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Lake Placid: Legacy
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Lake Placid: Legacy
Von
David E. Kelley hat wie nur wenige andere die TV-Serienlandschaft der 90er Jahre geprägt. Der vielfach preisgekrönte Produzent und Autor zeigte in „Picket Fences – Tatort Gartenzaun“, dass Familienunterhaltung auch gesellschaftskritisch sein kann, oder sich wie bei „Ally McBeal“ klassische Anwaltsserie und Comedy nicht ausschließen müssen. Extravagant war auch sein Skript für den 30- Millionen-Dollar-Streifen „Lake Placid“ (1999), der ebenfalls versuchte, zwei völlig unterschiedliche Genres – gruseliger Creature-Horror und skurrile Komödie – zu vereinen. Trotz schön schräger Charaktere und gelungener Pointen gelang das aber nicht ganz. Dennoch spülte der freche Genremix weltweit fast das Doppelte seiner Produktionskosten in die Kassen. Trotzdem entstand die erste von inzwischen fünf Fortsetzungen, die ohne Beteiligung von David E. Kelley preisgünstig für US-Kabelsender produziert wurden, erst acht Jahre später. In diesen – hierzulande nur im Heimkino ausgewerteten Sequels – blitzte zumindest ab und an noch trashiger Charme und absurder Slapstick auf. Der erstaunlich ernstgemeinte Horrorthriller „Lake Placid: Legacy“ von Darrell James Roodt, der jüngste Beitrag der inzwischen zum Franchise gereiften Filmreihe, ist jedoch nahezu komplett missraten.

Öko-Aktivist Sam (Tim Rozon) führt eine Gruppe von Mitstreitern an, bestehend aus Freundin Jade (Katherine Barrell), Kumpel Spencer (Craig Stein), der toughen Pennie (Alisha Bailey), Computernerd Billy (Luke Newton) und Journalistin Alice (Sai Bennett). Das Team hat soeben durch eine erfolgreiche Guerillaaktion gegen einen Großkonzern für Schlagzeilen gesorgt. Da meldet sich Sams früherer Kollege und Konkurrent Dane (Maxim Baldry) per Videonachricht und fordert Sam zu einer Challenge heraus. Dem Ersten, der ein bestimmtes Ziel auf einer abgelegenen, nicht bei Google Earth gelisteten Insel erreicht, sollen 100.000 Dollar Preisgeld von einem ominösen Sponsor winken. Sam und seine Mitstreiter nehmen die Herausforderung an – ohne zu ahnen, dass auf der mysteriösen Insel ein mordlüsternes Monsterkrokodil sein Unwesen treibt…

Lake Placid: Legacy Trailer OV

Der temporeiche Auftakt von „Lake Placid: Legacy“ wirkt für Horrorfans wie ein kulinarisches Appetithäppchen: Die ersten grauenhaften Entdeckungen auf der scheinbar verlassenen Insel (eine zerfetzte Leiche in einer Baumkrone, die Fußabdrücke eines riesigen Wesens) sind Zutaten, die zwar nicht allzu sehr überraschen, aber Lust auf mehr machen. Doch den Autoren Jonathan Walker, Matt Venables und Jeremy Smith gelingt es mit ihrem Drehbuch nicht, den Spannungsbogen weiter auszubauen. Das etablierte Dreiergespann lieferte bereits die Vorlage zu mehreren Folgen der Syfy-Channel-Serie „Van Helsing“ sowie für die kanadische Science-Fiction-Produktion „Continuum“. Und so trägt auch ihr Skript zu „Lake Placid: Legacy“ gewisse Züge eine Fließbandproduktion.

Schnell werden die Geschehnisse von den noch ganz reizvoll anzuschauenden Locations in Südafrika in die schummrige, lieblos ausgestattete Kulisse eines unterirdischen Bunkers verlagert. Hier stapft die nicht sehr clever agierende Truppe die meiste Zeit einfach nur durch die Gänge –– nahezu ohne Schock- oder Suspense-Momente. Denn der Stargast – ein mutiertes Riesenkrokodil – schaut nur selten auf einen Snack vorbei. Und wenn es dann doch einmal hungrig ist, attackiert es die Öko-Aktivisten ausschließlich aus dem Halbdunkel. Nur nicht zu viel vom Kroko zeigen, scheint das Motto zu sein. Verständlich, denn in Sachen CGI steht der Monsterbeißer den Haien aus den „Sharknado“-Streifen in nichts nach.

Während Darsteller Tim Rozon aus „Being Human“ bekannt ist, setzen sich die übrigen Twen-Darsteller aus bisher weniger vertrauten Seriengesichtern zusammen. Was letztlich auch passt, da die von ihren gespielten Figuren profillos und austauschbar bleiben. Doch wie schon seine Vorgänger punktet „Lake Placid: Legacy“ zumindest in einer Nebenrolle mit einem Besetzung-Knaller: Wo Horror-Ikone Robert Englund in „Lake Placid: The Final Chapter“ und „Lake Placid vs. Anaconda” einen zwielichtigen Jäger verkörperte, ist es hier „Matrix“-Bösewicht Joe Pantoliano (zuletzt in der Heist-Komödie „Das ist erst der Anfang“ im Kino zu sehen), der für einige Momente schauspielerische Glanzlichter setzen kann. In der Rolle als Genetiker Henderson, der das Monsterkrokodil aus Forschungszwecken gezüchtet hat, bringt er eine erfrischende Schmierigkeit in den Film, der sich ansonsten völlig ironiebefreit viel zu ernst nimmt. Umso schlimmer wiegen die misslungen Spezialeffekte und das haarsträubend dümmliche Finale, die nicht einmal Trash-Vergnügen aufkommen lassen.

Fazit: Ein paar gelungene Gore-Einlagen und Joe Pantolianos kurzer Auftritt werten den trashigen Horrorthriller „Lake Placid: Legacy“ zwar leicht auf. Doch unterm Strich bietet der nunmehr sechste und gänzlich humorfreie Teil der Reihe nur lahme Low-Budget-Kost vom Fließband.
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