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    Fatman
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Fatman

    No Country For Old Weihnachtsmänner

    Von Christoph Petersen
    Die Prämisse ist schon mal genial: Nachdem ein kleiner Junge nur ein Stück Kohle zu Weihnachten bekommen hat, heuert das verzogene Gör einen Auftragskiller an, um Santa Claus persönlich den Garaus zu machen. Sicherlich gibt es unzählige Filme, die außer einer einzelnen guten Idee nichts zu bieten haben – aber „Fatman“ gehört zum Glück nicht dazu!

    Die Thriller-Groteske von Ian und Eshom Nelms („Small Town Crime“) schlägt schließlich einen ganz anderen Tonfall an, als man es nach der so angenehm absurd klingenden Beschreibung eigentlich erwarten würde. Letztendlich erinnert „Fatman“ nämlich vor allem an die Frühwerke der Coen-Brüder von „Blood Simple“ bis „Fargo“ – nur eben mit einem weihnachtlich-satirischen Einschlag.

    Walton Goggins eröffnet als namenloser Auftragskiller die Jagd auf den Weihnachtsmann ...


    Billy Wenan (Chance Hurstfield) regiert das Hauspersonal trotz seiner jungen Jahre ganz selbstverständlich mit eiserner Hand – und wenn er doch mal nicht bekommt, was er haben will, fälscht er einfach die Unterschrift seiner Großmutter auf einem Scheck, um damit einen namenlosen Auftragskiller (Walton Goggins) anzuheuern. Kein Wunder also, dass der Zwölfjährige am Weihnachtsmorgen nur ein Stück Kohle statt eines Geschenks unter dem Baum vorfindet.

    Aber auch das lässt Billy nicht einfach so auf sich sitzen – und setzt seinen Killer deshalb auf den Weihnachtsmann (Mel Gibson) an. Der hat unterdessen allerdings ganz andere Probleme: Weil es immer weniger artige Kinder gibt, geht auch die Zahl der ausgelieferten Geschenke zurück – weshalb die US-Regierung nun ihre Zuschüsse kürzt. Der einzige Ausweg, um die Elfenfabrik nicht endgültig schließen zu müssen, ist ein Produktionsauftrag vom US-Militär...

    Killing Santa Softly


    Es ist quasi unmöglich, den Plot von „Fatman“ so aufzuschreiben, dass die Zusammenfassung den erstaunlich geerdeten Tonfall des Films widerspiegelt – auch die vorherigen zwei Absätze klingen zweifelsohne wieder so, als würde einen hier eine abgehobene Action-Parodie irgendwo zwischen „John Wick“ und der „Santa Claus“-Trilogie mit Tim Allen erwarten. Aber Pustekuchen! „Fatman“ macht Laune – ist aber trotzdem weder Fun-Splatter noch Festtags-Alberei. Stattdessen kommen hier trotz des ständigen Augenzwinkerns auch Fans von Filmen wie „No Country For Old Men“ oder „Killing Them Softly“ auf ihre Kosten.

    Selbst wenn Billy mit einer gekidnappten Mitschülerin die umstrittene Folterszene aus „Grand Theft Auto 5“ nachstellt, weil der Schnösel-Sprössling als vierfacher Titelverteidiger mit seinem „Jugend forscht“-Projekt diesmal nur den zweiten Platz erreicht hat, ist das nicht einfach nur Over-the-Top-krass, sondern tatsächlich auch ein wenig ungemütlich. „Fatman“ ist nicht laut und polternd, sondern so kühl und zynisch wie sein verschneites Setting. Eine kleine Enttäuschung ist allenfalls der finale Showdown, bei dem dann doch auffällt, dass den Machern wohl nur ein sehr beschränktes Budget zur Verfügung gestanden hat.

    ... aber Mel Gibson hat sich als Santa Claus auch schon mal warmgeschossen!


    Im Gegensatz zu manchen seiner Actionstar-Altersgenossen (Bruce Willis, Steven Seagal, usw.) gibt sich Mel Gibson selbst in kleineren (Direct-to-VoD-)Produktionen immer noch alle Mühe – zuletzt etwa in dem insgesamt nicht so dollen Hurrikan-Gangsterfilm „Force Of Nature“. Aber in „Fatman“ spürt man nicht nur, dass er richtig Bock auf die Rolle hat – er passt auch einfach perfekt als zunehmend desillusionierter Weihnachtsmann, der es selbst mit störrischem Gleichmut hinnimmt, wenn er bei der Auslieferung der Geschenke mal wieder angeschossen wird. Und ganz wichtig: Mel Gibson trägt als Santa seinen echten Bart...

    Für Walton Goggins ist der Part als namenloser Profikiller mit Weihnachtsgeschenk-Fetisch natürlich nichts Besonderes – in solchen Rollen hat er von „Justified“ bis „The Hateful 8“ immer wieder brilliert. Aber was soll’s, er rockt halt – auch in „Fatman“. Dem Kinderstar Chance Hurstfield („Good Boys“) will man hingegen auch als Zuschauer – zwölf Jahre hin oder her – ab seinem ersten Auftritt einfach nur die Fresse polieren. Also auch hier: Job mit Bravour erfüllt!

    Fazit: „Fatman“ fühlt sich über weite Strecken an wie eine zynisch-schwarzhumorige Thriller-Groteske im Stile der Coen-Brüder – nur eben mit dem Weihnachtsmann als Zielperson.

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