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    VFW
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    VFW

    Alt, aber oho

    Von Karin Jirsak-Biemann
    Der Filmtitel „VFW“ ist die Abkürzung für die „Veterans Of Foreign Wars“ und eben jene in die Jahre gekommenen Rückkehrer aus (verschiedenen) US-Auslandseinsätzen sind nun die wackeren Helden eines brachialen Action-Punk-Streifen, der mit seinem grobkörnigen Retro-Look und einem dröhnenden Synthie-Score als wummernde Hommage an das 80er-Jahre-Splatterkino sowie das John-Carpenter-Meisterwerk „Assault – Anschlag bei Nacht“ durchgeht.

    „Old, but still runnin'“, das sind hier offensichtlich die actionversierten Altstars, die Joe Begos („Bliss“) für seine krachende Kneipenkeilerei zusammengetrommelt hat: Unter anderem Stephen Lang („Avatar“), Martin Kove („Karate Kid“), Fred Williamson (M*A*S*H) und William Sadler („Stirb langsam 2“) beleben das gute alte Belagerungsszenario mit trockenem Witz und einer gut abgehangener Lässigkeit. So zeigen die kriegsgestählten Rentner einer Horde wildgewordener Junkies, wo der Hammer (beziehungsweise der Korkenzieher) hängt.

    Zum Kampf bereite Recken.


    Eigentlich will Barkeeper Fred (Stephen Lang) in der Veteranenkneipe „VFW“ nur in Ruhe mit seinen ähnlich betagten Kumpels auf seinen Geburtstag anstoßen, als plötzlich die junge Lizard (Sierra McCormick) in seine Bar stolpert. Im Gepäck hat die Teenagerin einen Haufen geklauter Drogen und im Schlepptau eine Horde rasender Junkies, die zu allem bereit sind, um an den Stoff namens „Hype“ zu kommen. Doch der bestohlene Gangleader Boz (Travis Hammer) und seine hirntote Entourage haben die Rechnung ohne den nimmermüden Soldaten-Spirit von Fred, Walter (William Sadler), Abe (Fred Williamson) & Co. gemacht, die sich im Schankraum verschanzen und schließlich mit vereintem Heldenmut und einem aus Bar-Equipment improvisierten Waffenarsenal in die Schlacht ziehen…

    „Don't believe the Hype!“ Hinter diesem sehr passenden Namen verbirgt sich nämlich eine ziemlich üble Droge, die aus ihren Konsumenten bemerkenswert tumbe Zombies macht, wie wir direkt in einer der ersten Szenen erfahren: Für ein kleines Fläschchen von dem Gift stürzen sich Süchtige sogar (sinnloserweise) von einem meterhohen Gerüst in den sicheren Tod. Wie es dazu gekommen ist, dass dieses Teufelszeug die hier schön auf postapokalyptisch gebürsteten Vereinigten Staaten in einer unbestimmten Zeit in der nahen Zukunft fest im Griff hat, was Hype eigentlich ist und wie sich die offenbar neue Gesellschaftsordnung unter diesem chemischen Fluch entwickelt hat? Das alles ist hier nicht wirklich das Thema. Um genau zu sein, gibt es eigentlich gar kein Thema, sondern nur sechs alte und einen zufällig dazugestoßenen jungen Kriegsveteranen (Tom Williamson), die in ihrer Stammkneipe aufs Heftigste mit dem durch „Hype“ geformten Zeitgeist kollidieren.

    Minimale Handlung, geradlinige Action


    Das ist tatsächlich auch schon alles an Handlung. Fans grobschlächtiger Action wird’s nicht stören, denn es rummst, kracht und spritzt schon ordentlich in der sonst so gemütlichen Veteranenkneipe. Aus Mangel an ordentlichem Verteidigungsgerät wird dabei auf so ziemlich alles zurückgegriffen, was das Bar-Interieur so zu bieten hat, vom Korkenzieher über den Dartpfeil bis zur angespitzten Veteranenflagge. Und, klar, ein paar dicke Wummen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Dass das alles nicht so ganz ernst gemeint sein kann, liegt auf der Hand, und genau darin besteht natürlich auch ein Teil des durchaus vorhandenen Unterhaltungswerts dieses perfekt auf die 80er gestylten No-Brainers. Dazu gehören neben den körnigen, entsättigten Bildern, den grundsätzlich in retrofuturistischem Rot, Blau oder Rot und Blau ausgeleuchteten Räumen sowie dumpf dröhnenden Synthies natürlich auch jede Menge schwere Boots, schwarzes Leder und Killernieten – wie sie die Killer in der guten alten Zeit halt gerne so getragen haben, um sich als solche auszuweisen. Ja, hier geht’s in erster Linie um die Fassade, und dahinter ist halt auch nicht viel. Mit welchem augenzwinkernden Selbstbewusstsein dies hier zelebriert wird, ist allerdings schon ein fettes R-E-S-P-E-C-T wert.

    Doch bei all dem obercoolen 80er-Lack: Ohne die mit gut gelaunten Altstars besetzten alten Haudegen würde dieser Film nicht funktionieren – Lang, Sadler, Williamson, Kove & Co. spielen oberlässig auf, selbstironische Senioren- und Soldatenwitze inklusive. Die jüngeren Teilnehmer dieser hemmungslos zelebrierten Gore-Schlacht werden dagegen kaum im Gedächtnis bleiben - allen voran Schurke Boz. Dieser ist halt nichts weiter als ein beliebiger Bösewicht in offener Killernietenlederjacke, unter der die haar- und herzlose Brust hervorblitzt. Auch auf der guten Seite werden die Figuren weder mittels nennenswerter Backstory ausgearbeitet, noch kann von irgendeiner bemerkenswerten Schauspielkunst die Rede sein – es sei denn, man versteht darunter, 92 Minuten lang eine nur minimal variierte genervte Schnute zu ziehen, so wie es hier Sierra McCormick („Supernatural“) schon fast eindrucksvoll zur Schau stellt. Aber das wird (vor allem) Fans des Gore-Genres, das hier in aller Konsequenz, aber auch ohne allzu einfallsreiche Kills zelebriert wird, sicher nicht den Spaß verderben.

    Fazit: Geradliniges, wenn auch nicht allzu originelles Splatterfest, das bei Retro-Action-Fans vor allem wegen den launigen Altstars das Zeug zum Kultfilm hat. Hirn ausschalten und Spaß haben, wenn ein munterer Haufen längst aussortierter Haudegen in einer schummrigen Bar gegen eine Horde Drogenzombies ins letzte Gefecht zieht.

    Wir haben „VFW“ auf den Fantasy Filmfest White Nights gesehen.

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    Kommentare

    • greekfreak
      Dieser Film braucht dringend einen Soundtrack von Carpenter Brut oder Perturbator.
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