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    The Secret – Traue dich zu träumen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    The Secret – Traue dich zu träumen

    Neugeistlicher Nonsens

    Von Oliver Kube
    2006 produzierte die Australierin Rhonda Byrne die esoterische Doku „The Secret“. Mittels Interviews mit Motivationstrainern und pseudo-wissenschaftlicher Behauptungen versuchte der Film zu belegen, wie sich das Universum durch positives Denken und Fokussierung auf persönliche Ziele zu den eigenen Gunsten beeinflussen lässt. Wer an gute Dinge denkt, dem widerfahren sie dann angeblich auch. Die von Prominenten wie der immens populären Talkmasterin Oprah Winfrey promotete DVD, auf der angebliche Beweise und Techniken zur erfolgreichen Anwendung der Theorie geliefert werden, spielte allein in den USA 65 Millionen Dollar ein.

    Noch im selben Jahr veröffentlichte Byrne ein gleichnamiges Buch, das inzwischen in 50 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 30 Millionen Mal verkauft wurde. Zwei Fortsetzungen gibt es auch schon. Da ist also was zu holen, auch im Kino. Aber Sachbücher zu verfilmen, ist ja nicht so einfach. Deshalb hat der „Sweet Home Alabama“-Regisseur Andy Tennant nun mit „The Secret - Das Geheimnis“ ein romantisches Drama geschrieben und inszeniert, welches das aus dem Buch stammende „Gesetz der Anziehung“ („Law Of Attraction“) zumindest als zentrales Plotelement verwendet. Visuell kann das Ergebnis sogar überzeugen. Zugleich krankt der Film aber – wenig überraschend – an einer sehr klobig auf die Buchbezüge hin konstruierten Story mit erheblichem Fremdschäm-Faktor.

    Die alleinerziehende Dreifachmutter Miranda ist nicht nur pleite, sie muss sich auch noch ...


    Vor zwei Jahren kam Mirandas (Katie Holmes) geliebter Ehemann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Seitdem versucht sie mehr schlecht als recht, sich und ihre drei Kinder in einem Außenbezirk von New Orleans durchzubringen. Wenig hilfreich bei ihrem finanziellen Dauernotstand ist die Tatsache, dass Miranda nach dem College sofort schwanger wurde und deshalb keine abgeschlossene Ausbildung vorweisen kann. Außerdem ist an dem maroden Haus der Familie ständig irgendetwas zu reparieren. Dabei wäre alles so einfach. Miranda müsste nur den sich redlich um sie bemühenden Tucker (Jerry O'Connell) heiraten, in dessen Restaurant sie jobbt. Allein: Sie liebt ihn nicht.

    Da zieht ein Hurrikan auf und die hektisch ihren Nachwuchs von der Schule abholende Miranda fährt von hinten in den Pick-up-Truck eines Fremden. Bray (Josh Lucas) nimmt den Unfall überraschenderweise nicht nur völlig relaxt hin, er bietet am nächsten Tag sogar an, Mirandas Dach in Stand zu setzen, das von einem während des Sturms entwurzelten Baum zerstört wurde. Warum ist der Mann so nett zu ihr? Und was befindet sich in dem mysteriösen Briefumschlag, den er seiner neuen Bekannten eigentlich längst hätte aushändigen sollen?

    Wer Pech hat, ist selbst schuld


    Zu Beginn treffen wir Katie Holmes („Batman Begins“) in einem klassischen Südstaaten-Ambiente. Wir sehen alte Holzvillen mit riesigen Veranden, lauschigen Gärten und schönen Bootsstegen sowie die für die Gegend typischen, gigantischen, mit Louisianamoos behangenen Eichenbäume. Fast glaubt man, Holmes sei zurück in ihrer – noch immer besten – Rolle als mittlerweile erwachsene Joey Potter aus dem Neunziger-Kulthit „Dawson's Creek“. Der spielte zwar in Neuengland, wurde aber für Kenner der lokalen Geografie unübersehbar im Süden des Landes gedreht. Zumal sie 20 Jahre später wieder zwischen zwei Jungs, äh, Männern steht. Doch Holmes neue Figur hat keine Zeit, verträumt aus dem Fenster auf den Fluss zu schauen und sich die Zukunft mit dem einen oder anderen ihrer Verehrer auszumalen. Denn Miranda ist verzweifelt und pleite. Mehr als das – sie hat stattliche 100.000 Dollar Schulden angehäuft.

