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    Enola Holmes
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Enola Holmes

    Der 1. Fall für Sherlocks kleine Schwester

    Von Julius Vietzen
    Nicht nur wir auf FILMSTARTS haben in letzter Zeit wiederholt über zu lange Netflix-Filme geklagt – sei es über die maßlose romantische Komödie „The Kissing Booth 2“, über den völlig aus dem Ruder gelaufenen Science-Fiction-Thriller „The Last Days Of American Crime“ oder die bis zum Anschlag vollgestopfte Buchverfilmung „The Devil All The Time“.

    Auch „Enola Holmes“ ist nun spürbar zu lang geraten. Trotzdem liegt der Fall hier etwas anders als bei „The Kissing Booth 2“ & Co.: Die Verfilmung des ersten Bandes der gleichnamigen Buchreihe von Nancy Springer wurde ursprünglich von Warner Bros. und Legendary produziert – und zwar fürs Kino. An Netflix fielen die Rechte erst, als der Film schon – zumindest weitestgehend – fertig war.

    Nun können wir nicht sagen, ob man den Film für einen Kinostart eventuell noch ein wenig gestaucht hätte – aber genau das wäre die richtige Entscheidung gewesen: Denn während sich „Enola Holmes“ in der ersten Hälfte als charmantes, humorvolles Detektivin-Abenteuer mit einer wundervoll-energiegeladenen Hauptdarstellerin entpuppt, verlieren sich Regisseur Harry Bradbeer („Fleabag“) und Drehbuchautor Jack Thorne („Wunder“) in der zweiten Hälfte zunehmend in unnötigen Plot-Schlenkern und tonalen Schwankungen.

    Enola Holmes inmitten ihrer berühmten Brüder.


    Enola Holmes (Millie Bobby Brown) ist zwar im Schatten ihrer älteren Brüder Sherlock (viel weniger knorrig als in den Büchern: Henry Cavill) und Mycroft (Sam Claflin) aufgewachsen – wurde von ihrer liebevoll-fürsorgenden Mutter Eudoria (Helena Bonham Carter) aber trotzdem gut darauf vorbereitet, sich als junge Frau im viktorianischen England durchzuschlagen. Doch dann verschwindet Eudoria am Morgen von Enolas 16. Geburtstag (scheinbar) spurlos. Also müssen wohl oder übel ihre schwerbeschäftigten Brüder einspringen...

    Der traditionell denkende Mycroft will seine unkonventionell erzogene jüngere Schwester am liebsten in ein Mädchen-Internat stecken, doch das lässt sich Enola nicht gefallen. Sie entdeckt, dass ihre Mutter ihr einen Haufen Geld hinterlassen hat, und nimmt als Junge verkleidet Reißaus, um auf eigene Faust nach Eudoria zu suchen. Im Zug nach London trifft sie auf einen anderen Ausreißer, der ihre Pläne gehörig durcheinander würfelt: Der junge Lord Viscount Tewksbury (Louis Partridge), der in der Hauptstadt seinen Platz im House of Lords einnehmen will, wird von einem fremden Angreifer beinahe aus dem fahrenden Zug geschmissen...

    Notfalls hilft das Publikum


    Millie Bobby Brown, deren Mitwirken im Netflix-Superhit „Stranger Things“ sicherlich maßgeblich dazu beigetragen hat, dass der Streaming-Service überhaupt ein Interesse an „Enola Holmes“ entwickelt hat, begeistert mit einer mühelos-charmanten Performance, bei der sie zudem ihr ganzes komödiantisches Talent in die Waagschale werfen darf. In dieser Hinsicht besonders gelungen sind all jene Momente, in denen sich Brown – die vierte Wand durchbrechend – direkt an die Zuschauer wendet: Mal rollt sie genervt mit den Augen, mal erläutert sie ihre Pläne – und in einer Szene bittet sie das Publikum gar persönlich um Hilfe.

