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    Es ist zu deinem Besten
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Es ist zu deinem Besten

    Die deutsche Antwort auf "Monsieur Claude"

    Von Christoph Petersen
    Es entbehrt sicherlich nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet „Es ist zu deinem Besten“ mit seinem Poster-Design einen kleinen Shitstorm ausgelöst hat. Schließlich ist die neue Komödie von „Mann tut was Mann kann“-Regisseur Marc Rothemund selbst vollkommen handzahm. Der Anlass des Anstoßes war stattdessen: Von den sechs auf dem Poster abgebildeten Schauspielern wurden nur die drei Männer namentlich genannt – inzwischen hat der Verleih StudioCanal deshalb eine neue Version nachgelegt, bei der nun gleich ein ganzes Dutzend Mitglieder der tollen Besetzung namentlich Erwähnung finden.

    Im Zentrum von „Es ist zu deinem Besten“, einem Remake der Erfolgskomödie „Es Por Tu Bien“, die 2017 etwa 1,8 Millionen Zuschauer in die spanischen Kinos lockte, stehen aber trotzdem die drei männlichen Stars Heiner Lauterbach, Jürgen Vogel und Hilmi Sözer. Als Väter, die mit allen Mitteln ihre Schwiegersöhne in spe loszuwerden versuchen, erinnert ihre Mission ein wenig an die von Monsieur Claude, der ja auch erst einmal verkraften musste, dass keine seiner vier Töchter einen Bio-Franzosen heiraten will. Im Vergleich zum französischen Super-Hit ist „Es ist zu deinem Besten“ allerdings kein Film, der auch mal aneckt.

    Drei Schwäger, eine Mission!


    In der ersten Szene übt der wohlhabende Kanzleichef Arthur (Heiner Lauterbach) seine Rede als Vater der Braut – und zwar voller Stolz, schließlich will seine Tochter Antonia (Janina Uhse) einen aufstrebenden Junganwalt ehelichen. Aber dann lässt die Braut ihren Verlobten vor dem Altar stehen – und brennt stattdessen mit dem vorbestraften Hippie Alex (Jacob Matschenz) durch. Arthurs Schwäger Kalle (Jürgen Vogel) und Yussuf (Hilmi Sözer) haben unterdessen ganz ähnliche Probleme mit den Liebesentscheidungen ihres Nachwuchses.

    Kalles Teenager-Tochter Luna (Lisa-Marie Koroll) hat sich in einen mehr als doppelt so alten Erotik-Fotografen verknallt, während Yussuf schwer daran knabbert, dass die Noten seiner Tochter Sophie (Lara Aylin Winkler) rasant in den Keller gehen, seitdem sie mit ihrem offenbar drogendealenden Mitschüler Andi (Junis Marlon) zusammen ist. Also wird die Aktion Super-Schwäger mit dem Ziel gestartet, alle drei unliebsamen Freunde der Töchter möglichst schnell loszuwerden – koste es, was es wolle…

    Klasse statt Rasse


    Man mag von „Monsieur Claude und seine Töchter“ halten, was man will – aber er hat sich was getraut. Anders ist es schließlich kaum zu erklären, warum ihn die einen als bissige Satire bejubeln, während ihn andere als geradeheraus rassistisch verteufeln. „Es ist zu deinem Besten“ wird sein Publikum hingegen nicht ansatzweise derart spalten – und das liegt nicht nur daran, dass hier statt der Herkunft vor allem die Klassenzugehörigkeit verhandelt wird. Vielmehr sind die Bonzen- und Revoluzzer-Klischees, an denen sich Heiner Lauterbach und Jacob Matschenz hier abarbeiten, derart altbacken und harmlos, dass da wirklich niemand mehr einen roten Kopf bekommen wird.

    Für die Mittel, die die Super-Schwäger im Kampf gegen die ungewollten Schiegersöhne auffahren, gilt Ähnliches – da braucht niemand Angst haben, dass es „zu böse“ wird. Auch sonst ist das alles arg spießig: Dass drei erwachsene Männer auch im Jahr 2020 regelrecht ausflippen, wenn sie das Wort „Marihuana“ auch nur hören, wirkt zum Beispiel wenig glaubhaft. Und trotzdem kann man, wenn man die ersten Minuten mit seinem aggressiven Popcorn-Product-Placement überstanden und die Hoffnung auf wirklich bissige Pointen aufgegeben hat, dennoch erstaunlich viel Spaß mit „Es ist zu deinem Besten“ haben – und das liegt vor allem an den drei Hauptdarstellern, die einen trotz ihrer wenig sympathischen Mission wunderbar bei Laune halten.

    Ein sozialistischer Schwiegersohn - für den überzeugten Kapitalisten Arthur geht das aber mal so gar nicht!


    Heiner Lauterbach („Der Fall Collini“) scheint ja in letzter Zeit ohnehin eine neue Lust an der Komödie entwickelt zu haben – vor allem mit seiner Leistung in „Enkel für Anfänger“ hat er in dieser Hinsicht begeistert. Als zu allem bereiter Juristenschnösel mit Johann-Sebastian-Bach-Gedächtnisfrisur reißt er den Film erneut schnell an sich – mitsamt einiger wirklich schöner Szenen vor allem gen Ende, wenn die harte Kapitalisten-Schale dann doch noch ein wenig aufweicht. Im Gegensatz zu Heiner Lauterbach sind der ganzkörpertätowierte Jürgen Vogel („Gott, du kannst ein Arsch sein!“) und „Ballermann 6“-Star Hilmi Sölzer als Spießer vor dem Herrn sogar ein Stück weit gegen den Strich besetzt …

    … was ihre Figuren gleich viel interessanter macht: So kriegt der sonst so coole Jürgen Vogel als Kalle immer wieder Wutanfälle, bei denen ihn seine Ehefrau Heike (Lisa Maria Potthoff) routiniert dazu anhält, doch bitte erst einmal bis zehn zu zählen. Sowieso setzen die Schauspielerinnen, selbst wenn die meisten weiblichen Rollen eher eindimensional bleiben, dem zunehmend hysterischen Väter-Trio eine angenehme Ruhe und Gelassenheit entgegen. So erden sie nicht nur die zunehmend freidrehenden Super-Schwäger, sondern haben sich ihre Nennung auf dem Poster auch redlich verdient.

    Fazit: Arg harmlose, aber dank des gutaufgelegten Hauptdarsteller-Trios auch angenehm kurzweilige Boulevard-Komödie.

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