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    Hubie Halloween
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Hubie Halloween

    Doch nicht der schlechteste Film aller Zeiten

    Von Christoph Petersen
    Die drei umsatzstärksten Filme in der langen Karriere von Adam Sandler sind „Hotel Transsilvanien 3“ (527 Millionen), „Hotel Transsilvanien 2“ (469 Millionen) und „Hotel Transsilvanien“ (378 Millionen) – da ist die Idee naheliegend, es auch einmal mit einer Realfilm-Gruselkomödie zu versuchen. Wirklich Angst machen musste einem im Vorfeld der Netflix-Produktion „Hubie Halloween“ aber weniger das schaurige Setting als vielmehr eine Drohung des Hauptdarstellers.

    Adam Sandler kündigte 2019 nämlich an, dass er „mit Absicht den schlechtesten Film aller Zeiten drehen werde, um es euch allen heimzuzahlen“, wenn er für seine Leistung in „Der schwarze Diamant“ nicht den Oscar als Bester Hauptdarsteller erhält. Die Ehrung blieb trotzdem aus. Ist „Hubie Halloween“ nun also der schlechteste Film aller Zeiten? Die Antwort lautet: Nein, gerade im Gegensatz zu solchen granatenschlechten Blödelorgien wie „The Ridiculous 6“ ist „Hubie Halloween“ tatsächlich unterhaltsam und sogar ein bisschen clever geraten.

    Hubie hält in der Schule einen Vortrag - mit riesigen Pissflecken auf seinem Gespenster-Kostüm...


    Hubie Dubois (Adam Sandler) ist der größte Halloween-Fan in ganz Salem. Mit seinen gutgemeinten Sicherheitspredigten geht er allerdings allen ganz gewaltig auf die Nerven – weshalb er praktisch von der gesamten Stadt gemobbt wird: Die Kinder bewerfen ihn tagtäglich mit Eiern und die Erwachsenen (darunter Ray Liotta und Maya Rudolph) sind keinen Deut besser. An Halloween kriegt Hubie deshalb auch von seiner Mutter (June Squibb) den Rat mit auf den Weg, sich nicht dauernd von allen alles gefallen zu lassen.

    Aber das ist gerade an diesem Halloween nicht so einfach. Denn als nach und nach immer mehr Menschen verschwinden, wird Hubie neben den üblichen Hänseleien mit einem waschechten Mysterium konfrontiert: Steckt der am Abend zuvor aus einer psychiatrischen Anstalt geflohene Richard Hartman (???) dahinter? Oder der neue Nachbar Walter Lambert (Steve Buscemi), der laut der Aufschrift auf seinem Grabstein bereits im 16. Jahrhundert geboren wurde (ein Todesdatum fehlt). Weil der örtliche Polizist Steve Downey (Kevin James) seinen Klagen schon lange keinen Glauben mehr schenkt, muss der hasenfüßige Hubie die Sache selbst aufklären…

    Running Gags und Pissflecken


    Adam Sandler spielt in „Hubie Halloween“ erneut den gutherzigen Naivling, wie wir ihn aus „Little Nicky“ und vor allem „Waterboy“ kennen – aber Hubie wird nun noch einmal auf einem ganz anderen Level von seinem Umfeld gedemütigt und beschimpft. Vielleicht eine Reaktion darauf, wie Adam Sandler selbst im Laufe der vergangenen 20 Jahre immer mehr Prügel für seine Filme einstecken musste? Wie dem auch sei: Der Comedy-Star reißt die Rolle längst auf Autopilot runter – und die Sandler-typische Anti-Mobbing-Message wird am Ende derart lieblos abgespult, dass sie längst nicht mehr so berührt wie einst in „Billy Madison“.

    Dafür sind aber eine ganze Reihe der Running Gags gelungen. Darunter zum Beispiel die Slapstick-Szenen, wenn Hubie auf seinem Fahrrad durch die Stadt fährt und ihm nach den anfänglichen Eiern – wie in einem Comicstrip mit Bugs Bunny und Elmer Fudd – fortwährend größere und gefährlichere Wurfgegenstände um die Ohren fliegen. Oder der Umstand, dass quasi alle Frauen im Alter ab 3 Jahren als Harley Quinn kostümiert sind. Oder die T-Shirts mit anzüglichen Aufschriften, die die 90-jährige, oscarnominierte June Squibb („Nebraska“) die ganze Zeit trägt und die man im Anschluss am liebsten sofort selbst kaufen würde. Nur auf die ständigen Pissjokes hätte man gerne verzichten dürfen.

    Mit der schönsten Vokuhila-Frisur des Jahres - Kevin James als Cop!


    Soweit, so Sandler. Aber was wirklich überrascht und was „Hubie Halloween“ am Ende zumindest noch ins solide Mittelfeld wuchtet, ist tatsächlich die gelungene Auflösung des Wer-ist-denn-nun-der-Mörder-Plots. Im finalen Drittel punktet die Gruselkomödie plötzlich mit zwei, drei richtig cleveren Twists, die man nach all der Unter-der-Gürtellinie-Blödelei nun wahrlich nicht mehr erwartet hätte.

    Wer mit Adam Sandler abseits seiner Arthouse-Ausflüge wie „The Meyerowitz Stories“ und „Der schwarze Diamant“ schon länger so gar nichts mehr anfangen kann, den wird auch „Hubie Halloween“ ganz sicher nicht umstimmen. Aber Fans des Komikers, die ihm zumindest noch hinein in die Ära von „Kindsköpfe“ & Co. weiter die Treue gehalten haben, sollten hier ruhig erneut einen vorsichtigen Blick riskieren…

    Fazit: „Hubie Halloween“ ist sicherlich nur etwas für Fans der naiv-gutherzigen Blödelbarden-Persona von Adam Sandler – aber die dürfen ruhig einen Blick riskieren, ohne einen weiteren Totalausfall à la „The Ridiculous 6“ befürchten zu müssen.

    P.S.: Die Geschichte mit dem „schlechtesten Film aller Zeiten“ hat übrigens einen typischen Horrorfilm-Twist, bei dem der längst totgeglaubte Killer plötzlich doch noch einmal aufsteht. „Hubie Halloween“ wurde nämlich bereits im Sommer 2019 und damit vor dem fraglichen Interview gedreht (wenn auch erst danach in der Post-Produktion fertiggestellt). Wenn Adam Sandler es also – entgegen aller Vermutungen – doch ernstmeint, könnte er seine Drohung immer noch bei seinem nächsten Film wahrmachen.

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