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    Corona Zombies
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Corona Zombies

    Der blutige Kampf ums Klopapier!

    Von Christoph Petersen
    Die bereits seit mehr als 30 Jahren aktive B-Movie-Schmiede Full Moon Features konnte trotz des frühen Erfolgs mit der „Puppet Master“-Reihe (13 Filme seit 1989) nie wirklich aus dem Schatten der legendären Trash-Fabrik Troma Entertainment heraustreten. Wobei das gar nicht unbedingt an den Filmen selbst lag, sondern vielmehr an den hemmungslos-krassen Marketingaktionen, mit denen Troma-Gründer Lloyd Kaufman und seine Kompagnons immer wieder für ihre Trash-Produktionen von „The Toxic Avenger“ bis „Tromeo & Julia“ geworben haben. Aber jetzt hat zur Abwechslung auch mal Full Moon einen echten Vermarktungs-Coup gelandet…

    Während ein Großteil der Weltbevölkerung in häuslicher Quarantäne steckt und darauf hofft, dass doch bloß das gehortete Klopapier nicht ausgehen möge, hat Genre-Veteran und Full-Moon-Chef Charles Band nur wenige Wochen gebraucht, um nun seine blutrünstigen „Corona Zombies“ auf die Menschheit (und speziell den Heimkino-Markt) loslassen zu können. Bereits auf die Ankündigung des Films folgten etliche erboste Reaktionen – und damit eine riesige Aufmerksamkeit samt unglaublicher Aufrufzahlen für den Trailer. Aber wie hat der Regisseur aller sechs (!) „Evil Bong“-Filme das nur so schnell geschafft, wo doch nahezu die gesamte Filmlandschaft wegen den Vorgaben zum Social Distancing brachliegt?

    Zumindest halten sich die Zombies an die Maskenpflicht!


    Ganz einfach: Nur wenige Minuten von „Corona Zombie“ wurden tatsächlich neu gedreht! In den entsprechenden Szenen sehen wir eine nicht allzu helle Blondine namens Barbie (Cody Renee Cameron, bekannt etwa als einbalsamierte Leiche in „The Neon Demon“), die sich in ihrem Standbungalow in Bodega Bay mit dem Start der Pandemie konfrontiert sieht. Aus der Situation resultiert eine Handvoll Corona-Gags über im Supermarkt karatekämpfende Toilettenpapier-Hamsterer, die aber schon jetzt total abgestanden wirken – schließlich hat man in den letzten Wochen kaum etwas anderes gehört und sonderlich clever sind die Pointen nun auch nicht gerade.

    Im Hintergrund läuft unterdessen eine Breaking-News-Sendung im TV, die Barbie trotz ihrer strikten Keine-Nachrichten-Haltung widerwillig eingeschaltet hat: Die Kommentare von US-Präsident Donald Trump („die ganze Sache wird bis Ostern wieder beendet sein“) werden dabei immer wieder von Live-Schalten in einen Strip-Club, in dem gerade eine Zombie-Meute über die halbnackten Tänzerinnen herfällt, unterbrochen. Bei den „News“-Bildern handelt es sich um ganze Sequenzen aus der Full-Moon-Produktion „Zombies Vs. Strippers“ aus dem Jahr 2012, die nun einfach eins-zu-eins und ohne neue Synchronisation in „Corona Zombies“ hineingeschnitten wurden. Da hat man schwuppdiwupp 15 Minuten Film mit weniger als einer Stunde Arbeit zusammen – das ist effizient, aber für den Zuschauer bietet das natürlich wenig Mehrwert (außer einem Best-of der Oben-ohne-Gore-Szenen).

    Das Corona-Squad und die Fledermaussuppe


    Das Herzstück von „Corona Zombies“ (und der einzige Grund, überhaupt mal für ein paar Minuten reinzuschauen) bleiben damit die Szenen aus dem italienisch-spanischen Zombie-Horrorfilm „Die Hölle der lebenden Toten“: Der 1980 veröffentlichte Euro-Trash handelt von einer Reporterin, die sich gemeinsam mit ihrem Kameramann einer vierköpfigen Elite-Truppe anschließt, die im Dschungel von Neuguinea Jagd auf Kannibalen und (für heutige Verhältnisse sehr, sehr langsame) Zombies macht.

    Für „Corona Zombies“ wurden die – in erstaunlich guter Bildqualität (!) - übernommenen Sequenzen in der Tradition von „Mystery Science Theater 3000“ neu synchronisiert: So wird aus der Spezialeinheit im Dschungel Neuguineas das von Donald Trump höchstpersönlich entsendete Corona-Squad, das in einer Suppenfabrik in Baltimore nach dem Auslöser der Epidemie suchen (Hauptverdächtiger: die neue Geschmacksrichtung „Fledermaus“) und nebenbei den Entführer eines mit Klopapier beladenen Frachtschiffes dingfest machen soll.

    Ein Großteil von "Corona Zombies" besteht aus Szenen aus "Die Hölle der lebenden Toten" von 1980.


    Ein paar Minuten lang ist das sogar ganz amüsant. Aber die neue Synchro ist nie so clever, dass sie tatsächlich unironisch lustig wäre – und sie ist in den allermeisten Szenen auch längst nicht mies genug, um sich an ihrer ausgestellten Schlechtheit zu ergötzen. Stattdessen bleibt nur die beachtliche Trash-Qualität der alten Bilder selbst – und die haben es zum Teil echt in sich: Wenn sich die Spezialeinheits-Deppen von superlangsamen Zombies überwältigen lassen, vor denen auch eine Oma mit Krückstock einfach so wegspazieren könnte, dann bekommt man echt sehr große Lust, sich möglichst bald noch mal ganz „Die Hölle der lebenden Toten“ anzusehen – nur eben ohne den ganzen „Corona Zombies“-Quark drumherum.

    Fazit: Der Zombie-Trash-Remix ist längst nicht so empörend, wie er sein müsste, um als Corona-Exploitation zu provozieren (oder auch nur einigermaßen gut zu unterhalten). Aber als Marketing-Kniff hat die Nummer trotzdem perfekt funktioniert: Das Sequel mit dem neuen Schwerpunkt „Tiger King“ soll bereits im Mai 2020 und damit nur einen (!) Monat nach dem Release des Vorgängers rauskommen – damit könnte sich „Corona Zombies 2“ womöglich den Titel als schnellste Fortsetzung der Filmgeschichte sichern.

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