Schnell-Bewerter
Mein FILMSTARTS
    We Summon The Darkness
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    We Summon The Darkness

    Mörderischer Heavy Metal!

    Von Oliver Kube
    „Heavy Metal ist Teufelsmusik!“ Speziell in den ländlichen Gegenden der USA grassierte während der 1980er eine regelrechte Heavy-Metal-Paranoia, die vor allem von selbsternannten Moralwächtern und erzkonservativen Geistlichen mit oft zweifelhaften Motiven befeuert wurde. Im „Land der Freien“ wurden so Zensur, Verbote und Boykotte erwirkt, um die Jugend und die christlichen Werte vor den angeblichen Rock-Satanisten zu schützen. Dass das Hantieren mit Pentagrammen und umgedrehten Kruzifixen in der Szene damals fast ausnahmslos ein von Marketing-Strategen erdachtes Image beziehungsweise eine ironisch gemeinte Reaktion auf genau diese strengen christlichen Strömungen war, ging an den sich echauffierenden Religions-Aktivisten natürlich komplett vorbei.

    In genau diesem Umfeld der von englischsprachigen Medien heute als „Satanic Panic“ bezeichneten Proteste, die aus heutiger Sicht vor allem lachhaft spießig wirken, siedelt „My Friend Dahmer“-Regisseur Marc Meyers nun seinen schwarzhumorigen Horror-Thriller „We Summon The Darkness“ an. Aber trotz authentischem Ambiente, knackiger Dialoge und engagierter Darsteller sind Story und Slasher-Momente letztendlich zu schwach, um über ein paar nette böse Gags hinaus bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

    So lernen wir die Heavy-Metal-Mädels kennen ...


    1988 wird der US-Bundesstaat Indiana von einer Reihe satanisch anmutender Ritualmorde erschüttert. Trotzdem fahren die Freunde Alexis (Alexandra Daddario), Val (Maddie Hasson) und Beverly (Amy Forsyth) bestens gelaunt zu einem Metal-Konzert. Mit den schon auf dem Parkplatz kräftig dem Alkohol zusprechenden Möchtegern-Musikern Ivan (Austin Swift), Kovacs (Logan Miller) und Mark (Keean Johnson) treffen sie schnell auf Gleichgesinnte. Man freundet sich an und nach der Show nehmen die Girls das Trio mit auf das luxuriöse Anwesen von Alexis Vater (Johnny Knoxville), einem erzkonservativen Fernsehprediger. Doch nach einigen Trinkspielen und unbeholfenen Flirts am Lagerfeuer eskaliert der Abend plötzlich. Nicht einmal die verkorkste Stiefmutter (Allison McAtee), der lokale Sheriff (Tanner Beard) und schließlich der Hausherr selbst scheinen ein blutiges Ende verhindern zu können. Aber die Frage ist ja auch: Wollen sie das überhaupt?

    Angesichts dessen, dass jedem nur einigermaßen erfahrenen Slasher-Schauer recht schnell klar sein dürfte, in welche Richtung der Hase läuft, gestaltet Marc Meyers seine Einführung sehr zeitaufwändig. Es dauert satte 20 Minuten, bis die sechs Hauptfiguren auf dem Anwesen ankommen, auf dem der Rest der Handlung und somit auch die blutige Action abgehen soll. Aber offenbar hatte der Filmemacher einfach eine Menge Freude daran, die Protagonisten und ihre Welt für uns zu etablieren: Die Szenerie und das mit Liebe zum Detail gestaltete Ambiente sind ihm und seinem Team jedenfalls hervorragend gelungen. Es macht Spaß, mit den sich in einer Tour über Jungs, Familie und Make-Up zickenden, dabei doch merklich Zuneigung für einander zeigenden jungen Frauen über die Landstraße zu brettern. Die Musik (generischer Haarspray-Metal und Synthesizer-Klänge à la Carpenter von „Brightburn“-Komponist Tim Williams), die Outfits (zerrissene Stretch-Jeans, Nietengürtel, bauchfreie Tops), Frisuren (blondierte Madonna-Dauerwelle oder Lockenstab-Desaster) und sogar der Roadtrip-Proviant (Twinkies, Ding Dongs, Jägermeister) passen dabei perfekt in die Zeit.

