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Tatort: Kaputt
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Tatort: Kaputt

Tödliche Ruhestörung

Von Lars-Christian Daniels
Polizeiliche Ermittlungen in den eigenen Reihen genießen im „Tatort“ momentan Hochkonjunktur: Schließlich ist es gerade einmal vier Wochen her, dass in „Der gute Weg“ ein Routineeinsatz außer Kontrolle geriet und die Berliner Kommissare anschließend einem Streifenpolizisten auf den Zahn fühlen mussten, der in die blutige Tat verstrickt war. Auch in Köln wurde in diesem Jahr schon unter den eigenen Kollegen ermittelt: In „Weiter immer weiter“ wurden die Kommissare aus der Domstadt lange Zeit von einem anderen Polizeibeamten an der Nase herumgeführt und kamen erst ganz am Ende auf den Trichter, dass in Wahrheit alles ganz anders war, als sie es vermutet hatten. Noch bevor sich die Krimireihe Mitte Juni in die Sommerpause verabschiedet, sendet die ARD nun einen weiteren Fall nach diesem Strickmuster: In Christine Hartmanns „Tatort: Kaputt“ ist der Tod eines Polizisten nach einer nächtlichen Ruhestörung ebenfalls der Auslöser für weitere Ermittlungen, die sich bis zum dramatischen Showdown auch recht spannend gestalten. Dabei greifen die Filmemacher aber ein wenig zu oft in die Klischeekiste und versuchen unterm Strich ein paar Themen zu viel in ihrer Geschichte unterzubringen.

Ein nächtlicher Einsatz entwickelt sich für die Kölner Polizisten Melanie Sommer (Anna Brüggemann) und Frank Schneider (Florian Duning) zum Alptraum: Die beiden wollen in einem leerstehenden Haus, in dem die drogensüchtigen Selina Greve (Svenja Jung), Lukas Strauss (Luke Neite) und Ben Theissen (Hauke Diekamp) eine wilde Party feiern, für Ruhe sorgen – doch Sommer geht K.O. und Schneider wird so brutal zusammengetreten, dass jede Hilfe zu spät kommt. Die Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), die bei den Ermittlungen von ihrem geschockten Assistenten Norbert Jütte (Roland Riebeling) unterstützt werden, hören sich zunächst auf der Dienststelle der beiden Opfer um: Sommer und Schneider hatten offenbar keine Verstärkung angefordert, um vor den anderen Kollegen nicht als Versager dazustehen. Ihr Chef Bernd Schäfer (Götz Schubert) sah es außerdem nicht gern, dass Schneider mit seinem Kollegen Stefan Pohl (Max Simonischek) liiert war und hat auch wenig Verständnis für die Fragen der Kommissare. In seinen Augen steht der Täter fest – doch Ben Theissen, Bruder des Restaurantbetreibers Thomas Theissen (Ronny Miersch), wird kurz darauf von einem Unbekannten erschossen …

Der zweite Mord bricht mit eingefahrenen "Tatort"-Konventionen.


Regisseurin Christine Hartmann („Ein Schnupfen hätte auch gereicht“) hat sich für ihren achten „Tatort“ viel vorgenommen – ein wenig zu viel, möchte man resümieren. Denn unterm Strich wirkt ihre Geschichte doch ziemlich überfrachtet: Die ungern gesehenen Ermittlungen der Kommissare in den eigenen Reihen, das schlechte Standing von Frauen und Homosexuellen bei der Polizei, die Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen im Streifendienst, der Ausflug in die Drogenszene, eine durch einen Unfall ausgelöste Familientragödie – und dann auch noch Jüttes Kandidatur für den Personalrat, die in der 1098. Folge der Krimireihe neben einigen überraschend aufbrausenden Kommentaren des sonst so gemütlichen Assistenten vor allem dazu führt, dass dessen Sorgfalt bei der Arbeit leidet und sich Jütte ein ordentliches Donnerwetter von Ballauf anhören darf. Es ist typisch für den „Tatort“ vom Rhein, dass Schenk den Gegenpol zu seinem Partner bildet und auch in dieser Szene gnädiger gestimmt ist als Ballauf – und doch knüpft es nicht ganz stimmig an die Kölner Folgen der jüngeren Vergangenheit an, in denen es meist Schenk war, der Jütte auf dem Kieker hatte.

Bei der auf knapp neunzig Minuten begrenzten Sendezeit ist es logisch, dass die Ausarbeitung der angerissenen Themen schon aufgrund ihrer Vielzahl eher oberflächlich gerät und stattdessen viele Stereotypen bedient werden: Exemplarisch dafür seien das aggressive Auftreten eines Fotografen am Tatort und eine Verkehrskontrolle genannt, bei der sich ein Temposünder von einer Polizeibeamtin nichts sagen lässt, ehe Ballauf und Schenk ihn routiniert in die Schranken weisen. So etwas lässt sich subtiler erzählen und ist bei weitem nicht das einzige Beispiel dafür, wie dick hier oft aufgetragen wird: Die ebenso dominante wie linksradikale Selina aus ärmlichen Verhältnissen ist etwa ebenso ein wandelndes Klischee wie ihr schüchterner Kumpel Lukas, der einer bildungsnäheren Schicht entstammt und durch falschen Umgang – natürlich zur Überraschung seiner ignoranten Eltern – trotzdem auf die schiefe Bahn geraten ist. Und dann ist da noch der Polizeipsychologe Dr. Peters (Thomas Goritzki): Die Therapiesitzungen mit der traumatisierten Melanie Sommer fallen dermaßen platt und substanzlos aus, dass diese sich die Ratschläge auch gleich nach Feierabend bei ihren trinkfesten Kollegen hätte abholen können, die ja ohnehin um keine Stammtischparole verlegen sind.

Da wäre mehr drin gewesen


Der „Tatort: Kaputt“ hat allerdings auch Stärken: Die glänzend aufgelegte Anna Brüggemann („Heil“) ragt in ihrer Schlüsselrolle eindrucksvoll aus dem ansonsten eher limitierten Cast heraus und auch die Spannungskurve bewegt sich auf durchgehend hohem Niveau. Schon der zweite Mord ist eine echte Überraschung, weil er in der klassischen Einleitungsphase mit den Erzählmustern der Krimireihe bricht und das Geschehen plötzlich auf den Kopf stellt. Die letzten zwanzig Minuten des Films sind gerade für den meist eher gemächlich inszenierten „Tatort“ aus Köln richtig packend arrangiert. Zwar dürfte die Auflösung der Täterfrage eingefleischte „Tatort“-Fans vor keine allzu großen Probleme stellen, doch ist der Weg dahin mühsamer, als es zunächst den Anschein haben mag. Hier wirkt der „Tatort“ aus der Rheinmetropole dann auch weniger formelhaft und steif, als es bis dato über weite Strecken der Fall ist: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, gibt der um seinen Bruder gebrachte Thomas Theissen nur eine von vielen Binsenweisheiten zum Besten – mit pfiffigeren Dialogen und weniger Plattitüden hätte aus diesem soliden Whodunit sogar ein richtig gutes Krimidrama werden können.

Fazit: Ein spannender, aber auch überfrachteter Krimi aus Köln, dessen Unterhaltungswert zusätzlich durch die platten Figuren und Dialoge geschmälert wird.
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