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    The Photograph
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Photograph

    Ein Liebesfilm im Smooth-Jazz-Modus

    Von Christoph Petersen
    The Photograph“ ist einer dieser Filme, in denen die Erlebnisse und Erfahrungen verschiedener Generationen nebeneinandergestellt werden, um nicht nur eine spezifische Geschichte zu erzählen, sondern möglichst auch noch zu einer universellen Wahrheit vorzudringen. Ein ambitioniertes Vorhaben, bei dem sich Regisseurin und Drehbuchautorin Stella Meghie („Du neben mir“) auch ein Stück weit verhebt. Dennoch ist „The Photograph“ allein schon wegen seiner zentralen Liebesgeschichte sehenswert – und das hat neben dem gedämpften Jazz-Soundtrack vor allem mit den beiden herausragenden Hauptdarstellern und ihrer einnehmenden Chemie zu tun.

    Nachdem er bei Recherchen in New Orleans über ein Foto aus den Achtzigern gestoßen ist, das ihn einfach nicht mehr loslässt, will der New Yorker Journalist Michael Block (LaKeith Stanfield) unbedingt die Fotografin des Motivs ausfindig machen. Allerdings ist Christine Eames erst vor wenigen Wochen gestorben, stattdessen trifft Michael auf ihre Tochter Mae (Issa Rae), die als Kuratorin im Queens Museum arbeitet. Zwischen den beiden funkt es zwar gewaltig, allerdings hat sich Michael auch gerade erst für einen neuen Job in London beworben.

    Während Mae damit ringt, ob sie den Brief lesen soll, den ihre tote Mutter ihr hinterlassen hat (und in dem auch der eine – nicht sonderlich schwer vorherzusehende - Twist des Films steckt), springt die Handlung zwischendrin immer wieder zurück in die Achtzigerjahre: Nach einem Streit mit ihrer Mutter (Marsha Stephanie Blake) lässt die angehende Fotografin Christine (Chanté Adams) ihren Freund Isaac (Y`lan Noel) in New Orleans zurück, um sich fortan beruflich in Manhattan auszuprobieren…

    LaKeith Stanfield und Issa Rae als starkes Liebespaar.


    Natürlich lernt Mae an einer Stelle aus einem Fehler ihrer Mutter und schlägt deshalb in ihrer Beziehung mit Michael einen anderen Weg ein. Aber davon abgesehen ergänzen sich die beiden Zeitebenen längst nicht so sehr, wie man es eigentlich erwarten würde. „The Photograph“ fühlt sich deshalb oft so an, als wäre er die Verfilmung eines sehr dicken Buches, dessen tiefen, generationenumspannenden Themen sich in knappen 105 Minuten eben nur lose anreißen lassen. Aber dem ist nicht so: Stella Meghie hat die Geschichte direkt für die Leinwand geschrieben – und ihre Rechtfertigung für die Rückblenden bleibt auch deshalb mau, weil Christines Erfahrungen als alleinerziehende Fotografin im Big Apple der Achtziger nur sehr rudimentär in lediglich zwei kurzen Szenen aufgearbeitet werden. Auf eigenen erzählerischen Beinen steht dieser Part von „The Photograph“ jedenfalls nie.

    Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Segen, dass die Rückblenden so knapp ausfallen. Denn das Herz und die größte Stärke von „The Photograph“ ist ohnehin die Liebesgeschichte zwischen Michael und Mae. Weil die großen Konflikte, die man in einem Kino-Melodram nun mal braucht, über die parallele Erzählweise in den Film eingebracht werden, fällt all der übliche dramaturgische Ballast von ihrer Beziehung ab: Zwei Menschen, die sich tatsächlich wie Erwachsene verhalten, daten einander, ohne dass zwischendrin immer wieder künstlich-aufgeblasene Rückschläge eingebaut werden müssten. Das geht Hand in Hand mit dem immer präsenten Smooth-Jazz-Soundtrack, der die Gefühle und Konflikte nicht – wie sonst üblich – verstärkt und überhöht, sondern ihnen im Gegenteil eine angenehme Bodenständigkeit verleiht.

    Eine Liebe im Fluss des Jazz


    „The Photograph“ muss dabei auch deshalb gar nicht extra dick auftragen, weil zwischen Issa Rae (Star der HBO-Serie „Insecure“) und LaKeith Stanfield („Get Out“, „Knives Out“) auch so schon ganz gewaltig die Funken sprühen – sie sind auf jeden Fall eines der glaubwürdigsten Liebespaare des romantischen Kinos der vergangenen Jahre. Und sie sehen dabei auch noch verdammt gut aus: Die Bilder von „Black Christmas“-Kameramann Mark Schwartzbard wirken zwar mitunter einen Tick zu sauber, was auch an den allzu aufgeräumten Sets und den eigentlich (deutlich) über der Gehaltsklasse der Protagonisten liegenden Appartements liegt. Aber sie entwickeln trotzdem eine Kraft, wie man es bei solchen Hochglanz-Romanzen nur selten erlebt.

    Fazit: Ein stark besetztes und gefilmtes Romantik-Melodram, das wie eine elegante Smooth-Jazz-Improvisation dahingleitet, statt immer direkt mit voller Kraft auf die emotionale Pauke zu hauen. Zugleich gibt sich „The Photograph“ mit seiner generationenumspannenden Erzählung aber größer und universeller, als er es in Wahrheit ist.

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