium vielmehr erstaunlich nah an eine realistische Milieuzeichnung heran. Wobei die meist einfach nur den gängigen Genrekonventionen folgenden Drehbucheinfälle von Jérémie Guez diesem Bemühen um Authentizität immer wieder im Wege stehen: Von der Femme fatale von der Stange (Sveva Alviti als Lisa) bis hin zur Tochter, bei der von der ersten Sekunde an klar ist, dass sie später als perfektes Druckmittel herhalten muss, folgt das Skript allzu brav den erwartbaren Pfaden.

    Trotz dieser Schwächen entwickelt der in unterkühlte und entsättigte Bilder getauchte „The Bouncer“ aber durchweg eine fesselnde Grundspannung – und punktet zudem durch die überzeugende Darstellung von Jean-Claude Van Damme. Wie er seine inneren Konflikte verbissen gegen einen Boxsack nach außen trägt, wie er sich beim Training mit schmerzenden Muskeln oder nach Auseinandersetzungen mit physischen Wunden herumplagt, oder wie er sich in behutsamen Dialogen langsam gegenüber Lisa öffnet, ist vielleicht nicht die allergrößte Schauspielkunst. Aber es ist trotzdem sehr viel stärker als all das, was Van Damme nach „JVCD“ in den vergangenen zehn Jahren sonst so abgeliefert hat.

    Fazit: „The Bouncer“ ist ein grundsolider Thriller, der zwar unter einigen Drehbuchschwächen leidet, dafür aber mit einen Jean-Claude Van Damme aufwartet, der hier so gut ist wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Zumindest für JCVD-Fans also ein unbedingtes Muss!
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    Kommentare

    • Rocketeer
      ...  fernab der einstigen Martial-Arts-Perfektion etwa im „Bloodsport“-Original. ???? Wie bitte ???Bloodsport ist zwar irgendwie ein Kultfilm, aber keine Martial-Art-Perfektion bei den Kämpfen.Zwar besser als viele Vertreter des Genres, doch übertreiben muss man nicht.
    • KarateTiger2011
      Fand die Serie hervorragend aber WoD war einer der letzten richtig guten Filme und zeigte schon damals ohne JCVD das er gut Schauspielern kann.
    • KarateTiger2011
      Es sei aber erwähnt das die Serie JCVJ extrem gute Kritiken und vor allem bei Zuschauern extrem gut angekommen ist.Warum Amazon diese nach nur eine Staffel abgesetzt hat, weiß man bis heute nicht.Bouncer ist schon längst auf meiner Must See Liste!
    • Micheal Knight
      Der Trailer sieht vielversprechend aus!
    • TresChic
      Gut, dass sich dieses dämliche Van Johnson nicht durchsetzen konnte. Jetzt macht er endlich wieder anständige Filme. Wer Wake Of Death gesehen hat, weiß dass Van Damme ein großartiger Schauspieler ist.
    • TresChic
      Bully Herbig Humor. Selten so eine unlustige Serie gesehen.
    • greekfreak
      Die Serie war super,alleine das sich JCVD so herrlich selber veräppelt hat.
    • scorch
      Zumindest 'JEAN-CLAUDE VAN JOHNSON' fand ich angenehm kurzweilig und positiv bescheuert.
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