    Harry Bradbeer hat als Regisseur der Sitcom-Sensation „Fleabag“, in der Phoebe Waller-Bridge immer wieder auf ganz ähnliche Stilmittel zurückgreift, bereits eine Menge Erfahrung mit solchen direkten Publikumsansprachen gesammelt – und so entpuppen sie sich auch in „Enola Holmes“ keinesfalls als bloßes Gimmick oder gar erzählerischer Notnagel. Stattdessen setzen Enolas Reden immer wieder gekonnt einen ironischen Kontrapunkt zur „ernsthaften“ Handlung. Enola zählt etwa zu Beginn die ewig lange Liste der Fähigkeiten und Heldentaten ihres berühmten Bruders Sherlock auf, woraufhin der „brillante Schlussfolgerer“ am Bahnhof erst einmal schnurstracks an ihr vorbeiläuft, ohne sie zu erkennen.

    Millie Bobby Brown wendet sich als Enola Holmes immer wieder auch direkt ans Publikum...


    Auch bei der filmischen Darstellung der Detektivarbeit beweist Bradbeer ein gutes Händchen. In der Vorlage mit dem Untertitel „Der Fall des verschwundenen Lords“ spielen etwa Buchstabenrätsel, die Enolas Mutter ihrer Tochter hinterlassen hat, eine zentrale Rolle (weshalb Netflix das Startdatum von „Enola Holmes“ passenderweise ebenfalls als Buchstabensalat angekündigt hat).

    Bradbeer zeigt Enola und ihre Mutter deshalb schon früh bei einem Scrabble-Duell und hat so später das ideale Werkzeug in der Hand, um Enolas Versuche, die Geheimcodes ihrer Mutter zu entschlüsseln, auch visuell darstellen zu können. Enolas Intelligenz und ihr fotografisches Gedächtnis bleiben in dieser wie in späteren Szenen keine pure Behauptung, sondern werden auch auf der Leinwand (bzw. ja nun leider nur dem Fernseher) gezeigt.

    Zu viel vom Falschen


    Bradbeer und Drehbuchautor Thorne finden also immer wieder Wege, um die Elemente der Buchvorlage auf eine auch filmisch spannende Weise zu präsentieren. Nur verlieren sie inmitten der ansprechenden Stilmittel in der zweiten Hälfte zunehmend den roten Faden – und damit auch den Schwung ihrer Erzählung: Dass Enola bei der Suche nach ihrer Mutter zusätzlich auch noch in den Fall des verschwundenen Lord Tewksbury verwickelt wird, ist dabei gar nicht mal das Problem.

    Aber während Enola diesen eigentlich ganz simplen Fall in der Vorlage quasi nebenher löst, wird dieser Aspekt der Handlung in der Verfilmung zu einem regelrechten Polit-Krimi aufgeblasen, bei dem die Filmemacher zu viel Zeit mit den Hintergründen und Motiven der beteiligten Figuren verbringen. Hinzu kommen ein Abstecher ins Mädchen-Internat sowie am Schluss sogar noch ein unnötig hinzugedichteter Action-Showdown, der nicht nur die Auflösung unnötig in die Länge zieht und nicht zum restlichen Film passt, sondern auch dafür sorgt, dass die eigentlichen Stärken von „Enola Holmes“ immer mehr in den Hintergrund rücken.

    Fazit: In der ersten Hälfte begeistert „Enola Holmes“ mit einer großartigen Hauptdarstellerin und einer raffiniert inszenierten Detektivgeschichte. In der zweiten Hälfte geht der anfängliche Schwung allerdings nach und nach verloren.

