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Sauerkrautkoma
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Sauerkrautkoma
Von
Wenn die gebürtig aus Oberammergau stammende Romanautorin Rita Falk weiter so fleißig an ihren Eberhofer-Krimis schreibt, brauchen sich die Fans der Verfilmungen ihrer Bücher keine Sorgen um Nachschub zu machen. Im vergangenen Februar kam mit „Kaiserschmarrndrama“ schon der neunte Band seit dem Reihenauftakt 2010 heraus: Selbst wenn sich Falk also demnächst eine Auszeit gönnen sollte, liegen noch vier weitere Bücher bereit, die darauf warten, auf die Leinwand gebracht zu werden. Nun steht allerdings erst einmal „Sauerkrautkoma“ an, der fünfte Eberhofer-Film mit Sebastian Bezzel in der Hauptrolle und Ed Herzog auf dem Regiestuhl. Nachdem in „Schweinskopf al dente“ (Teil 3) noch die richtige erzählerische Balance zwischen Beruflichem und Privatem, Dramatik und Witz gefehlt hat, knüpfen die Macher mit „Sauerkrautkoma“ nun an den unmittelbaren Vorgänger und Reihenhöhepunkt „Grießnockerlaffäre“ an und liefern erneut perfekt auf das Stammpublikum zugeschnittene Schmunzelkrimiunterhaltung, die (noch) keine Ermüdungserscheinungen offenbart.

Nach seinen vielen unautorisierten Alleingängen wird der Provinzpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) nach München versetzt. Hier soll er endlich lernen, sich an Anweisungen zu halten und im Team zu arbeiten. Seine strenge Vorgesetzte Thin Lizzy (Nora von Waldstätten) hat ihn immer im Blick. Dafür kann er weiterhin auf die Hilfe seines treuen Freundes Rudi (Simon Schwarz) bauen, der ihm sogar eine Bleibe anbietet. Doch unerwartete Umstände führen Eberhofer schon bald nach Niederkaltenkirchen zurück: Als das gestohlene Auto seines Vaters (Eisi Gulp) wieder auftaucht, findet Franz im Kofferraum eine in Frischhaltefolie verpackte Leiche. Die Spur führt zum Dorfbürgermeister (Thomas Kügel), denn bei der Toten handelt es sich um dessen Au-Pair-Mädchen, das noch dazu schwanger war. Doch Franz ist abgelenkt: Nach einem missglückten Heiratsantrag bandelt seine Freundin Susi (Lisa-Marie Potthoff) mit dem charmanten Geschäftsmann Karl-Heinz „Fleischi“ Fleischmann (Gedeon Burkhard) an, der ihr voller Hingabe den Hof macht…


Nahm der Subplot um Franz‘ Beziehungsprobleme in „Schweinskopf al dente“ einfach viel zu viel Platz ein und wirkte sich damit negativ auf die Dynamik des Films aus, rückte Ed Herzog die privaten Techtelmechtel der Hauptfigur in „Grießnockerlaffäre“ wieder deutlich in den Hintergrund. In „Sauerkrautkoma“ finden Herzog und sein Co-Autor Stefan Betz („Grenzverkehr“) nun einen sehr angenehmen Mittelweg. Das liegt auch daran, dass es zwischen Susi und Franz diesmal um mehr geht, als um die langsam ermüdende Frage „Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?“, sondern um den nächsten Schritt: die Hochzeit. Und dass ein so wichtiges privates Ereignis eben auch bei der Arbeit seine Spuren hinterlässt und die Ermittlungen emotional beeinflusst, ist einfach nachzuvollziehen.

Allerdings geht im Finale dann doch alles ein wenig zu zügig vonstatten und der nächste Beziehungsschritt – ein Baby – sogar nur im Rahmen eines Epilogs abgehandelt wird. Schaut man sich die bisherigen Eberhofer-Krimis an, so wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn sich auch die Frage „Kinder: ja oder nein?“ über zwei, drei weitere Kapitel hingezogen hätte. So aber kommt ordentlich Tempo in die bislang doch arg auf der Stelle tretende Beziehung zwischen Franz und Susi, wobei der schmierige Karl-Heinz für zusätzliche Würze sorgt und sich zeitweise als ernstzunehmender Konkurrent für Franz entpuppt.

In „Sauerkrautkoma“ kommt aber auch der Kriminalfall nicht zu kurz, den Eberhofer mit gewohnt trockener Ermittlerattitüde aufzuklären versucht. Die Täterfrage ist dabei zwar einmal mehr eher zweitrangig, wird aber letztlich dennoch durchaus überraschend beantwortet. Viel wichtiger ist aber wieder der mit Hindernissen und Fettnäpfchen gespickte Weg zur Lösung des Falls. Wenn Franz und sein exzentrischer Kumpel Rudi kurzerhand eine Klempnerfirma erfinden, um sich Zutritt zum Haus der Verdächtigen zu verschaffen, wird das zur besten Szene des Films. Und wenn Eberhofer dem Pathologen Günther (der von Michael Ostrowski gespielte Kauz würde sich sicher gut mit Jan Josef Liefers‘ Professor Boerne aus dem Münster-„Tatort“ verstehen) ungefragt die Leiche auf den Seziertisch legt, weil er hofft, von dem Rechtsmediziner mehr über die Todesumstände zu erfahren, dann ist das ebenso skurril wie entlarvend.

Hauptdarsteller Sebastian Bezzel („Safari – Match Me If You Can“) ist die Rolle inzwischen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er die Marotten der Figur gar nicht mehr zu spielen scheint. Überhaupt profitiert der Film sehr von dem eingespielten Ensemble, das durch einige gut ausgewählte Neuzugänge ergänzt wird. Denn die Schauspieler füllen das Porträt bayerischer Gepflogenheiten erst so richtig mit Leben und sorgen dafür, dass die Karikaturen nicht nur derb, sondern auch liebevoll ausfallen. Hier ergänzen sich trockener Humor und ein solides Mordszenario auf bewährt-unterhaltsame Weise.

Fazit: Die Krimikomödie „Sauerkrautkoma“ bietet einmal mehr eine sehenswerte Mischung aus bajuwarischem Lokalkolorit, Humor und Mord.
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