    Die Soldaten des Teufels


    Dasselbe kann man auch den männlichen Gegenparts attestieren: Die Burschen fahren in einem für die Ära typischen, mit kitschigen Fantasy-Motiven verzierten, schraddeligen Dodge-Van herum und tragen Schnauzbärte oder Vokuhilas. Die von außen kindisch anmutenden, von den Beteiligten aber todernst ausgetragenen Streitereien über die Qualitäten einzelner Metal-Gruppen wirken dabei so authentisch wie die Kumpel-Chemie des Trios. Auch die Umsetzung des besuchten Konzertes der fiktiven Band The Soldiers Of Satan (im Playback läuft „Black Funeral“ von Mercyful Fate) ist auf amüsante Weise geglückt. Ähnliches gilt für die Darstellung der erwähnten Paranoia, die unter anderem durch den von „Jackass“-Star Johnny Knoxville verkörperten Pastor geschürt wird.

    An den starken Einstieg einen tatsächlich über 90 Minuten spannenden Plot anzuschließen, ist Drehbuchautor Alan Trezza („Weg mit der Ex“) dann allerdings weit weniger überzeugend gelungen: Die weitere Geschichte ist jedenfalls arg dünn und ihre Wendungen sind meilenweit absehbar. Der zum Start angeteaserte Girl-Power-Aspekt wird zunehmend vernachlässigt und mit der ersten Leiche endet abrupt die Entwicklung sämtlicher Charaktere. Zumindest halten die weiterhin unterhaltsamen, streckenweise sogar schwer witzigen Dialoge halten das Ganze trotzdem gerade so noch zusammen.

    ... und so lernen wir die Heavy-Metal-Mädels RICHTIG kennen!


    Die Slasher-Action ist in Sachen Originalität und Einfallsreichtum wiederum recht übersichtlich. Es fließt auch längst nicht so viel Blut, wie es anhand der meist eher konventionell von Messern und Pistolen zugefügten Wunden eigentlich müsste. Die interessanteste, weil originellste Waffe in „We Summon The Darkness“ ist eine Motorsense. Allerdings wird diese lediglich als Drohwerkzeug und mit dem stumpfen Ende zum Ausknocken eingesetzt. Schade.

    Nicht nur hier wäre mehr drin gewesen. Den letzten und für den Zuschauer sicher befriedigendsten Kill enthält uns der Regisseur nämlich sogar ganz vor, wenn seine Cutter Joe Murphy („Swallow“) und Jamie Kirkpatrick („An Interview With God“) einfach schwarzblenden und zum Finale schneiden. Was aber offenbar kein Sequel vorbereiten soll, denn im Anschluss sehen wir zumindest noch das Ergebnis der Attacke in Form von riesigen Blutflecken und anderen Überbleibseln des Opfers. Diese – eventuell budgetbedingte – Regie-Entscheidung ist enttäuschend, denn so macht das Finale längst nicht so viel Spaß wie der (ja noch vollkommen unblutige und trotzdem sehr viel stärkere) Heavy-Metal-Einstieg.

    Fazit: Eine Heavy-Metal-Horror-Komödie, die sich als Mix aus „Heathers“ & „The Texas Chainsaw Massacre“ beziehungsweise „Airheads“ & „Red State“ versucht, aber trotz eines vielversprechenden Einstiegs letztlich an keines der Vorbilder wirklich heranreicht.

     

    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    • Die neuesten FILMSTARTS-Kritiken
    • Die besten Filme aller Zeiten: Usermeinung
    • Die besten Filme aller Zeiten: Pressemeinung
    Das könnte dich auch interessieren

    Kommentare

    • greekfreak
      Heavy Trip habe ich mit ein paar Kumpels,die allesamt auch alte Metalheads sind angeschaut und wir hatten Tränen in den Augen.Alleine die Szene wo sie versuchen einen eigenen Song zu schreiben und der leicht autistische Hoschi,der jedes aber auch jedes Gitarrenriff da jeh geschrieben wurde kennt und den Gitarristen korrigiert.Du das ist von Song X,von Band Y aus dem Album Z. xD
    • Andreas Huettner
      Alexandra Daddario, Heavy Metal, euer Verweis auf Heathers -> Shut up and take my money!
    • Andreas Huettner
      Deathgasm ist cool! Hab ich mir vor ein paar Wochen auch nochmal angeschaut.Was auch ganz herrlich mit unserer - nehme ich mal an - Subkultur spielt und extrem Unterhaltsam ist, ist Heavy Trip!
    • greekfreak
      Alexandra Daddario im 80er Rockerbraut Look ist schon nicht gerade unansehnlich,plus Mercyful Fate in Soundtrack.Der Rest klingt aber eher ziemlich bieder.Da guck ich mir lieber nochmal Deathgasm an,der Film ist nicht nur herrlich abgedreht,in bester Evil Dead-Tradition sondern veräppelt auch sehr liebevoll die ganze Metal Subkultur.Plus geiler Soundtrack von Emperor,Skullfist etc.
    Kommentare anzeigen
    Back to Top