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    Latte Igel und der magische Wasserstein
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Latte Igel und der magische Wasserstein

    Ein zeitlos guter Kinderfilm

    Von Jörg Brandes
    Lang, lang ist’s her: 1950 erfand der in Finnland geborene Sebastian Lybeck für eine schwedischsprachige Zeitung den Igel Latte. 1956 feierte das Stacheltier seine Buchpremiere. Zwei Jahre später erschien der Band unter dem Titel „Latte Igel und der Wasserstein“ dann auch auf Deutsch. Für Lattes Leinwanddebüt bekam der titelgebende Stein nun noch ein „magisch“ spendiert – vielleicht um den märchenhaften Charakter der Geschichte zu unterstreichen, vielleicht weil es die Marketingabteilung so wollte. Im Übrigen wirkt die Story nach einer mehr als 60 Jahre alten Vorlage allerdings wunderbar zeitlos. Dabei wartet sie freilich mit einem Thema auf, das angesichts der Klimaerwärmung aktueller kaum sein könnte. Neben Wassermangel spricht das kluge Drehbuch aber auch noch viele andere Dinge ganz ungezwungen an. Und auch sonst ist der Kinderfilm „Latte Igel und der magische Wasserstein“ sehr gelungen.

    Der Wald droht zu verdorren, die darin lebenden Tiere zu verdursten. Als Waisenigel Latte (deutsche Stimme: Luisa Wietzorek) und Eichhörnchenjunge Tjum (Tim Schwarzmaier) aus Versehen einen als Wasserbehälter dienenden Kürbis zerdeppern, spitzt sich die ohnehin angespannte Lage sogar noch weiter zu. Dem Raben Korp (Gerald Schaale), der sagt, Bärenkönig Bantur (Henning Baum) hätte den magischen Wasserstein gestohlen und damit die Not ausgelöst, mag niemand glauben. Außer Latte. Die Außenseiterin macht sich auf, den wasserspendenden Brocken zu suchen und zurückzuholen. Tjum folgt ihr, um sie zur Heimkehr zu bewegen. Aber Latte wäre nicht Latte, wenn sie sich so einfach umstimmen ließe...

    Zwei mutige Abenteurer: Igeldame Latte und Eichhörnchenjunge Tjum.


    Vermutlich haben sich die Filmemacher gedacht, es sei besser, ein gemischtgeschlechtliches Paar auf die abenteuerliche Reise zu schicken, weil man so eher ein breiteres Publikum ansprechen kann. Aber was immer sie auch dazu bewogen haben mag, aus dem Igelburschen der literarischen Vorlage ein Mädchen zu machen: Allein schon die hervorragende Synchronisationsarbeit von Luisa Wietzorek, die etwa auch dem Disney-Haarwunder „Rapunzel“ in der deutschen Fassung ihre Stimme lieh, rechtfertigt die Entscheidung. Ihre kecke Intonation passt perfekt zur quirligen Titelheldin, die obendrein eine gute Identifikationsfigur abgibt. Nicht nur, weil sie mutig ist, sondern auch, weil sie ihr Herz am rechten Fleck hat. Überhaupt ist das Synchronisationsniveau recht hoch.

    Ebenfalls ansprechend ist die visuelle Anmutung der deutsch-belgischen Ko-Produktion. An der optischen Gestaltung der Schauplätze wie Wald und Bärenhöhle gibt es nichts zu meckern, die Figuren sind markant gezeichnet. Ein paar Abstriche muss man nur bei der Bewegungsanimation machen. Aber welches Kind guckt da schon so genau hin? Zumal, wenn es von den meist munter perlenden Klängen des originellen Scores von Andreas Hoge akustisch abgelenkt wird.

    Ganz schön groß und bedrohlich, diese Bären.


    Und dann ist da ja auch noch die Story, die sich als überaus reichhaltig erweist. Erstaunlich, was Andrea Deppert und Martin Behnke alles im Skript untergebracht haben. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen, gerechtes Teilen und auch mal darum, dafür einzustehen, wenn man Mist gebaut hat. Dabei werden positive Werte dem jungen Publikum hier keineswegs mit dem Holzhammer eingebläut. Die beiden Autoren verstehen es einfach, sie wie selbstverständlich in Lattes und Tjums Heldenreise einzubinden. Nebenbei handeln sie auch noch einen Vater-Sohn-Konflikt ab. Der besteht darin, dass sich Bärenprinz Amaroo (Timur Bartels) gegen seinen Papa und auf die Seite der Beraubten stellt.

    Bis dank Latte das Wasser wieder für alle sprudelt, hält der unter der Regie von Nina Wels und Regina Welker entstandene Film seine kindgerechte Spannung aufrecht. So bekommen es die beiden Abenteurer neben den Bären etwa noch mit einem Rudel Wölfe, einem Luchs und einer Kröte zu tun, die für ein kleines bisschen Horrorshow sorgt und von der man zunächst nicht genau weiß, wie sie unseren beiden Helden in spe gesonnen ist. Daneben bleibt immer noch Platz für reichlich Humor. So entspinnen sich zwischen Latte und Tjum gelegentlich fast screwball-komödienartige Dialoge. Und auch Banturs bärige Wasserballetttruppe ist in puncto Witz nicht zu verachten.

    Fazit: Wie’s scheint, haben die Macher ebenso viel Herzblut wie Hirnschmalz in ihr Projekt gesteckt. Ihnen ist ein rundum schöner Kinderfilm gelungen, an dem auch Erwachsene ihren Spaß haben können. Mach’s gern noch einmal, Latte.

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