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    To All The Boys: P.S. I Still Love You
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    To All The Boys: P.S. I Still Love You

    Viel schwächer als der erste Teil

    Von Asokan Nirmalarajah
    An den Kinokassen haben es romantische Komödien seit Jahren immer schwerer. Die Zeiten von Herzschmerz-Hits wie „Pretty Woman“, „My Big Fat Greek Wedding“ oder „Hitch“ sind vorbei – und wenn es doch noch mal einen richtig großen Ausreißer gibt, dann ist es wie zuletzt im Fall von „Crazy Rich“ oft ein lokales, aber kein weltweites Phänomen. Viele Fans des Genres scheinen es halt mittlerweile zu bevorzugen, die Filme eingekuschelt auf dem Sofa in der eigenen Stube statt auf einer großen Leinwand zu schauen – und sie bekommen ja auch gerade zu Hause reichlich Nachschub. Denn längst hat Netflix erkannt, dass mit romantischen Komödien viele Kunden glücklich gemacht werden können – besonders mit den Filmen, die sich an eher junge Zuschauer richten.

    Vor allem nach dem Erfolg von „A Christmas Prince“ ging es so richtig los. 2018 erschien bei dem Streaming-Anbieter eine RomCom nach der anderen, „The Kissing Booth“ & Co. avancierten dabei laut Netflix-Eigenauskunft zu den meistgeschauten Inhalten der Plattform. Und ganz vorne stand dabei die Bestselleradaption „To All The Boys I've Loved Before“, weshalb die Fortsetzung auch dank der Verfügbarkeit von zwei weiteren Romanvorlagen von Young-Adult-Autorin Jenny Han wohl nur noch Formsache war. Bei „To All The Boys: P.S. I Still Love You“ übernahm nun der beim ersten Teil noch für die Kamera zuständige Michael Fimognari von Susan Johnson die Verantwortung. Doch nicht nur seine wenig inspirierte Regie, sondern auch das seltsam antriebslose, mit allzu redseligen Szenen vollgestopfte Skript führen dazu, dass das Sequel viel zu sehr pubertäre Nabelschau ist und nur ganz selten an das flott erzählte Original herankommt.

    Das romantische Traumpaar ist zurück... hat aber seinen Biss verloren!


    Lara Jean Covey (Lana Condor) ist endlich im siebten Himmel angekommen. Und das nach einem wahrlich turbulenten Schuljahr, in dem sie die Aufmerksamkeit ihrer Mitschüler vor allem auf sich zog, weil ihre kleine Schwester Kitty (Anna Cathcart) alle ihre handgeschriebenen, nie abgeschickten Liebesbriefe an die heimlichen Objekte ihre Begierde sendete. So kam Lara Jean nach einigen Verwicklungen schließlich mit dem High-School-Schönling Peter (Noah Centineo) zusammen. Eigentlich ist ihre Welt perfekt – doch dann erhält die Schülerin eine süße Antwort auf einen ihrer anderen Briefe.

    John Ambrose (Jordan Fisher) war einst Lara Jeans Kindheitsfreund und fängt nun an, ihr den Hof und schöne Augen zu machen. Dabei kommen sie sich schon deshalb immer wieder nahe, weil er im selben Altersheim aushilft. Lara Jean, die bisher nur davon träumte, die Aufmerksamkeit auch nur eines Jungen zu erlangen, wird nun gleich doppelt umschwärmt – und ist bald verzweifelt. Rat sucht sie daher bei der Rentnerin Stormy (Holland Taylor), die ihr mit sarkastischen Beziehungstipps hilft. Doch für wen wird sich die überforderte Lara Jean am Ende entscheiden?

    Die Wiedersehensfreude ist nur von kurzer Dauer


    Schon „To All the Boys I've Loved Before“ hat nicht gerade mit Originalität gepunktet, selbst wenn es mal eine schöne Abwechslung war, eine koreanisch-amerikanische Heldin die typischen Irrungen und Wirrungen der ersten Liebe durchlaufen zu sehen. Aber daneben wurden dann doch vor allem die bekannten RomCom-Klischees abgearbeitet. Die Handlung war vorhersehbar und gab es auch keine ästhetisch sonderlich eindrucksvollen Momente. Trotzdem konnte der Auftakt der Trilogie begeistern, ganz einfach weil die typischen Figuren einer jeden Teenie-RomCom hier besonders liebevoll skizziert wurden – und das galt nicht nur für die Außenseiterin im Mittelpunkt.