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    Kommentare

    • Tyga_99
      Zu lang der Film dachte er hört nie auf...
    • Bond, James Bond
      Yo, noch kleiner als Craig :-D
    • Bond, James Bond
      Hat man da gut kaschiert, stimmt.
    • Bond, James Bond
      Gerade weil Sie optisch nicht wie eine von den Disney Sternchen daher kommt, hat Sie bei mir ein Stein im Brett.
    • Hans Heinrich
      Boah, da freue mich mich ja drauf. Ich finde 1+2 einfach nur klasse !!!!!!!!
    • Jimmy v
      Uh... er ist ein wenig kleiner als Tom Hardy, der auch nicht unbedingt groß ist - und der hat sogar Bane gespielt! Geht alles...
    • greekfreak
      Das basiert auf einen Buch,von der Autorin von The Kissing Booth?!Entschuldigt mich kurz,ich muss mal reihern gehen.....
    • Gravur51
      Nur ist bell etwa so gross wien zwerg
    • Gravur51
      Yikes, ich mag die überhaupt nicht. Rein optisch nervt sie mich schon.
    • ObiWann
      Musst mal bisschen auf Englische Seiten Ausweichen 😉,aber wie gesagt die schreiben da auch alle nur von „angeblich“.Und Moviepilot =Webedia denn Rest überlass ich deinen Gedanken 😇.
    • Bond, James Bond
      So toll finde ich die aber auch nicht. Zu actionlastig und Guy Ritchie nervt mich eher mit seinem Hipster/Cool Getue. Passte noch zu seinen ersten beiden Filmen, aber warum kann was altmodisches nicht mal auch so bleiben/wirken?Außerdem gibt es nur eine Chance, wenn Rachel McAdams irgendwie zurückkehrt. Ich möchte Irene Adlers Tot nicht einfach so hinnehmen.
    • Bond, James Bond
      Formal gesehen finde ich die 123 Minuten jetzt nicht lang, wenn man noch den Abspann abzieht. Aber manche Filme wirken auch mit 100 Minuten zu lang.Dass aber die Millie eine charmante Performance hinlegt, daran hatte ich keinen Zweifel.
    • Bond, James Bond
      Ich selber glaube es nicht. Bis zu einem No Time To Die-Nachfolger werden auch noch paar Jahre vergehen. Das 60 Jahre Jubiläum packen die nicht. Vor Ende 2024 rechne ich mit keinen weiteren Bondfilm und Hardy wäre dann beim Dreh zuvor 46, also älter als Sir Roger. Dazu noch die längeren Pausen dazwischen.
    • WhiteNightFalcon
      Das wäre eben auch mein Hauptargument, dass nach Craig eine Neuausrichtung her muss.Und Michael Wilson sagte schon diverse Male, dass die Filme eben immer aufwendiger werden. Zudem gilt Barbara Broccoli eben als harte, aber eben auch clevere Geschäftsfrau. Die wird nicht in der Corona-Phase vollmundig einen neuen Bond-Film ankündigen.Sollte Hardy eventuell doch bei der Premiere von No Time to die vorgestellt werden, dann wäre es die größte Überraschung, die ich diesbezüglich je erlebt habe.
    • Bond, James Bond
      Richtig, er ist es. Das wäre keine deutliche Distanzierung zu Craig. Sagt mein bester Kumpel und Filmspezi auch ;-) Selbst als Mad Max war er zu gruff.
    • Jimmy v
      Ich sehe das so wie du. Hardys Engagement macht vor den Erfahrungen mit Bond-Verpflichtungen keinen Sinn: wurde zu lange gehandelt, ist zu alt, ist schon zu groß als Name. Besonders das mit dem Alter passt auch nicht mit der Idee zusammen, mit einem ganz neuen Bond wieder eine kleine Neuausrichtung zu versuchen.Sie sind beide auch schon lange im Gespräch, aber ich fände Jack O’Connell oder Jamie Bell immer noch super (wobei letzterer ja auch schon als too big gelten könnte). Beide sind jung, extrem gute und facettenreiche Schauspieler und können dennoch auch Action.
    • Rockatansky
      Das wär H, A, doppel M, E, R, Hammer yeah!
    • WhiteNightFalcon
      Hardy geht vor allem auch weiter zu sehr in die Richtung Craig. Nen Stilwechsel in den Filmen wäre damit eher unwahrscheinlich.
    • Sentenza93
      Würde Cavill immer noch vorziehen. Hardy ist fast zu gruff.
    • WhiteNightFalcon
      Hast du da ne Quelle? Ich find überall nur: Tom Hardy wird als 007 gehandelt. Moviepilot äußert sogar, das sei totaler Blödsinn.
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