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    Skin Creepers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Skin Creepers
    Von Lutz Granert

    Nicht nur weil die Filmförderung sie wesentlich seltener bezuschusst als kalauernde Komödien oder historische Dramen sind heimische Genrefilme in deutschen Kinos eine seltene Erscheinung. Oftmals bleiben die Zuschauer den mühsam (selbst-)finanzierten Horrorfilmen oder Thrillern nämlich fern, selbst wenn sie richtig gut gelungen sind. Die kleine Independent-Filmproduktionsfirma Botcho Films aus Berlin, auf deren Konto bisher etwa der trashige Horror-Kurzfilm „Casting Of Death“ geht, traut sich mit ihrem ersten Langfilm, in dem ausnahmslos eigenes Geld steckt, also richtig etwas zu. Damit das Produktionsbudget von 50.000 Euro für „Skin Creepers“ zusammenkam, musste etwa Produzent Sebastian Wolf sein eigenes Grundstück verkaufen. Cast und Crew wurden allesamt bezahlt, ordneten sich jedoch mit bescheidenem Salär dem Sparzwang unter. Das investierte Herzblut sieht man der Horrorkomödie von „Casting Of Death“-Regisseur Ezra Tsegaye zwar durchaus an, doch der phasenweise launige Streifen enttäuscht durch eine in der zweiten Filmhälfte zunehmend ermüdende Dialoglastigkeit.

    Ben (Nicolas Szent) und Daniel Jebsen (Nicolás Artajo) sind ein ungleiches Brüderpaar, das vom ersten eigenen Erotikfilm-Projekt träumt. Dafür konnten sie sogar bereits die US-Pornodarstellerin Sasha Blue (Barbara Prakopenka) für die Hauptrolle gewinnen, die sie in einem noblen Hotel einquartiert haben. Während dem schüchternen Daniel die künstlerische Komponente sehr wichtig ist, will Ben den Streifen mit harten Sexszenen anreichern und besetzt auch einige Prostituierte des Zuhälters Lederkalle (Thomas Schmuckert). Doch die improvisierten Dreharbeiten in einer alten Fabrikhalle laufen aus dem Ruder. Schon in der ersten Szene beißt die wie besessen wirkende Sasha Blue bei einer Kussszene einer anderen Darstellerin beinahe die Lippe ab. Zurück im Hotel stellt sich heraus, dass ein böser Fluch auf dem Zimmer von Sasha Blue liegt, da hier im Jahr 1976 ein missglückter Exorzismus stattfand. Während ihnen Lederkalle auf den Fersen ist, erbeten Ben und Daniel die Hilfe eines dubiosen Fernsehpredigers (Dieter Landuris), der die Geschehnisse damals selbst miterlebt hat und Sasha Blue nun von dem bösartigen Dämon befreien soll…

    „Skin Creepers“ hat durchaus seine Momente, wenn er die plumpen Figurenklischees des schmierigen Luden mit Narbe im Gesicht und Seidenhemd unter der Lederjacke oder des dauergeilen, immer nur an „das eine“ denkende Pornosternchens vollends ausschlachtet und damit sogar einige (wenn auch abgegriffene) Lacher produziert. Am denkwürdigsten ist jedoch der Besuch von Ben und Daniel bei einem Kokain schnupfenden, arroganten Filmstudio-Boss, in dessen Büro Plakate seiner Kassenhits namens „Einbauküche“ und „Kopfowääh“ an der Wand kleben. Ein deutlicher Stinkefinger der Drehbuchautoren Sebastian Kühne und Ezra Tsegaye in Richtung von Til Schweiger und der deutschen Filmförderung. Leider bleibt das der einzige subversive Unterton ihres mühsam um Pointen bemühten Skripts, dem mit zunehmender Laufzeit spürbar die Puste ausgeht.

    Sobald der Exorzismus von Sasha Blue im Hotelzimmer vorbereitet wird, gerät „Skin Creepers“ durch zahlreiche unnötige Dialoge nämlich schnell ins Stocken. Da darf ein alter Hotelpage nach langem Hin und Her für eine versprochene 1.000-Euro-Prämie eine zuvor bereits teilweise in den Plot eingewobene Rückblende zu Ende erzählen und die beiden Brüder sitzen ratlos vor der über dem Bett schwebenden Sasha Blue und versinken im Selbstmitleid. Ein kurzer Nackedei-Auftritt von Erotikmodel Micaela Schäfer (sie wirkte bereits in „Casting Of Death“ mit) als genervter Hotelgast ist schnell wieder vergessen, der süffisante Auftritt von Dieter Landuris („Pornorama“) bleibt dafür umso mehr im Gedächtnis: Mit seiner verschmitzt-selbstironischen Performance als bisher in seiner Karriere eher unglücklich agierender (Fernseh-)Priester gelingt es ihm innerhalb weniger Minuten, das hölzern agierende Hauptdarsteller-Duo Nicolas Szent und Nicolás Artajo (bekannt aus der ZDF-Telenovela „Wege zum Glück“) lässig an die Wand zu spielen.

    Während einige Dialoge in „Skin Creepers“ zu leise abgemischt wurden, sind die zahlreichen visuellen Effekte mit Funkenflug beim Exorzismus und einem Ausflug in die Hölle durchaus überzeugend und erinnern an wesentlich höher budgetierte internationale Produktionen. Die Postproduktion nahm dafür auch satte elf Monate in Anspruch – ein Aufwand, der sich gelohnt hat. In dieser Zeit wäre es aber auch eine Überlegung wert gewesen, den lahm inszenierten „Skin Creepers“ nicht nur mit Effekten anzureichen, sondern auch an der einen oder anderen Stelle zu straffen. Über eine Länge von knapp 90 Minuten fehlt nämlich spürbar die Substanz (und damit meinen wir weniger den Plot als Gore und Gags).

    Fazit: Nur wenige Pointen treffen ins Schwarze und ab der zweiten Filmhälfte gerät „Skin Creepers“ allzu geschwätzig und zäh. Dieser begrüßenswerte Beitrag zum deutschen Genrefilm ist leider eine Enttäuschung.

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