    Mit Lara Jeans verständnisvollem, übervorsichtigem Witwer-Vater, den beiden Schwestern (die ältere abgebrüht, die jüngere vorlaut) oder dem auf den ersten Blick so oberflächlichen Schönling, der sie anfangs nicht für voll nimmt, verbrachte man einfach gerne Zeit. Doch so sehr man sich nun auch auf ein Wiedersehen mit diesen Charakteren und dem sympathisch-charismatischen Cast dahinter gefreut hat, so schnell lässt das schleppend erzählte Sequel die so vertraute Vitalität verfliegen.

    Der neue Verehrer John Ambrose erscheint trotz Schnee-Romantik nie als echte Alternative.


    Anfangs gibt es zumindest noch ein paar besonders romantische Bilder, mit denen die Dates von Lara Jean mit ihrem Partner Peter und ihrem neuen Verehrer John illustriert werden. Doch danach fehlt jeder Ansatz einer pfiffigen Variation der doch eher ausgelutschten Sequel-Idee, die eigentlich schon glücklichen Figuren einfach ins Zentrum einer Dreiecksgeschichte zu werfen, um neue Konflikte zu erzeugen. Dieses Problem hat schon der Roman von Jenny Han, der deutlich schwächer als das erste Buch ist – aber im Film wirkt sich das alles noch viel negativer aus.

    Die Drehbuchautoren Sofia Alvarez und J. Mills Goodloe versuchen nun gar nicht erst, einen eigenen Dreh zu finden, sondern halten sich viel zu sklavisch an die Vorlage. Statt einer spannenden Filmdramaturgie hat man bisweilen den Eindruck, einer Aneinanderreihung der Ereignisse im Roman beizuwohnen. Dass für die Romanze von Lara Jeans Vater mit der Nachbarin in der begrenzten Zeit eines Films eigentlich kein Platz ist, stört die Macher ebenfalls nicht, was den Film immer wieder unnötig mäandern und ausfransen lässt.

    Ein plötzlich langweiliges Pärchen


    Diesmal retten auch die Darsteller und ihre liebenswerten Figuren nichts – was auch an der veränderten Konstellation liegt. Lana Condor spielt Lara Jean nicht mehr als Außenseiterin, die sich in der sozialen Hölle der High-School bewähren muss. Und dem zum Netflix-Teenie-Schwarm Nr. 1 aufgestiegene Noah Centineo, der bald in „Masters Of The Universe“ den legendären Muskelhelden He-Man spielen soll, fehlt als gar nicht mehr so eitler High-School-Star, der seine Gefühle unterdrückt, um cool zu wirken, der Witz. Als Fake-Paar im ersten Teil knisterte es, als echtes Paar haben diese Figuren nun kein Reibungspotenzial mehr und sind dadurch richtiggehend langweilig.

    Jordan Fisher („Teen Beach Movie“), der den im Abspann des ersten Teils noch von Jordan Burtchett gespielten Neu-Verehrer John Ambrose verkörpert, bleibt derweil so brav und freundlich, dass auch der Dreiecksgeschichte selbst jeder Pepp, jede Leidenschaft fehlt. Immerhin passt das gut zu einem Film, der auch insgesamt so unglaublich brav und bieder geworden ist, dass man sich durchaus zu fragen beginnt, ob man sich den teilweise sehr kessen Witz des Vorgängers, der bewusst Liebeskitsch auch mal gebrochen hat, nicht womöglich nur eingebildet hat. So bleibt eine süßlich-zuckerige Teenie-Romanze, bei der man nicht ein einziges Mal daran zweifelt, für wen sich Lara Jean am Ende entscheiden wird.

    Fazit: „To All the Boys: P.S. I Still Love You“ ist zwar optisch unverkennbar die Fortsetzung von „To All the Boys I've Loved Before“, erreicht aber nie dessen Charme und Leichtigkeit. Das weckt wenig Hoffnung für das später im Jahr erscheinende, ebenfalls von Michael Filmognari inszenierte und bereits abgedrehte Trilogie-Finale „To All The Boys: Always And Forever, Lara Jean“.

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