    Wie konnte Miranda in eine solche Situation geraten? Nein, nicht weil sie das Pech hatte, ihren Gatten zu verlieren, nicht mit Geld umgehen kann und das soziale Auffangnetz in den USA noch löchriger ist als hierzulande. Der Film will uns weismachen, sie hätte einfach nur zu viele negative Gedanken. „Je mehr man an etwas denkt, desto näher zieht man es an sich heran“, sagt Bobby (Celia Weston), die wohlmeinende Mutter des verstorbenen Gatten. Also hat Miranda wohl nur zu häufig über die sie und ihre Kinder bedrohende Armut nachgegrübelt. Wie konnte sie nur?

    Diese Methode funktioniert aber ebenso gut auch in die andere Richtung, versucht der von Josh Lucas („Le Mans 66 - Gegen jede Chance“) mit zugegebenermaßen viel Charme gespielte Bray ihr und uns weiszumachen. Der nicht nur sexy aussehende, sondern praktischerweise auch noch reiche und handwerklich begabte Universitätsprofessor setzt auf positives Denken und hat deshalb – na klar! – Glück im Leben. Das alles funktioniert schon im Kleinen, behauptet er. Und natürlich tritt das von Tennant zusammen mit Rick Parks („Auf immer und ewig“) und Bekah Brunstetter („This Is Us - Das ist Leben“) verfasste Drehbuch gleich den Beweis dafür an:

    Peperoni-Pizza durch positives Denken


    Die Kinder haben Lust auf Pizza. Miranda hat allerdings nur irgendeinen ungenießbaren Mikrowellenfraß im Haus. Doch der Junge (Aidan Pierce Brennan) und die beiden Mädchen (Sarah Hoffmeister, Chloe Lee) hätten – trotz des Sturms – wirklich viel lieber einen Fladenteig italienischer Machart, lecker belegt mit Peperoni und Salami. Und siehe da: Plötzlich klingelt es an der Tür und ein komplett durchnässter Bote bringt mitten im übelsten Unwetter seit Katrina die heiß ersehnte Köstlichkeit; frei Haus gesandt von einem edlen Spender.

    Ja, genau. So läuft’s inzwischen bestimmt im Alltag all der Millionen von Lesern, die eine der Schwarten von Bestsellerautorin Rhonda Byrne (agiert hier auch als Produzentin) gekauft und verinnerlicht haben. Man muss eben nur fest genug an ihre neugeistlichen Lehren glauben. Den Schauspielern gilt es unterdessen Hochachtung zu zollen, dass sie sich anhand solch haarsträubenden Unsinns tatsächlich noch halbwegs gradlinig präsentieren und beim Aufsagen ihrer Dialoge nicht in einer Tour mit den Augen rollen.

    ... zwischen zwei gleichermaßen hilfsbereiten, handwerklich begabten und gutaussehenden Männern entscheiden.


    Die Optik des Films ist dagegen ansprechend – und das betrifft nicht nur die authentischen Hurrikan-Bilder, die nicht zu übertrieben dargestellt werden, aber auch nicht billig aussehen. Andrew Dunns („Gosford Park“) Kameraführung, das stimmungsvolle Licht und der unaufdringliche Schnitt (Troy Takaki) leisten dem romantischen Knistern zwischen den Protagonisten geschickt Vorschub. Bevor nach knapp einer halben Stunde erstmals Byrnes Theorien so richtig aufdringlich durchschimmern, könnte man fast meinen, sich in eine der – ja mitunter wirklich gelungenen – Edelschnulzen nach Nicholas Sparks („Wie ein einziger Tag“, „Kein Ort ohne Dich“) verlaufen zu haben.

    Anleihen an die zuletzt immer populärer werdenden religiösen Erbauungsschinken à la „Forever My Girl“ oder „Breakthrough - Zurück ins Leben“ (ebenfalls mit Josh Lucas) sind obendrein zu erkennen. Die Figur Bray könnte hier über weite Strecken auch als eine Art Engel durchgehen, der der notleidenden Maid zur Hilfe eilt. Innerhalb der 105 Minuten wird neben Buddha und Einstein auch der christliche Gott mehrfach positiv erwähnt. Letzteres ist in den USA wahrscheinlich unerlässlich, wenn man einen Film fernab von Superhelden- und Horror-Sujets auch jenseits der liberaleren Küstengebiete vermarkten will. Nicht nur hier ist offensichtlich, wie die Macher auf ziemlich plumpe Art in möglichst vielen Jagdgründen zu wildern versuchen, um ihr Publikum zu finden (und womöglich noch weitere Anhänger für ihre Art von spirituellem Kult anzuwerben).

    Fazit: Esoterischer Hokuspokus im Gewand eines schwer erträglichen Schnulzenfestes.

     

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