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    Fisherman's Friends - Vom Kutter in die Charts
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Fisherman's Friends - Vom Kutter in die Charts

    Sowas hat man noch nicht gehört, aber leider schon oft gesehen

    Von Lutz Granert
    Der zehnköpfige Shanty-Chor The Fishermen‘s Friends aus dem Städtchen Port Isaac an der Küste Cornwalls war bis 2010 nur den Einheimischen ein Begriff. Schließlich sind raubeinige Fischer und Mitarbeiter der Küstenwache in reifen Jahren, die in ihrer Freizeit Seemannslieder darbieten, nicht unbedingt kompatibel mit dem Massengeschmack. Nur der Musikproduzent Rupert Christie, der bereits mit Coldplay und U2 zusammenarbeitete, sah das anders, als er sie in seinem Urlaub zufällig singen hörte. Er erkannte das Potenzial und nahm den Chor für die aufsehenerregende Summe von einer Million britischer Pfund unter Vertrag. Der Erfolg des schlicht „Port Isaac's Fisherman's Friends“ betitelten Debüt-Albums gab ihm Recht: Die Platte stieg auf Platz 9 der britischen Album-Charts ein und zählt mit 150.000 verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Folk-Alben aller Zeiten.

    Die besten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben – und der märchenhafte Stoff scheint ja tatsächlich wie geschaffen für einen Kinofilm, der dann in seiner Heimat Großbritannien auch direkt starke 9,5 Millionen Dollar einspielte. Leider vertrauen der britische Regisseur Chris Foggin („Kids In Love“) und seine drei Drehbuchautoren aber dramaturgisch weniger auf die realen Geschichten der Seemänner als vielmehr auf die üblichen Genre-Klischees. So wirkt die romantische Komödie „Fisherman‘s Friends – Vom Kutter in die Charts“ trotz sympathischer Momente letztendlich zu abgeschmackt und vorhersehbar, um wirklich zu berühren.

    Zum Junggesellenabschied ihres Freundes Henry (Christian Brassington) verschlägt es den Londoner Musikmanager Danny (Daniel Mays), seinen Kollegen Driss (Vahid Gold) und seinen Boss Troy (Noel Clarke) in den beschaulichen Fischerort Port Isaac in Cornwall. Nachdem die Touristen ein kleines Konzert des örtlichen Shanty-Chors The Fisherman‘s Friends miterlebt haben, will Troy seinem Angestellten einen Streich spielen und beauftragt Danny deshalb im Scherz, die alten Seemänner für das Label unter Vertrag zu nehmen. Nach anfänglicher Skepsis willigen die Seemänner um den verbitterten Jim (James Purefoy) ein, ein Demo-Tape aufzunehmen. Danny quartiert sich für die Dauer seines Aufenthalts in der Pension von Jims ruppiger Tochter Alwyn (Tuppence Middleton) ein, bis Troy den bösen Scherz auflöst und ihn nach London zurückbeordert. Danny glaubt inzwischen jedoch ehrlich an das Potenzial des Chors. So muss er sich zwischen seinem Job und seinen Prinzipien entscheiden …

    Rustikaler Charme und starke Stimmen: der „Fisherman's Friends“ Shanty-Chor.


    Die Drehbuchautoren Piers Ashworth, Meg Leonard und Nick Moorcroft, die auch schon gemeinsam das Skript für die ebenfalls auf einen harmlosen Wohlfühlfaktor setzende Tragikomödie „Tanz ins Leben“ schrieben haben, geizen in ihrem Skript zu „Fisherman‘s Friends“ nicht mit Gags um den Culture Clash zwischen versnobten Großstädtern und einfältigen Landeiern. Dabei zündet vor allem die Situationskomik: Danny und seine Freunde versuchen sich in Cornwall etwa im neuen Trendsport Stand-Up-Paddling, werden jedoch durch die Strömung abgetrieben und müssen schließlich von der Küstenwache zurück an Land gebracht werden. Im Gegenzug verschafft Danny seinen singenden Rettern einen Gig auf der Hochzeit seines Kumpels Henry, wo sie aufgrund ihrer rüden Sprüche und ihres rauen Charmes von den städtischen Gästen ausgebuht werden.

    Klischees statt wahres Drama


    Die aufkeimende Romanze zwischen Danny und Alwyn wirkt hingegen arg einfallslos. Die toughe alleinerziehende Mutter weckt ihren ungebetenen Herbergsgast zunächst noch ruppig mit kaltem Wasser aus seinem tiefen Schlaf. Doch dann findet sie als – Überraschung! – Musik-Nerd mit großer Plattensammlung doch noch Interesse an dem zunehmend häuslichen und fürsorglichen Danny, der zwischen Grillen am Strand und Spaziergängen an der Klippe die Vorzüge des entschleunigten Lebens an der Küste für sich entdeckt. Ebenso vorhersehbar ist, dass Jim die Verbindung seiner Tochter argwöhnisch beobachtet, da er selbst von seiner Frau verlassen wurde – und sich in seinem Misstrauen bestätigt sieht, als er herausfindet, dass Danny in den Verkauf des geschichtsträchtigen örtlichen Pubs involviert ist.

    Altered Carbon“-Star James Purefoy liefert als Brummbär mit großem Herzen zwar eine starke Performance ab, doch wirkt seine Charakterzeichnung allzu reißbrettartig. Hier hätte ein realer tragischer Vorfall bei den „Fisherman‘s Friends“, deren aktuelle Mitglieder alle in kurzen Cameos im Film zu sehen sind, eine ungleich stimmigere emotionale Komponente hinzugefügt. Unmittelbar vor einem Konzert im Jahr 2013 kamen Sänger Trevor Grills und der Tourmanager Paul McMullen bei einem Unfall mit einer schweren Metalltür ums Leben, woraufhin der Chor ein Jahr lang alle Auftritte aussetzte. Die bewegendsten Geschichten schreibt eben wie gesagt noch immer das Leben. Nur schade eben, wenn sich die Autoren dann nicht trauen, sie auch zu erzählen und stattdessen lieber auf erprobte Klischees setzen.

    Fazit: Die Geschichte vom kometenhaften Aufstieg des gleichnamigen Shanty-Chors zu Charts-Stürmern gerät bei „Fisherman‘s Friends – Vom Kutter in die Charts“ zugunsten eines formelhaften RomCom-Plots leider schnell ins Hintertreffen. Was bleibt, ist ein harmloser musikalischer Wohlfühl-Spaß, der lieber gängige Genrekonflikte als reale Schicksalsschläge beackert.

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    Kommentare

    • Jimmy v
      Na, an The Full Monty können Filme diesen Typs sowieso nur schwer heranreichen...
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